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Frontex verstärkt Einheiten an der griechisch-türkischen Grenze

Publiziert: 12.03.20, 14:43 Aktualisiert: 12.03.20, 15:55

Diese 7 Bilder zeigen, was gerade in Griechenland passiert

Zu Fuss und mit nur einem Rucksack voller Habseligkeiten versuchen die Geflüchteten nach Europa zu gelangen. AP / Michael Varaklas
«Wir haben die (Grenz-) Tore gestern geöffnet», verkündete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag. AP
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In der türkischen Provinz Edirne gibt es Grenzübergänge zu Bulgarien und Griechenland. Viele Geflüchtete scheitern beim Grenzübergang. Auf dem Bild kehren zahlreiche zurück zu ihren Lagern, nachdem sie nicht über die Grenze gelassen wurden. EPA / TOLGA BOZOGLU
Migranten erreichen das Dorf Skala Sikaminias auf der griechischen Insel Lesbos. Die Überfahrt mit dem Schlauchboot ist lebensgefährlich. AP / Michael Varaklas
Migranten versuchen den Grenzzaun, der aus der Türkei nach Griechland führt, zu durchbrechen. AP / Darko Bandic
Mit Tränengas und Blendgranaten verteidigen die griechischen Behörden ihre Grenze. AP / Giannis Papanikos
Aufgrund der erhöhten Migration hat die griechische Polizei die Sicherheitsvorkehrungen an den Grenzübergängen erhöht. Hier patrouillieren griechische Polizisten in der Nähe des Grenzübergangs von Kastanies. AP / Giannis Papanikos

An der Grenze Griechenlands zur Türkei sind am Donnerstag zusätzliche Beamte der EU-Grenzschutzbehörde Frontex zum Einsatz gekommen. Dort warten seit Tagen Tausende Menschen auf ihre Chance, in die EU einreisen zu können - was griechische Grenzbeamte verhindern.

Neben Österreichern und Zyprern, die bereits seit einer Woche vor Ort sind, werden ab sofort auch Polen und Tschechen dabei sein, teilte das griechische Ministerium für Bürgerschutz mit.

Reporter vor Ort beobachteten ein grosses gepanzertes Fahrzeug der österreichischen Polizei, das sich am Donnerstag entlang der Strasse zum Grenzfluss Evros nahe der Kleinstadt Orestiada bewegte. Auch wurden mehrere Lastwagen gesichtet, die Stacheldraht sowie grosse Zementhindernisse in die Pufferzone zwischen Griechenland und der Türkei brachten.

«Es kann jeden Moment wieder losgehen», sagte ein griechischer Beamter des Zolls am seit meheren Tagen geschlossenen Grenzübergang, der Nachrichtenagentur DPA. Auf der türkischen Seite der Grenze befänden sich nämlich nach Schätzungen des Militärs mehr als 6000 Flüchtlinge, die auf die nächste Gelegenheit warten, nach Griechenland und damit in die EU zu kommen.

Der Direktor des Abteilung Migration des türkischen Roten Halbmonds, Bayram Selvi, sagte der DPA, die Zahl der Migranten, die sich noch am Grenzübergang Pazarkule aufhielten, sei schwer zu schätzen, er gehe von rund 10'000 Menschen aus. Die meisten seien aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran.

Aber auch Syrer, Iraker und Somalier warteten noch an der Grenze, in der Hoffnung, in die EU zu gelangen. Der Rote Halbmond teile Essen, Kleidung und Decken aus. Zudem werde Elektrizität bereitgestellt, damit die Menschen ihre Mobiltelefone aufladen können.

Erneute Auseinandersetzung

Am Mittwochabend war es - nach drei Tagen Ruhe - erneut zu schweren Zusammenstössen am Grenzübergang von Kastanies/Pazarkule gekommen. Hunderte Flüchtlinge und Migranten stürmten nach mehreren Augenzeugenberichten einen Grenzzaun.

Sie schleuderten Dutzende Brandflaschen, Steine und andere Gegenstände über den Zaun und versuchten, ihn niederzureissen, um aus der Türkei nach Griechenland und damit in die EU zu kommen. Die griechischen Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein. Die Lage beruhigte sich am späten Mittwochabend.

In Athen gingen politische Beobachter davon aus, dass es in den nächsten Tagen immer wieder zu ähnlichen Zwischenfällen kommen könne. Damit solle Druck auf die EU ausgeübt werden, türkischen Forderungen entgegen zu kommen.

Am Dienstag soll in Istanbul ein Gipfeltreffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron stattfinden. «Bis dahin müssen wir äusserst vorsichtig sein», sagte ein Polizeioffizier in der Hauptortschaft der Grenzregion Alexandroupoli am Donnerstagmorgen.

Kritik der NGO

Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen verlangten angesichts der Lage an der griechisch-türkischen Grenze einen Neustart in der europäischen Flüchtlingspolitik. Am Freitag werden die EU-Innenminister über die Situation an der griechisch-türkischen Grenze beraten.

«Der Zugang zum Asylrecht muss an Europas Grenzen gewährleistet sein», forderten 22 Organisationen, darunter Amnesty International, Pro Asyl, Caritas und Diakonie Deutschland, am Donnerstag in einem gemeinsamen Appell. Die direkten Abschiebungen ohne Prüfung eines Asylantrages, seien menschenrechtswidrig und müssten «endlich aufhören».

Sie lehnen zudem eine mögliche Inhaftierung von Asylsuchenden während der Vorverfahren ab. Einem Medienbericht zufolge rügte das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR die Aburteilung von Flüchtlingen in illegalen Schnellverfahren ohne Verteidiger an der griechischen Grenze.

Dies sei «eine neue Praxis», sagte Margaritis Petritzikis vom UNHCR dem ARD-Magazin «Monitor». Seinen Schätzungen zufolge wurden mittlerweile mehr als 50 Menschen in solchen Schnellverfahren verurteilt - mit Haftstrafen bis zu vier Jahren wegen illegaler Einreise.

(aeg/sda/dpa)

Flüchtlinge kämpfen gegen Grenzen

15. September, Istanbul, Esenler Busbahnhof: Die Regierung hält Tickets an die Grenze zurück, Flüchtlinge protestieren. Getty Images Europe / Ahmet Sik
In der Türkei sind die Flüchtlinge chancenlos. Getty Images Europe / Ahmet Sik
Mit Pappkartons wird gegen die Sperre demonstriert. Getty Images Europe / Ahmet Sik
Mehrere hundert Flüchtlinge entschlossen sich, zu Fuss in Richtung Westen zu marschieren. EPA/EPA / CEM TURKEL
Die Polizei versuchte die Menschen aufzuhalten. EPA/EPA / CEM TURKEL
EPA/EPA / CEM TURKEL
An der ungarisch-serbischen Grenze bitten Flüchtlinge um Einlass. EPA/MTI / ZOLTAN MATHE
Doch auch dort: Ungarn ist dicht. EPA/MTI / TAMAS SOKI
«Edirne ist unsere Erlösung.» Flüchtlinge versuchen, die griechisch-türkische Grenzstadt zu erreichen. Getty Images Europe / Ahmet Sik
Auch in Deutschland lassen sich Flüchtlinge nicht von gesperrten Grenzen abhalten. Hier: Freilassung. Getty Images Europe / Sean Gallup
In Salzburg warten Migranten auf einen Zug nach Deutschland. Getty Images Europe / Sean Gallup
epa04932216 Hungarian police block a street towards the closed border crossing between Serbia and Hungary in Roszke, on the Hungarian side of the border, while a refugee boy looks through the fence from Hogros on the Serbian side, 15 September 2015. Hungary declared a state of emergency in two counties along its border with Serbia, after it used a boxcar fitted with razor wire to block a major entry point there. Declaring the state of emergency paves the way for parliament to allow the army to reinforce police along the border, as new measures to crackdown on refugees go into effect. EPA/KOCA SULEJMANOVIC EPA/EPA / KOCA SULEJMANOVIC
epa04932061 Migrants shout slogans at the closed border crossing between Serbia and Hungary, near Horgos, Serbia, 15 September 2015. Hungary declared a state of emergency in two counties along its border with Serbia, after it used a boxcar fitted with razor wire to block a major entry point there. Declaring the state of emergency paves the way for parliament to allow the army to reinforce police along the border, as new measures to crackdown on refugees go into effect. EPA/BALAZS MOHAI HUNGARY OUT EPA/MTI / BALAZS MOHAI

Sommaruga auf der griechischen Flüchtlingsinsel Lesbos

Video: SRF / Roberto Krone

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