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Kann der SC Bern den ZSC Lions im Viertelfinal tatsächlich Paroli bieten?
Bild: KEYSTONE

Die «Viertelfinals der Illusionen» sind die besten aller Zeiten – zumindest auf dem Papier

Die Titanen haben sich im Kampf um die Playoffs durchgesetzt. So vielversprechend waren die Viertelfinals deshalb eigentlich noch nie.

Publiziert: 29.02.16, 15:53 Aktualisiert: 29.02.16, 17:29

Nur grosse Namen. Keine Aussenseiter. Jeder der acht Viertelfinalisten war mindestens zweimal im Finale und sechs gewannen schon die Meisterschaft. Bereits in der ersten Runde treffen also die Titanen aufeinander und zwei Finalpaarungen aus der Neuzeit werden neu aufgelegt: Davos gegen Kloten (2009, 2011) und die die ZSC Lions gegen den SC Bern (2012). So gesehen sind es die besten Viertelfinals seit Einführung der Playoffs (1986). Zumindest auf dem Papier. Aber vielleicht scheint das ja nur so.

Wir können jetzt schon eine griffige Bezeichnung für die Viertelfinals 2016 kreieren: Es sind die «Viertelfinals der grossen Illusionen.» Eine Illusion ist die falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit, die zu falschen Hoffnungen verleitet. Oder volkstümlicher: Wunschdenken.

Niklas Schlegel: Trotz guter Quali noch kein Meister-Goalie.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Die ZSC Lions haben die Qualifikation dominiert und wecken die Illusion der «Unverwundbarkeit». Aber so gut diese mächtige Hockeymaschine auch funktioniert und so gross der Hype um den amerikanischen «Kinderstar» Auston Matthews (18) sein mag: die Zürcher sind auf der Torhüterposition nur durchschnittlich besetzt. Gegen den SCB kann es reichen. Aber spätestens ab dem Halbfinale brauchen die Zürcher die Rückkehr von Meistergoalie Lukas Flüeler in guter Form. Auston Matthews veredelt zwar das Offensivspiel. Aber er ist nicht dazu in der Lage, das Team als Leitwolf zu führen.

Mit der Playoff-Qualifikation ist beim SC Bern das Selbstverständnis zurückgekehrt, gross und mächtig zu sein. Die Berner sehen sich gegen die ZSC Lions nicht als Aussenseiter. Schliesslich waren sie 2005 die ersten, die vom 8. Platz aus einen Qualifikationssieger (Lugano) eliminiert haben. Und sie selber sind schon dreimal als Qualifikationssieger in der ersten Runde gescheitert – gegen Kloten (2006), Fribourg (2008) und Zug (2009). Aber es ist bloss eine Illusion zu glauben, der SCB habe gegen die ZSC Lions eine echte Chance.

Wer hofft zu Recht?

Die Kloten Flyers haben sechs der sieben letzten Partien der Qualifikation gewonnen. Das nährt die Hoffnung, die Flyers seien in Hochform und mit guten Chancen gegen Davos. Eine reine Illusion. Die Klotener haben keinen Torhüter, der die Davoser aufhalten kann und sie sind physisch zu wenig robust, um das Tempospiel des Meisters während einer ganzen Playoff-Serie auszuhalten.

Luganos Hoffnung auf den ersten Sieg in einer Playoff-Serie seit 2006 ist berechtigt. Aber es ist eine Illusion, davon auszugehen, Zug lasse sich durch Härte einschüchtern. Der Einkauf des rauen kanadischen Power-Stürmers Maxim Lapierre (188 cm/100 kg) ist das Produkt dieser Illusion und wird die Mannschaft bloss davon abhalten, auf ihre spielerische Stärke zu vertrauen. Aber das Scheitern gegen das raue Servette in den beiden letzten Viertelfinals führt zur Illusion, es bedürfte bloss ein bisschen mehr Härte und endlich ins Halbfinale zu kommen.

Schiessen Linus Klasen und Fredrik Pettersson den HC Lugano zum ersten Titel seit 10 Jahren?
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Die Zuger sind kleiner und leichter und haben mit Tobias Stephan den besseren Torhüter als Lugano. Aber es ist eine Illusion zu glauben, Tobias Stephan alleine könne gegen Lugano die Differenz machen.

Servette ist taktisch eines der besten und härtesten Teams der Liga. Aber die Annahme, Gottéron werde sich einschüchtern lassen, ist eine Illusion.

Nur ein Titel «aus der Tiefe des Raumes»

Die Viertelfinals stehen beim grossen Publikum ganz im Zeichen der beinahe gestrauchelten Titanen SC Bern und Kloten. Die Ausgangslage ist für diese beiden Teams hoffnungsvoll: die Playoffs sind erreicht. Der Druck ist weg. Aus den Krisenteams sind sozusagen über Nacht gefährliche Aussenseiter im Titelrennen geworden. Bern und Kloten können nun die ganze Saison retten und allen Spott und alle Schmähungen vergessen machen. Aber auf meisterlichen Ruhm zu hoffen, ist eine Illusion.

Die Wirklichkeit sieht nämlich ziemlich düster aus. Bis heute hat erst einmal ein Team aus dem Tabellenkeller doch noch die Meisterschaft gewonnen. Die ZSC Lions holten im Frühjahr 2012 unter Bob Hartley vom 7. Platz aus den Titel. Ja, der Kanadier, der heute wieder in der NHL arbeitet (Calgary), stand der Entlassung lange Zeit näher als der Meisterfeier. Hätte er das Auswärtsspiel am 23. Dezember 2011 in Genf verloren, wäre er gefeuert worden. Doch die Zürcher gewannen auf wundersame Weise 4:3 nach Penaltys und diese Partie ist heute ein wichtiger Bestandteil der Legende um Bob Hartleys Person.

Nein, berechtigte Hoffnungen auf eine Meisterfeier darf sich der SCB keine machen.
Bild: KEYSTONE

Es gibt kein zweites Beispiel eines solchen Titelgewinnes «aus der Tiefe des Raumes». Am nächsten kommt noch der ZSC-Titelgewinn von Harold Kreis im Frühjahr 2006 von Platz 6 aus. Daneben ist der HC Davos von 2015 der einzige Meister, der in der Qualifikation (5.) nicht mindestens Platz 4 erreicht hat.

Ein Anhänger der Kloten Flyers wird nun sagen: Halt! Wir sind 1995 auch vom 7. Platz aus Meister geworden! Stimmt. Aber das war ein anderer Modus. Damals wurden die Playoffs nach einem fixen Tableau gespielt. Die Klotener konnten also nach dem Sieg im Viertelfinale den Platz des zweitplatzierten Lugano übernehmen und hatten so im Halbfinale gegen Bern (6.) ein Freilos.

Wir können davon ausgehen, dass Kloten und Bern nicht Meister werden. So viel steht vor den «Viertelfinals der Illusionen» fest. Alles andere ist offen.

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

2021: EV Zug, Finalserie: 3:0 gegen Servette-Genf. keystone / ENNIO LEANZA
2020: Kein Meister, die Meisterschaft wurde wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt. KEYSTONE / WALTER BIERI
2019: SC Bern, Finalserie: 4:1 gegen den EV Zug. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
2018: ZSC Lions, Finalserie: 4:3 gegen den HC Lugano. KEYSTONE/TI-PRESS / DAVIDE AGOSTA
2017: SC Bern, Finalserie: 4:2 gegen den EV Zug. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
2016: SC Bern, Finalserie: 4:1 gegen HC Lugano. TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
2015: HC Davos, Finalserie: 4:1 gegen ZSC Lions. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
2014: ZSC Lions, Finalserie: 4:0 gegen Kloten (Bild: Mark Bastl stemmt Pokal). KEYSTONE / ENNIO LEANZA
2013: SC Bern, Finalserie: 4:2 gegen Fribourg. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2012: ZSC Lions, Finalserie: 4:3 gegen Bern (Bild: Ari Sulander stemmt Pokal). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2011: HC Davos, Finalserie: 4:2 gegen Kloten. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
2010: SC Bern, Finalserie: 4:3 gegen Servette (Bild: Pascal Berger stemmt den Pokal in die Höhe). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2009: HC Davos, Finalserie: 4:3 gegen Kloten. PHOTOPRESS / WALTER BIERI
2008: ZSC Lions, Finalserie: 4:2 gegen Servette (Bild: Mathias Seger, Adrian Wichser und Ryan Gardner (v. l.). KEYSTONE PHOTOPRESS / ALESANDRO DELLA BELLA
2007: HC Davos, Finalserie: 4:3 gegen Bern. PHOTOPRESS / ARNO BALZARINI
2006: HC Lugano, Finalserie: 4:1 gegen Davos (Bild: Sandy Jeannin mit Pokal und Assistenztrainer Ivano Zanatta (vorne)). PHOTOPRESS / KARL MATHIS
2005: HC Davos, Finalserie: 4:1 gegen die ZSC Lions (Bild: Michel Riesen, Joe Thornton (vorne von links), Rick Nash, Andrea Häller und Sandro Rizzi (hinten von links). KEYSTONE / EDDY RISCH
2004: SC Bern, Finalserie: 4:1 gegen Lugano (Bild: Rolf Schrepfer, Marc Leuenberger und Thomas Ziegler (von rechts)). KEYSTONE / EDI ENGELER
2003: HC Lugano, Finalserie: 4:2 gegen Davos (Bild: André Rötheli, Patrick Sutter, Sandro Bertaggio (von links)). KEYSTONE / EDDY RISCH
2002: HC Davos, Finalserie: 4:0 gegen die ZSC Lions. KEYSTONE / WALTER BIERI
2001: ZSC Lions, Finalserie: 4:3 gegen Lugano (Bild: Michael Zeiter mit Pokal). KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
2000: ZSC Lions, Finalserie: 4:2 gegen Lugano (Bild: Mathias Seger (r.)). KEYSTONE / WALTER BIERI
1999: HC Lugano, Finalserie: 4:1 gegen Ambrì (Bild: Trainer Jim Koleff (l.)). KEYSTONE / KARL MATHIS
1998: EV Zug, Finalserie: 4:2 gegen Davos. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
1997: SC Bern, Finalserie: 3:1 gegen Zug (Bild: Captain Roberto Triulzi). TISCHLER/LIMINA
1996: EHC Kloten, Finalserie: 3:0 gegen Bern. KEYSTONE / STR
1995: EHC Kloten, Finalserie: 3:1 gegen Zug (Bild: Roman Wäger (l.) und Felix Hollenstein). KEYSTONE / STR
1994: EHC Kloten, Finalserie: 3:1 gegen Fribourg (Bild: Felix Hollenstein (Mitte), Roman Wäger (r.)). KEYSTONE / STR
1993: EHC Kloten, Finalserie: 3:0 gegen Fribourg. KEYSTONE / STR
1992: SC Bern, Finalserie: 3:2 gegen Fribourg. KEYSTONE / EDI ENGELER
1991: SC Bern, Finalserie: 3:1 gegen Lugano (Bild: Bern-Goalie Renato Tosio). KEYSTONE / STR
1990: HC Lugano, Finalserie: 3:1 gegen Bern. KEYSTONE / STR
1989: SC Bern, Finalserie: 3:2 gegen Lugano. KEYSTONE / KARL MATHIS
1988: HC Lugano, Finalserie: 3:0 gegen Kloten (Bild: Captain Kenta Johansson). KEYSTONE / STR
1987: HC Lugano, Finalserie: 3:0 gegen Kloten (Bild: die Lugano-Spieler Beat Eggimann, Alfred Luethi, Andy Ton und Bernasconi). KEYSTONE / KARL MATHIS
1986: HC Lugano, Finalserie: 2:0 gegen Davos (Bild: Lugano-Captain Beat Kaufmann). KEYSTONE / STR

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