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Der Präsident auf dem Weg zur Pressekonferenz im Rosengarten des Weissen Hauses. Bild: AP

Wird Donald Trump sich weigern, das Weisse Haus zu verlassen?

Zusammen mit Fox News sucht der Präsident heute schon nach Ausreden im Falle einer Niederlage im November.

Publiziert: 27.05.20, 17:00 Aktualisiert: 28.05.20, 13:48

Der Comedian Bill Maher warnt seit langem, Trump werde auch im Falle einer Niederlage das Weisse Haus niemals freiwillig verlassen. Michael Cohen, der ehemalige private Anwalt des Präsidenten, hat diese These bei einem Hearing vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses bestätigt.

Eine solche Wahlniederlage wird zunehmend wahrscheinlich. Die Vorzeichen für die Wahlen stehen derzeit schlecht für Trump. Verschiedene Umfragen zeigen, dass sein Herausforderer Joe Biden national die Nase deutlich vorn hat. Vor allem liegt Biden in wichtigen Swingstates wie Ohio, Pennsylvania, Wisconsin, Michigan, Florida und Arizona in Führung.

Was das Trump-Team am meisten beunruhigt, ist die Tatsache, dass sich die Senioren vom Präsidenten abwenden. «Wähler, die älter sind als 65, deuten regelmässig an, dass sie Biden Trump vorziehen», meldet die «Washington Post».

Am Memorial Day liess sich Trump als Staatsmann feiern. Bild: AP

Das sind sehr schlechte Nachrichten für die Grand Old Party. 2016 hat genau diese Wählergruppe Trump ins Weisse Haus gehievt. «Analysen des Meinungsforschungsinstituts Pew deuten an, dass Trump (in den Wahlen 2016) bei den jungen Wählern in der Höhe von 30 Prozent verloren hat», so die «Washington Post». «Bei den Über-65-Jährigen lag er jedoch neun Prozent in Front.»

Anders als Hillary Clinton kommt Joe Biden bei den Senioren gut an. Sie vertrauen ihm und verzeihen ihm auch seine notorischen Versprecher. Mit seiner aggressiven Die-Wirtschaft-um-jeden-Preis-öffnen-Politik verunsichert Trump hingegen gerade diese Wählergruppe. Nicht zu Unrecht fürchten sie, zugunsten der Wirtschaft geopfert zu werden.

Verzweifelt versucht Trump nun, die Senioren wieder auf seine Seite zu ziehen. So hat er an seiner gestrigen Pressekonferenz unvermittelt verkündet, die Preise für Insulin würden sofort massiv gesenkt. «Das würde ‹Sleepy Joe› niemals hinkriegen», prahlte er dabei. Insulin ist für viele übergewichtige ältere Amerikaner überlebenswichtig.

Scheut sich nicht, eine Maske anzuziehen: Joe Biden. Bild: AP

Vor allem aber versucht Trump – wie schon 2016 – ein Narrativ aufzubauen, wonach Wahlfälschungen das Resultat im November bestimmen werden. Anlass dazu ist die Tatsache, dass viele Staaten wegen des Coronavirus zu einer brieflichen Abstimmung übergehen wollen. (Neckisches Detail: Trump selbst pflegt auf diese Weise seine Stimme abzugeben.)

Gegen die Abstimmung per Brief läuft Trump Sturm. «Auf KEINEN FALL (ZERO) werden Briefabstimmungen etwas anderes sein als betrügerisch», tweetete der Präsident. «Briefkästen werden gestohlen, Abstimmungszettel werden gefälscht & illegal gedruckt & betrügerisch unterschrieben.»

Wie auf Kommando nahmen die wichtigen Moderatoren Tucker Carlson, Sean Hannity und Laura Ingraham das Thema auf und walzten es abendfüllend auf Fox News aus, obwohl Trumps Behauptung über keinerlei faktische Basis verfügt. Erstmals hat Twitter deswegen einen präsidialen Tweet mit der Bemerkung angereichert, man solle doch bitte die Fakten checken – was prompt einen neuerlichen Tobsuchtsanfall Trumps zur Folge hatte.

His masters' voice: Tucker Carlson wettert gegen Wahlbetrug.

Bei einem knappen Wahlausgang – und damit wird allgemein gerechnet – kann Trump Wahlbetrug als Vorwand nehmen, eine Niederlage nicht anzuerkennen und sich zu weigern, sein Amt niederzulegen. Wie bei den Wahlen im Jahr 2000 zwischen Al Gore und George W. Bush hätte das ein langes juristisches Nachspiel zur Folge. Ein Spiel, bei dem Trump gute Karten hat, weil er die Gerichte mit konservativen Richtern aufgefüllt hat.

In den USA sind mittlerweile mehr als 100’000 Menschen an Covid-19 gestorben. Zudem bahnt sich eine schwere Wirtschaftskrise an. Trump kann nicht mehr mit Erfolgen punkten, er kann die Wahlen nur mit einer Schlammschlacht gewinnen. Es zeigt sich, dass er dabei keine Schamgrenzen mehr kennt. So beschuldigt er den ehemaligen republikanischen Abgeordneten und heutigen TV-Moderator Joe Scarborough, eine ehemalige Mitarbeiterin ermordet zu haben.

2001 verstarb die junge Frau tragisch nach einem Herzversagen. Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass Scarborough etwas mit ihrem Tod zu tun hatte. Trotzdem verbreitet Trump diese Verschwörungstheorie per Twitter an seine rund 80 Millionen Follower. Er tut dies, obwohl der Witwer der Verstorbenen ihn eindringlich bittet, dies doch bitte zu unterlassen.

Man stelle sich dies vor: Der Präsident der Vereinigten Staaten, nicht irgendein Wirrkopf in der rechtsextremen Szene, verbreitet per Twitter eine völlig faktenfreie Verschwörungstheorie, besudelt dabei das Ansehen einer unter tragischen Umständen verstorbenen jungen Frau und lässt sich auch vom inständigen Bitten ihres Witwers nicht davon abbringen. Selbst das Trump-treue «Wall Street Journal» ist entsetzt.

Schlimmer kann es nicht mehr werden. Nur: Das wurde schon oft gesagt – und Trump hat stets das Gegenteil bewiesen.

Coronavirus in den USA

Die Coronakrise hat die USA voll erwischt und die Schwachstellen des vermeintlich mächtigsten Landes der Welt schonungslos aufgedeckt. EPA / EUGENE GARCIA
Die Basketballliga NBA schickt während des All-Star-Weekends am 14. Februar eine Solidaritätsbotschaft nach Wuhan. Zu jenem Zeitpunkt ahnt kaum jemand, wie schlimm es die USA treffen wird. EPA / NUCCIO DINUZZO
Präsident Donald Trump besucht am 6. März das Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention in Atlanta. Er hatte das Coronavirus lange verniedlicht und die Krise heruntergespielt. AP / Alex Brandon
Am 7. März verhängt Gouverneur Andrew Cuomo den Notstand über den Bundesstaat New York. Die Metropole New York City wird schrittweise in den Stillstand versetzt. AP / John Minchillo
Die «City that never sleeps» wirkt wie ausgestorben. Selbst auf dem Times Square ist nichts los. AP / Seth Wenig
In der sonst so geschäftigen Grand Central Station herrscht gähnende Leere. AP / Frank Franklin II
Die Theater am Broadway müssen zum ersten Mal in ihrer Geschichte schliessen. AP / Kathy Willens
Am 11. März teilt Hollywoodstar Tom Hanks mit, er und seine Frau Rita Wilson seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. AP / Jordan Strauss
Die Zahl der Corona-Tests ist von Anfang an ein grosses Problem. Ein erster selbst entwickelter Test erweist sich als fehlerhaft. Mit der Zeit entstehen überall mobile Testzentren, wie hier in Bolinas (Kalifornien). EPA / JOHN G. MABANGLO
Eine Motorradfahrerin mit Maske am südlichsten Punkt der USA in Key West (Florida). Noch im März vergnügten sich zahlreiche Jugendliche am Spring Break an den Stränden im Sunshine State. EPA / CRISTOBAL HERRERA
Ein Wandbild in Seattle mahnt zum Abstandhalten. Die Wirtschaftsmetropole an der Westküste ist einer der ersten Corona-Hotspots in den USA. AP / Elaine Thompson
Ein grosses Problem ist der Mangel an Schutzmaterial. Eine aus Freiwilligen bestehende Organisation in Alameda (Kalifornien) sammelt unter anderem T-Shirts, um daraus Schutzkleidung zu fabrizieren. EPA / JOHN G. MABANGLO
Etwas Humor darf auch sein: Ein Bäcker in Chicago kreiert eine Torte in Gestalt einer Rolle Toilettenpapier. AP / Nam Y. Huh
Der Immunologe Anthony Fauci wird in der Coronakrise zur Stimme der Vernunft und bildet damit den Kontrast zum irrlichternden Präsidenten. AP / Evan Vucci
Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Virus schickt die Börsenkurse weltweit auf Talfahrt. Inzwischen haben sie in der Hoffnung auf eine rasche Erholung einen grossen Teil der Verluste wettgemacht. AP / Richard Drew
Dagegen spricht der rasante Anstieg der Arbeitslosigkeit. Seit März haben 33 Millionen Amerikaner den Job verloren. Und die Arbeitsämter kommen mit der Bearbeitung der Anträge nicht nach. EPA / CRISTOBAL HERRERA
Mit der Arbeitslosigkeit nimmt die Nachfrage nach Lebensmittelhilfe stark zu. Vor den Food Banks wie hier in San Antonio (Texas) warten selbst schicke Autos im Stau. EPA / LARRY W. SMITH
Am schlimmsten von der Krise getroffen bleibt New York. Teilweise müssen die Körper toter Covid-Patienten in Kühllastern gelagert werden, weil in den Leichenhallen nicht genug Platz ist. EPA / JUSTIN LANE
Im Central Park wird ein notfallmässiges Feldspital mit Zelten errichtet. EPA / JUSTIN LANE
Zur Entlastung der Spitäler schickt die Navy das Lazarettschiff «Comfort» nach New York. EPA / Peter Foley
Trauerfeier mit Masken und Sicherheitsabstand für ein Covid-19-Opfer in New Orleans. Schwarze sind von der Pandemie überdurchschnittlich stark betroffen. AP / Gerald Herbert
Mit zunehmender Dauer der Krise verlangen immer mehr Menschen ein Ende des Lockdown. Besonders heftig sind die Proteste im Bundesstaat Michigan gegen Gouverneurin Gretchen Whitmer. AP / Paul Sancya
Unter den Demonstranten wie hier in Maryland sind viele Fans von Donald Trump. Der um seine Wiederwahl fürchtende Präsident schürt die Proteste via Twitter. EPA / MICHAEL REYNOLDS
Einige von der Republikanern regierte Bundesstaaten beginnen Ende April mit der Lockerung. Ein besonders forsches Tempo legt Georgia vor, wo auch Restaurants wieder öffnen dürfen. EPA / ERIK S. LESSER
Ein Wandgemälde in Los Angeles dankt dem Spitalpersonal. Bis Anfang Mai sind mehr als 70'000 Personen in den USA an Covid-19 gestorben, und eine interne Prognose der Regierung rechnet mit 135'000 Toten bis August. EPA / ETIENNE LAURENT

Schlagabtausch zwischen Obama und Trump

Video: watson / leb

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