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Fussball ohne Fans – nicht der Sinn der Sache. Bild: KEYSTONE

Wie die Fussballsaison jetzt noch zu retten ist – ein Vorschlag

Das Coronavirus hat den Profisport zum Erliegen gebracht. Und so schnell wird sich an dieser Situation nichts ändern. Wie weiter?

Publiziert: 13.03.20, 11:24 Aktualisiert: 14.03.20, 09:03

Wie schlimm wird die Krise noch? Wann kehrt Normalität in unser Leben zurück? Wann kann der Profisport uns wieder unterhalten?

Antworten auf diese Fragen kennen wir nicht. Angesichts des grossen Ganzen sind die Anliegen des Profisports zunächst auch zweitrangig. Aber liegt seine primäre Aufgabe nicht genau darin, uns Zerstreuung zu bieten? Ablenkung vom manchmal vielleicht tristen Alltag?

Faszinierende Aufnahme aus der sowjetischen Stadt Donezk, einem Zentrum der Schwerindustrie und des Kohlebergbaus. bild: old football photos

Sport ist Unterhaltung. Als der Fussball vor 100 Jahren zu seinem Siegeszug um die Welt ansetzte, war er nicht zuletzt dort besonders populär, wo die Menschen sonst nicht viel hatten. In grauen Stahlmetropolen und schwarzen Bergbaugegenden (dazu passend die aktuelle Ausgabe des Magazins «Ballesterer», das sich dem «Fussball im Schacht» widmet). Als Deutschland 1954 das «Wunder von Bern» gelang und es Weltmeister wurde, war das für den Auslöser und Verlierer des Zweiten Weltkriegs wie eine Wiedergeburt.

Und deshalb ist die Frage eben doch von Relevanz: Wie weiter mit der Fussballsaison?

Abbruch der Saison

Die Eishockey-Saison ist in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich abgebrochen worden. Während bei uns noch darüber abgestimmt wird, ob nun den ZSC Lions als Qualifikationssieger der Meistertitel zugesprochen wird, gibt es in unseren Nachbarländern keinen Meister.

Das kann und muss man akzeptieren. Aber wenn er eine Wahl hat, will das wohl niemand. Deshalb zum zweiten Szenario:

Fortsetzung der Saison nach einer Pause

Am Dienstag wird die UEFA in einer Krisensitzung über das weitere Vorgehen beraten. Schon heute Vormittag hat sie entschieden, sämtliche Europacup-Spiele der kommenden Woche zu verschieben. Im Fokus am Dienstag: die EM 2020, die von Mitte Juni bis Mitte Juli in zwölf Ländern ausgetragen wird. Das Gefühl sagt: Sie wird nicht stattfinden.

Der EM-Pokal wird auch 2021 noch schön glänzen. Bild: EPA

Stattdessen könnte die EM in den Sommer 2021 verschoben werden. Dann ist zwar die Klub-WM der FIFA geplant, die in China erstmals mit 24 Teams über die Bühne gehen soll. Und die ohne die besten europäischen Klubs sportlich sinnlos ist. Aber die Klub-WM ist das geringste Opfer, also muss der neue FIFA-Wettbewerb die Folgen der Corona-Krise ausbaden. Alle Wettbewerbe des über die Jahre immer weiter aufgeblähten Spielplans können nicht gerettet werden.

Wird die EM 2020 verschoben, ergeben sich neue Möglichkeiten. Nehmen wir an – hoffen wir! –, dass unser aller Alltag in zwei bis drei Monaten wieder normal sein wird. Dann ist es Ende Mai. In der Super League ist geplant, am 18. Juli die neue Saison in Angriff zu nehmen, eine Woche nach dem EM-Final. Der Start der Bundesliga ist für den 21. August vorgesehen.

Diese Daten müssen angepasst, nach hinten geschoben werden. Es gäbe eine Hinrunde mit mehr englischen Wochen. Aber das ist ja erst der zweite Schritt.

Doch kein Meistertitel für den FC Liverpool? Bild: EPA

Der erste besteht darin, die Meisterschaften nach der Corona-Pause fortzusetzen. Eine EM-Absage bringt die nötige Luft. 13 Runden müssen in der Super League noch absolviert werden, noch je neun Spiele in der Bundesliga und in der Premier League. Kurzer Zwischengedanke: Läck, wäre eine Annullierung der Meisterschaft bitter für Liverpool, das überlegen zum ersten Titel nach 30 langen Jahren des Wartens marschiert!

Die nationalen Meisterschaften können gerettet werden. Und was ist mit Champions League und Europa League? Wenn die nationalen Meisterschaften nach der Corona-Pause auf englische Wochen mit Spielen im Rhythmus Samstag – Mittwoch – Samstag umstellen, bleibt kein Platz für den Europacup.

Aber auch da gibt es eine Möglichkeit – und erst noch eine, die zwei Fliegen mit einer Klatsche schlägt.

Die Spiele könnten auf neutralem Terrain ausgetragen werden: unter anderem in den Stadien der EM 2020. So kommen Fans, die bereits eine Reise dahin geplant haben, dort doch noch in den Genuss von Spitzenfussball. Die UEFA kann mit Sicherheit einen Spielplan auf die Beine stellen. Wenn nötig, wird vom Modus mit Hin- und Rückspiel auf einen K.-o.-Modus mit nur einem Spiel gewechselt. Jedes Spiel ein Final.

Champions-League-Halbfinal statt EM-Gruppenspiele im San Mames in Bilbao – wieso nicht? Bild: EPA/EFE

Ist die aussergewöhnliche Saison 2019/20 dann Mitte oder eher Ende Juli beendet, kann es auch schon relativ zügig mit der neuen weitergehen. Schliesslich können die Spieler jetzt während der Corona-Pause ihre Batterien neu laden. Die Klubs sollen ihnen subito drei Wochen Ferien geben, sobald klar ist, dass die Saison erst in zehn Wochen weitergeht. Und ein Nebeneffekt: Wird die Saisonvorbereitung kurz, werden jene Klubs belohnt, die nur wenige Transfers machen und deshalb ein eingespieltes Team haben.

Eine Pandemie, die den Transferirrsinn eindämmt – entweder bin ich ein hoffnungsloser Fussballromantiker oder ich habe das Coronavirus.

PS: Dass das olympische Fussballturnier ohne Profis auskommen muss, versteht sich angesichts des gedrängten Spielplans von alleine. Olympia sollte mit U17- statt U23-Nationalmannschaften ausgetragen werden und ohne die drei erlaubten älteren Spieler. Noch mehr Romantik.

Das Coronavirus legt ganz Italien lahm

Der Petersplatz in Rom: Hier stehen sich normalerweise die Touristen auf den Füssen. Am 11. März 2020 ist er praktisch leer. EPA/Massimo Percossi EPA / Massimo Percossi
Gähnende Leere auch in diesem Einkaufsviertel von Rom. Bis gestern schlossen die Läden um 18 Uhr, jetzt müssen sie ganz zu bleiben. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Rom ist das beliebtestes Reiseziel in Italien. 15,2 Millionen Ankünfte und 36,6 Millionen Übernachtungen wurden 2018 gemeldet. Jetzt sieht es dort so aus. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Der Verkehr auf den Autobahnen rund um Mailand ist normalerweise berüchtigt für sein Verkehrsaufkommen. Nicht so seit dem Lockdown. EPA / ANDREA FASANI
Auch hier in einer Strasse in Mailand ist kein Mensch. AP / Luca Bruno
Viel Platz und freie Sicht auf den Vesuv hat dieser Jogger in Neapel. AP / Alessandro Pone
Die San Gregorio Armeno ist eine berühmte Einkaufsstrasse in Neapel. Am 11. März war sie komplett ausgestorben. AP / Alessandro Pone
Die 89-jährige Albina Pascucci, 89, posiert für ein Foto aus dem Fenster ihrer Wohnung in Rom. AP / Alessandra Tarantino
Die Via della Conciliazione führt zum Petersplatz in Rom. Tausende Menschen passieren hier an normalen Tagen. Aber am 12. März 2020 ist nichts normal in Italien. EPA / RICCARDO ANTIMIANI
Die Via delle Medaglie d'Oro, ist eine von Roms meistbefahrenen Strassen. Sie führt zum Vatikan. Am 12. März ist sie leergefegt. EPA / ALESSANDRO DI MEO
Noch ein Blick in eine Strasse Roms. Kein Mensch weit und breit. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Ein Marktplatz in Rom am 12. März 2020. Das Restaurant bleibt zu, der Markt wartet auf Kundschaft. EPA / Alessandro Di Meo

«Wie Geburtstag ohne Kuchen»

Video: watson / Lino Haltinner

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