Aktuelle Themen:

Da haut sich Jamie Oliver doch seine eigene Pfanne auf den Pappkopf. Oder so ähnlich. Bild: EPA

Aufstieg und Fall und Aufstieg und Fall ... So schlecht geht's Jamie Oliver heute

Der Retter aller WG-Küchen muss Restaurants schliessen und Leute entlassen. Wir haben das Weltkarriere-Phänomen Jamie Oliver mal genauer betrachtet.

Publiziert: 16.02.18, 12:05 Aktualisiert: 17.02.18, 06:24

Am Ende wird Jamie Oliver sein, was er am Anfang war, ein «Naked Chef». Nackt und bloss und nur von einer Flasche Olivenöl und ein paar sonnengereiften Tomaten voll von der ganzen Süsse Italiens begleitet. Und von einer Frau, 5 Kindern (so viele sind bis jetzt bekannt), zwei Villen und einem Privatvermögen von 150 Millionen Pfund. Gewonnen aus Kochbüchern, Kochshows, Restaurants und der Kinderkleiderlinie der Gattin. 

Aus Restaurants? Von den über 40 Lokalen, die er betreibt, sollen 12 geschlossen werden, sie gehören alle zur Linie Jamie's Italian. Bis jetzt gibt es davon in Grossbritannien 35, demnächst also «nur» noch 23. Ebenfalls bestehen bleiben 2 Barbecoa, 3 Diners und dem Fifteen in London. Das Fifteen in Amsterdam musste bereits im November 2016 geschlossen werden. 

Umringt von dankbaren jungen Menschen bei der Eröffnung des Fifteen in Amsterdam im Dezember 2004. Bild: EPA

Von über 70 Millionen Pfund (über 90 Millionen Franken) Schulden ist die Rede, 450 Angestellte verlieren ihren Job. Damit die restlichen 1800 Stellen gerettet werden können, verpflichten sich ein paar der Vermieter zu einer Mietpreisreduktion von 30 Prozent.

In guten Jahren machte Jamie Oliver mit all seinen Unternehmen locker 90 Millionen Pfund Gewinn pro Jahr. Was ist geschehen? Zieht die Marke Jamie nicht mehr? Oder anders: Wie konnte es überhaupt geschehen, dass der Fernsehkoch für schlichte Gerichte ein Imperium mit rund 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gründete und bereits wenige Jahre nach seinem Start 1999 zu den reichsten Briten unter 30 zählte?

Es ist ja nicht so, dass Jamie hinter einem Fernseh-Herd zur Welt gekommen wäre. Begonnen hat er als Kind einer Beizerfamilie in Essex, wo seine Eltern Trevor und Sally noch heute das Gasthaus The Cricketers führen. Dort lernte er kochen. Sein erster Job war Dessertkoch bei der italienischen Legende Antonio Carluccio.

Ellen DeGeneres versucht sich an einem Tomaten-Oliven-Salätchen. Bild: AP WARNER BROS.

1997, mit 22 Jahren, war er Souschef im River Café, wo die BBC ein Weihnachtsessen filmte. Und so angetan war von dem jungen blonden Showtalent, dass sie ihm sofort eine eigene Kochshow schenkte: «The Naked Chef» war geboren. Gestrippt wurde aber nicht von Jamie, sondern höchstens mal von einer geschälten Gurke, es ging dabei ja auch um die reinen, puren Zutaten, wie Mutter Natur sie im Angebot hatte. Um Orgasmen angesichts frischer Kräuter, Salatblätter und Fleischteile.

Zuerst waren die Briten begeistert. Das «Naked Chef»-Kochbuch stand sofort zuoberst auf der Bestsellerliste. Es rettete auch bei uns unzählige WG-, Single- und allgemein Amateur-Küchen der Nullerjahre. Seine Rezepte begannen mit einem Gang auf den Markt und hörten mit Freunden bei Tisch auf. Kochen war Kommunikation, förderte das Community-Feeling und glich bei Jamie eher einer Fitness- als einer Haushaltlektion.

Alles war frisch, «vibrant», «succulent» und «juicy» und machte grundsätzlich Spass. Er sensibilisierte mindestens zwei Generationen als erster für künftige Strömungen wie «Terroir», «Nose to Tail» und den ganzen Hipsterküchenkram. Nicht, dass er dort heute eine massgebende Figur wäre, dazu ist er zu Mainstream, zu simpel auch im Auftreten.

Jamie in Australien. Bild: EPA

Die Supermarktkette Sainsbury's buchte ihn Ende der Neunziger als Werbegesicht für 2 Millionen Pfund im Jahr. Ein Deal, der 11 Jahre dauern sollte. Aber Jamies Beliebtheit brach ein. 2001 wurde die dritte und letzte Staffel von «Naked Chef» ausgestrahlt, die Presse war böse, das Publikum fand, dass Jamies Entscheide nur noch von Geldgier und nicht von einer Mission getragen wurden.

Jamie suchte Zuflucht bei Tessa Graham, einer Brand Managerin, die schon vielen kleinen Unternehmen zu grossem Erfolg verholfen hatte. Mit einem Team machte sie sich dahinter, «eine langfristige Strategie zu entwickeln die zu seiner Persönlichkeit passt. Wir entschieden uns, herauszufinden, wer Jamie wirklich war und nicht, was die andern in ihm sehen wollten», schreibt sie im Artikel «The Fall & Rise of Jamie Oliver». 

Und so wurde aus Jamie Oliver der gute Mensch von England. Er bot in seinem Fifteen jungen Menschen mit sozialen Problemen die Möglichkeit eines Berufseinstiegs. Er engagierte sich für eine Verbesserung der desolaten englischen Schulkantinen. Er zeigte faulen Menschen in der Provinz, dass in ihrem Garten nicht nur Konservendosen, sondern tolle Gemüse wachsen. Und alles vor der Kamera. Und mit Gefühl. Oft verzweifelte er angesichts der Unbelehrbaren, oft gab er sich demütig gegenüber von Koriphäen lokaler Spezialitäten, und immer, immer wurde er komplett euphorisch, wenn er sich was Gutes in den Mund steckte. 

Jamie in Frankfurt am Main. Bild: EPA

In den 6 Jahren und 2 Monaten, die Tessa Graham für ihn arbeitete, wurde aus einem Mann mit einem halben Angestellten der Boss der Jamie Oliver Group of Companies und von 5000 Angestellten. Zur Gruppe gehörten 14 Subunternehmen, darunter eine TV-Produktionsfirma, ein Designbüro (irgendwer muss die ganzen Küchengeräte und Gewürzmischungen für Ketten wie Coop und Karstadt ja entwerfen) und eine Talentagentur.

Der 42-Jährige hat bis heute 28 verschiedene TV-Formate mit sich selbst als Protagonist realisiert – einige scheiterten, die Amerikaner etwa wollten sich partout nicht vom britischen Teig in ihre Burger reden lassen. Andere, etwa «Jamie's Great Italian Escape» waren ein Hit, zumal die Italiengeschichte geschickt mit einer Ehekrise verwoben wurde. 

Seine Programme wurden in 26 Sprachen synchronisiert und in 52 Länder exportiert. Mit seinen Kochbüchern, die sich zu Hunderttausenden verkaufen, ist er seit Jahren der erfolgreichste Sachbuchautor, den Grossbritannien jemals hervorgebracht hat. Ironischerweise, obwohl er selbst an einer Lese-Schreibschwäche leidet und erst mit 38 Jahren sein erstes ganzes Buch las (eins aus der «Hunger Games»-Reihe). Sein Pendant auf dem Olymp der Fiction-Verkäufe? Natürlich J.K. Rowling.

Jamie als Träger der olympischen Fackel in Wales. Bild: AP LOCOG

Dafür, dass seine Restaurants schlechter laufen, macht er unter anderem den Brexit verantwortlich. Dieser setzt der britischen Gastroszene allgemein sehr zu. Und gerade im Fall von Jamie Oliver werden sich heute wohl viele Fans fragen, wieso sie in einem Restaurant für etwas nicht wenig Geld ausgeben sollen, wenn sie es doch zuhause viel günstiger und einigermassen zeitsparend selbst zubereiten könnten.

Seine Bücher tragen ja nicht umsonst Titel wie «Jamie's 30-Minute Meals», «Jamie's 15-Minute Meals» oder «5 Ingredients – Quick & Easy Food». Schnell und simpel. Und die Foodies, die gern einmal im Monat viel Geld für 27 speziell raffiniert gefüllte Schälchen und Tellerchen ausgeben, die sind eh nicht seine Kundschaft.

Dass er jetzt 450 Leute entlassen muss, dürfte angesichts des sorgfältig designten Images als guter Bub Britanniens etwas schmerzen. Aber Jamie Oliver selbst, dem geht's fucking blendend. 

«Werdet wach! Zwiebeln sind das Schlimmste, das es gibt!»

Video: watson/Daniel Huber, Emily Engkent

Streetfood aus aller Welt – weil man sich sonst nichts gönnt!

Grillierte Meatballs – Bangkok. Shutterstock / Shutterstock
Gekühlte Ananas – Thailand. Shutterstock / Shutterstock
Grillierte Kalmare – Phuket, Thailand. Shutterstock / Shutterstock
Pad Thai – Chiang Mai City, Thailand. shutterstock / shutterstock
Peking Duck – Chinatown, Den Haag. shutterstock / shutterstock
Vietnam Burger mit Mango und Minze – Zürich. watson/obi / watson/obi
Bhel Puri – Mumbai, Indien. hebbarskitchen.com / hebbarskitchen.com
Steak and Ale Pasty – Cornwall, England. watson/obi / watson/obi
In-N-Out Burger Ultimate Animal Style Fries – Studio City, Kalifornien. hackthemenu.com / hackthemenu.com
«Yummy Squid» – Tokio, Japan. shutterstock / shutterstock
Olive ascolane – Corbetta, Italien. finedininglovers.it / finedininglovers.it
Ponton op'n Bulln Fischbrötchen – Hamburg. hamburg.de / hamburg.de
Breakfast of Champions: Samosa, Espresso – Bath, England. watson/obi / watson/obi
Cuscuz Paulista – Sao Paolo, Brazil. shutterstock / shutterstock
Cemitas de milanesa con quesillo – Mexico City. pinterest / pinterest
Scotch Eggs – Edinburgh, Schottland. Shutterstock / Shutterstock
Stinky Tofu – Hong Kong, China. shutterstock / shutterstock
Poutine, Three Ways – Edmonton, Kanada. la-poutine / la-poutine
Farinata Genovese – Cavi, Italien. mytravelintuscany.com / mytravelintuscany.com
Suya – Lagos, Nigeria. dobbyssignature.com / dobbyssignature.com
Bánh Mì – Los Angeles. watson/obi / watson/obi
Lajpat Nagar Market Shakkarkandi – Neu-Dehli. vegetarianirvana.wordpress / vegetarianirvana.wordpress
McGangbang – Orange, Kalifornien. mplore.com / mplore.com
Souvlaki Street Veggie Wrap – London. souvlakistreet.co.uk / souvlakistreet.co.uk
Kottu Roti – Zürich. watson/obi / watson/obi
Lobster and Mahi Mahi Tacos – San Diego, USA. watson/obi / watson/obi
Panino di porchetta – Rom, Italien. shutterstock / shutterstock
Dahi Sev Batata Puri – Nashik, Indien. cravecookclick.com / cravecookclick.com
Hawla Chebakia – Rabat, Marokko. Shutterstock / Shutterstock
Din Tai Fun sweet and sour short ribs – Los Angeles. watson/obi / watson/obi
Gedämpftes Gemüse – Guangzhou, China. shutterstock / shutterstock
Pastel – Sao Paolo. Shutterstock / Shutterstock
Eggs sunny side up – Osaka, Japan. Shutterstock / Shutterstock
Pani ca meusa (Kalbsmilz und Lunge in Schweineschmalz gedämpft) – Palermo, Sizilien. cntraveler.com / cntraveler.com
Korean Fried Chicken – Portsmouth, New Hampshire, USA. streetfood360.com / streetfood360.com
Döner mit alles – Offenburg, Deutschland. twitter / twitter
Tiffin Tin Onion Bhajis – West Hampstead, London. instagram/thetiffintin / instagram/thetiffintin
Pork Pie and Picalilli – Yeovil, England. Shutterstock / Shutterstock
Mole-Style Pulled Pork Sandwich – Concord, New Hampshire, USA. AP FR170582 / Matthew Mead
Gattafin – Levanto, Italien. nessundorme.it / nessundorme.it
Jerk chicken & fish – Kingston, Jamaika. pinterest / pinterest
Fritto misto – Finale Ligure, Italien. watson/obi / watson/obi
«Rasta Taco» – Laguna Beach, USA. watson/obi / watson/obi
Onglet de boeuf – Paris. instagram.com/labrigadeft / instagram.com/labrigadeft
Sushi mit Madge und Oliver – Zürich. watson/obi / watson/obi
Sweet Takoyaki – Thailand. Shutterstock / Shutterstock
French Onion Burger – Montpellier, Frankreich. instagram.com/tttruck / instagram.com/tttruck
Candy Beetroot – Borough Market, London. instagram.com/aphroditesfood / instagram.com/aphroditesfood
Empanadas de viento – Ecuador. Shutterstock / Shutterstock
Fish and Chips – Reykjavik, Island. Shutterstock / Shutterstock
Siivet, Pittäri und Limsa – Ellivuori, Finnland. watson/obi / watson/obi
Chicharrones – Madrid. watson/obi / watson/obi
Shawarma Wrap mit Falafel – Norfolk, England. instagram.com/my7cities / instagram.com/my7cities
Saigon bánh mì – Vietnam.
Balut – Philippinen. instagram/dcannadc / instagram/dcannadc
Jerk Chicken – Jamaika. Shutterstock / Shutterstock
Bratwurst und Bürli – St.Gallen. latanadirabb-it.blogspot.com / latanadirabb-it.blogspot.com
Covrig – Bukarest, Rumänien. instagram.com/iamgiannialescio / instagram.com/iamgiannialescio
Tapas – Pineda, Spanien. watson/obi / watson/obi
Gedämpfte Brötchen mit Schweinebauch, Avocado und Kimchi – Seoul, Korea. Shutterstock / Shutterstock
Granita – Rapallo, Italien. Shutterstock / Shutterstock
Yong Tau Foo – Hong Lim Market, Singapur. instagram.com/khazrin79 / instagram.com/khazrin79
Bhajis, Samosas und Pakoras – Tooting, London. Shutterstock / Shutterstock
Huitres avec Champagne in Cancale, Frankreich – traditionell frühmorgens nach einer durchzechten Nacht. departures.com / departures.com
Panzerotto con Nutella – Milano, Italien. instagram.com/sax.gastropub / instagram.com/sax.gastropub
«Miso Glazed Wings, Sesame, White BBQ Sauce, Pickled Asian Veg» – Canary Wharf, London. instagram.com/meatthechef / instagram.com/meatthechef
Papri Chaat – Mumbai, Indien. Shutterstock / Shutterstock
Khinkali – Tbilisi, Georgien. Shutterstock / Shutterstock
Bánh Xèo – Hanoi, Vietnam. instagram.com/vietnomnom / instagram.com/vietnomnom
Veganes aus New York. Shutterstock / Shutterstock
Sabich – Zürich. watson/obi / watson/obi
Vada Pav – Dehli, Indien. Shutterstock / Shutterstock
Meeresfrüchte-Suppe – Singapur. instagram.com/shopping_uncle / instagram.com/shopping_uncle
Kathi Roll – Indien. instagram.com/goodfoodindia / instagram.com/goodfoodindia
Zapiekanka – Krakow, Polen. Shutterstock / Shutterstock
Dahua Minced Meat Noodle – Singapur. instagram.com/anna_singapore / instagram.com/anna_singapore
Frittiertes Bagan – Burma. Shutterstock / Shutterstock
Sticky Pork – Thailand. Shutterstock / Shutterstock
Aloo Tikki Chat – Indien. Shutterstock / Shutterstock
Hot Dog – New York. Shutterstock / Shutterstock
Veg Momo – Dehli. instagram.com/dillikabhukkad / instagram.com/dillikabhukkad
Heissi Marroni – Schweiz. marroniplausch.ch / marroniplausch.ch
Chirashi – Tsukiji Market, Tokyo. instagram.com/fuckthebowties / instagram.com/fuckthebowties
Patatas con cheddar y bacon – Madrid. watson/obi / watson/obi
«Veggie Hot Dogs» – Paris. instagram.com/tttruck / instagram.com/tttruck
Grillierter Truthahn und schwarzer Reis – Wladiwostok, Russland. instagram.com/valenti.danchenko / instagram.com/valenti.danchenko
Pita gefüllt – Canary Wharf, London. instagram.com/aphroditesfood / instagram.com/aphroditesfood
Baked Honey and Thyme Feta – Borough Market, London. instagram.com/aphroditesfood / instagram.com/aphroditesfood
Panzerotti Pugliesi – Taranto, Italien. instagram.com/case_sangiorgio / instagram.com/case_sangiorgio
Currywurst – Deutschland. Shutterstock / Shutterstock
Austern – St.Lawrence Market, Toronto. blogto.com / blogto.com
Roti Snack – Thailand. Shutterstock / Shutterstock
Kurdish Breakfast – Camden, England. watson/obi / watson/obi
Hamburger & Salad – Los Angeles. watson/obi / watson/obi
Grilled Cheese aux Onions – Brest, Frankreich. instagram.com/tttruck / instagram.com/tttruck

HOT HOT HOT – hier gibt's 5x Food, 2x Drinks und jede Menge Musik aus Jamaika

Meine Tochter (12) und ihre BFF erklären uns, was es mit diesem Bubble Tea auf sich hat

5 ungewöhnliche Spaghetti-Rezepte, die du unbedingt ausprobieren musst

TikTok hin oder her – Chili aus der Chipstüte ist crazy. Crazy good, um genau zu sein

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben