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Der demokratische Senator Chris Murphy spricht nach der Abstimmung zu den Medien.  Bild: JIM LO SCALZO/EPA/KEYSTONE

Trotz Massaker in Orlando: US-Senat will keine Verschärfung des Waffenrechts

Nach dem Attentat in Orlando sind mehrere Entwürfe zur Verschärfung des US-Waffenrechts im Senat gescheitert. Mithilfe der neuen Regeln hätte verhindert werden sollen, dass Menschen, die auf einer Terror- oder Flugverbotsliste geführt werden, Waffen kaufen können.

Publiziert: 21.06.16, 03:27 Aktualisiert: 21.06.16, 06:53

Zur Abstimmung standen insgesamt vier Vorschläge zur Änderung bestehenden Rechts. Sie verfehlten am Montagabend (Ortszeit) jeweils die nötige Mehrheit von 60 Stimmen.

Den Demokraten gingen die Vorschläge der Republikaner nicht weit genug; die Konservativen kritisierten die Massnahmen der anderen Seite als zu strikt. Es gilt als äusserst unwahrscheinlich, dass es im laufenden Wahljahr zu einer Verschärfung des Waffenrechts kommt.

Wenige Tage vor der Abstimmung hatte ein Mann in einem Nachtclub in Orlando 49 Menschen getötet. Der Attentäter war in den vergangenen Jahren mehrfach wegen Terrorverdachts von der Bundespolizei FBI vernommen worden. Trotzdem konnte er sich völlig legal ein Gewehr und eine Pistole kaufen, mit denen er das Blutbad anrichtete.

Demokraten und Republikaner legten am Montag jeweils eigene Entwürfe vor, um zu verhindern, dass Terroristen an Waffen kommen. Der demokratische Vorschlag hätte es den Sicherheitsbehörden ermöglicht, Menschen, die auf einer Flugverbotsliste geführt werden, vom Kauf auszuschliessen. Dieses «No Fly, No Buy» war schon nach dem Terrorattentat von San Bernardino im Senat gescheitert.

64'000 Flugverbote

In den USA gibt es mehrere Datenbanken mit Terrorverdächtigen. Die Flugverbotsliste ist Teil einer FBI-Erhebung und umfasst etwa 64'000 Namen.

Das Scheitern der Vorlagen war erwartet worden, da die Demokraten im Senat nicht die erforderliche Mehrheit für die Verabschiedung hatten. Sie zeigten sich verärgert, dass auch dieser neuerliche Anlauf für schärfere Waffengesetze gescheitert ist. «Heute Abend hat der Senat den Opfern der Schusswaffengewalt den Rücken zugedreht», kritisierte der demokratische Senator Dick Durbin.

Der aus Texas stammende Republikaner John Cornyn kritisierte im Senat, dass die Vorlagen der Demokraten zu weit gingen. «Jeder einzelne Senator will Terroristen den Zugang zu Waffen verwehren, mit denen sie unbescholtenen Zivilisten Gewalt antun können», sagte Cornyn. «Aber man kann das auf falsche oder auf richtige Weise erreichen.»

Der brutale Angriff auf einen Gay-Nachtclub in Orlando ist der bisher schlimmste Amoklauf in der US-Geschichte. Wir erinnern uns an die anderen. X02008 / STEVE NESIUS
Dezember 2015: Im kalifornischen San Bernardino töten ein Mann und eine Frau 14 Menschen. Sie sterben später im Kugelhagel der Polizei. Es handelte sich um einen islamistisch motivierten Terrorakt. EPA/US CUSTOMS AND BORDER PROTECTION / US CUSTOMS AND BORDER PROTECTION
Dezember 2012: Beim bis dahin schlimmsten Amoklauf an einer US-Schule kommen in Newtown (Connecticut) 27 Menschen ums Leben, darunter 20 Kinder. Der 20-jährige Schütze tötet sich selbst. AP/FR125654 AP / Jessica Hill
Juli 2012: Während der Mitternachts-Preview eines «Batman»-Films tötet ein 24-Jähriger in einem Kino in Aurora (Colorado) zwölf Menschen. 70 werden verletzt. Am 8. August 2015 wurde James Eagan Holmes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, ohne Chance auf Bewährung. X80003 / POOL
November 2009: In der Militärbasis Fort Hood (Texas) tötet ein Armeepsychologe 13 Menschen und verletzt 42. Der Angreifer tötet sich nach der Tat selbst. EPA/EPA / ASHLEY LANDIS
April 2009: In Binghamton (New York) erschiesst ein Mann 13 Menschen in einem Verwaltungsgebäude. Die Tat war rassistisch motiviert. Der Täter richtet sich selbst. AP / Matt Rourke
April 2007: An der Technischen Universität von Virginia erschiesst ein Student 32 Menschen und verletzt 15, bevor er selber von der Polizei erschossen wird. Die Tat galt als der bis dahin blutigste Amoklauf in der Geschichte der USA. AP THE ROANOKE TIMES / Alan Kim
April 1999: Zwei Schüler erschiessen an der Columbine High School in Littleton (Colorado) zwölf Schüler und einen Lehrer und verletzen 24 Menschen. Die Täter nehmen sich das Leben. THE DENVER POST
Oktober 1991: Im texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschliessend begeht er Suizid.
Juli 1984: In einem Schnellrestaurant in Kalifornien erschiesst ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen. picture alliance / ZUMAPRESS.com / picture alliance / ZUMAPRESS.com
August 1966: Von einem Turm der Universität von Texas schiesst ein Amokläufer mehr als eine Stunde lang auf Passanten. Mindestens 14 Menschen werden getötet. wikipedia/Picasa 3.0 / wikipedia/Picasa 3.0

Der republikanische Vorstoss sah vor, dass die Behörden zunächst alarmiert werden, wenn jemand, der auf einer solchen Liste steht, eine Waffe kaufen will. Ein Staatsanwalt hätte dann drei Tage Zeit bekommen, ein Gericht davon zu überzeugen, warum der Käufer keine Waffe bekommen sollte. Kritiker erklärten, das sei nicht ausreichend. Die mächtige Waffenlobby NRA stellte sich hinter den Vorschlag der Konservativen.

Grundrecht auf Waffenerwerb

Eine weitere Initiative der Demokraten hätte die sogenannten Background Checks bei allen Waffenkäufen zur Pflicht gemacht. Bei Privatverkäufern sowie manchen Messen sind solche Überprüfungen bislang nicht vorgesehen. Der vierte Entwurf – eingebracht von einem republikanischen Senator – hätte es Menschen mit ernsthaften psychischen Erkrankungen erschwert, Waffen zu kaufen.

Der republikanische Senator Chuck Grassley wies im Plenum darauf hin, dass der Waffenerwerb ein in der Verfassung festgeschriebenes Grundrecht sei, das nicht einfach aufgeweicht werden könne. (cma/sda/afp/dpa)

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