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Brexit-Deal in letzter Minute: Mehr vom Gleichen muss reichen

Der gestrige Deal zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU ändert zwar nichts am Austrittsabkommen und am umstrittenen Backstop. Er gibt aber rechtlich durchsetzbare Garantien, dass London nach dem Brexit nicht in der Zollunion gefangen bleibt. Die Analyse.

Publiziert: 12.03.19, 13:17
Remo Hess / ch media

Die Brexit-Frage spaltet Grossbritannien

Die 24-jährige Madeleina Kay will in der EU bleiben, London, 14. Februar 2019. AP/AP / Matt Dunham
Während die Ladys im Vordergrund für den Brexit werben, findet im Hintergrund eine Kundgebung für den Verbleib Grossbritanniens in der EU statt. AP/AP / Frank Augstein
Die 42-jährige Belinda Delucy befürwortet den Brexit, London, 14. Februar 2019. AP/AP / Matt Dunham
Klare Botschaft: «Der Brexit ist ein Monstrum». EPA/EPA / FACUNDO ARRIZABALAGA
Der 63-jährige Kaya Mar will in der EU bleiben, London, 14. Februar 2019. AP/AP / Matt Dunham
«Wir haben bereits den besten Deal», so die Botschaft dieses Anti-Brexit-Demonstranten. EPA/EPA / NEIL HALL
Kate Willoughby will in der EU bleiben, London, 14. Februar 2019. AP/AP / Matt Dunham
Sie wollen keinen Brexit. EPA/EPA / NEIL HALL
Die 54-jährige Eleanor Dobson will den Brexit, London, 13. Februar 2019. AP/AP / Matt Dunham
Die Lady im Vordergrund möchte den Brexit, die Demonstranten im Hintergrund wollen in der EU bleiben. EPA/EPA / WILL OLIVER
Die 22-jährige Lara Spirit will in der EU bleiben, London, 14. Februar 2019. AP/AP / Matt Dunham
Ein Brexit-Befürworter (links) und ein Anti-Brexit-Demonstrant diskutieren. AP/AP / Alastair Grant
Hier sind die EU-Befürworter unter sich. EPA/EPA / FACUNDO ARRIZABALAGA
Sie wollen den Brexit. EPA/EPA / FACUNDO ARRIZABALAGA
Diese Frau will den Brexit. EPA/EPA / NEIL HALL
Er will in der EU bleiben. EPA/EPA / NEIL HALL
Sie auch. AP/AP / Frank Augstein
Eine Anti-Brexit-Demonstrantin vor einem Brexit-Plakat in London. AP/AP / Frank Augstein
Demo für den Verbleib in der EU. AP/AP / Frank Augstein
Sie will raus aus der EU. EPA/EPA / WILL OLIVER
Sie auch. EPA/EPA / WILL OLIVER
Und auch sie demonstrieren für einen Austritt aus der EU. EPA/EPA / WILL OLIVER
Er dagegen will in der EU bleiben: «Stoppt das Brexit-Chaos». EPA/EPA / WILL OLIVER
Sie wollen bleiben. EPA/EPA / WILL OLIVER
Auch die junge Frau will keinen Brexit. AP/AP / Frank Augstein
Eine EU-Freundin. AP/AP / Frank Augstein

Der Zeitpunkt hätte nicht passender sein können: Kurz vor zwölf traten EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und die britische Premierministerin Theresa May gestern im EU-Parlament in Strassburg vor die Presse, um ihren Deal zu präsentieren. Kurz vor zwölf steht es auch beim Brexit: Wenn die britischen Parlamentarier dem Austrittsabkommen heute nicht zustimmen, dürfte es das mit dem beabsichtigten EU-Austritt des Vereinigten Königreichs in 17 Tagen vorerst gewesen sein.

Eins vorneweg: Die von London angestrebten Änderungen am Austrittsabkommen hat die EU auch in letzter Minute nicht zugestanden. Der sogenannte «Backstop» bleibt unangetastet. Unter dieser Notfalllösung verbleibt das Vereinigte Königreich solange in der Zollunion, bis eine Alternative zur Verhinderung einer harten Grenze in Nordirland gefunden ist. Es ist die Garantie, dass die Substanz des «Good-Friday»-Friedensabkommen erhalten bleibt.

Allerdings: In einer gemeinsamer Erklärung, die als «Gebrauchsanweisung» für den Backstop verstanden werden kann, halten Brüssel und London glasklar fest: Der Backstop kann nicht unendlich lange in Kraft und das UK nicht in der Zollunion «gefangen» bleiben. Falls die Briten die EU genau einer solchen Absicht verdächtigen, können sie ein unabhängiges Schiedsgericht einberufen. Nach einem entsprechenden Schiedsspruch könnte das UK dann den Backstop aussetzen. Zudem wird in einem weiteren Dokument ein Zeitplan aufgesetzt, dass man bis spätestens Ende 2020 eine Alternative zum Backstop gefunden haben möchte.

Freilich: Brexit-Kenner wissen, dass das Schiedsgericht und auch die Absicht, möglichst bald einen Ersatz für den Backstop zu finden, alles schon im Austrittsabkommen enthalten ist. Die beiden Zusatzdokumente sollen den Briten aber nochmals als dritte und vierte Rückversicherung dienen.

Ob dieses «Mehr vom Gleichen» reichen wird? Es ist zu bezweifeln. Die Brexit-Hardliner in London haben verschiedentlich deutlich gemacht, dass sie es unter einem konkreten Enddatum für den Backstop und einem einseitigen Ausstiegsrecht nicht machen.

Aber im Kern geht es ohnehin längst nicht mehr um den Backstop, der als Notfalllösung wahrscheinlich sowieso nie eingesetzt wird. Es geht um Macht und darum, «wer wem befiehlt», wie der britische Historiker Brendan Simms unlängst in der «NZZ am Sonntag» festgehalten hat.

Für die EU zumindest ist mit dem gestern gemachten Deal das Ende der Fahnenstange erreicht. «Das war’s», sagte Kommissions-Chef Juncker. Eine dritte Chance werde es nicht geben. Für die Briten heisst es jetzt also definitiv: Take it or leave it.

Was hält die Jugend vom Brexit?

Video: srf

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