Aktuelle Themen:

Teleclub sorgt für einen Geldregen im Schweizer Klubfussball. Bild: freshfocus

Traum-TV-Vertrag für die Super League: Unser Klubfussball wird vergoldet

Heimlich, still und leise hat der Schweizer Fussball in den letzten Tagen den grössten finanziellen Deal seiner Geschichte ausgehandelt: Die medialen Rechte für den helvetischen Klubfussball sind für sage und schreibe 35 Millionen verkauft worden – pro Jahr bis 2021!

Publiziert: 20.06.16, 16:30 Aktualisiert: 22.06.16, 16:21

Seit Monaten laufen die Verhandlungen um den Verkauf der Rechte für den nationalen Fussball und das nationale Hockey. Nun hat die Nationalliga im Fussball die medialen Rechte (ohne Marketingrechte!) an ihren beiden Ligen (Super League, Challenge League) für 35 Millionen verkauft – gut und gerne eine Verdoppelung der bisherigen Summe.

Fussball gibt es wohl auch wieder auf SRF. Und in den Schweizer Wohnzimmern sieht's dann genau so aus.

Dieser neue Vertrag läuft ab 2017 für vier Jahre – die nächste Saison gilt also noch der alte Vertrag, der 2017 ausläuft. Im TV- Business sind Verhandlungen und Abschlüsse lange vor dem Ablauf der alten Verträge durchaus üblich.

Swisscom/Teleclub bleiben Partner

Die bisherigen Partner Swisscom/Teleclub haben sich für diesen Wahnsinnsbetrag erneut die TV-Rechte gesichert. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass zu der Summe von mehr als 30 Millionen nun noch die Rechte für die zentrale Vermarktung kommen werden.

Die Verhandlungen mit dem Schweizer Fernsehen sind noch nicht abgeschlossen. Unser Staatsfernsehen (bzw. die Tochterfirma TPC) dürfte erneut mit dem Produktionsauftrag (also mit der TV- Produktion der Spiele) beglückt werden. Die Liga hat ein vitales Interesse daran, dass die Spiele weiterhin auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Spiele ausreichend präsent sind – mit der Wahnsinnssumme von mehr als 30 Millionen erkaufen sich Swisscom/Teleclub nicht einmal absolute Exklusivität und sind auch die Verpflichtung eingegangen, gegen entsprechendes Entgelt gewisse Spiele dem Schweizer Fernsehen zu überlassen. Das, was SRF bezahlt, geht dann in die Kasse von Swisscom/Teleclub.

Auf Teleclub wird es die Spieler weiterhin im Pay-TV zu sehen geben.
Bild: KEYSTONE

Gut 50 Millionen für Nationalliga-Klubs

Alles in allem dürfte aus den TV- und Marketingrechten eine Gesamtsumme pro Jahr von nahezu 50 Millionen Franken zusammenkommen, die unter den Nationalliga-Klubs aufgeteilt wird. Es ist beinahe eine Verdoppelung der bisherigen Einnahmen aus medialen Rechten und zentraler Vermarktung.

Die Summe von mehr als 30 Millionen Franken gilt im helvetischen Werbe-Markt als nicht refinanzierbar. Hier hat die Swisscom ihre geballte wirtschaftliche Macht ausgespielt und alle Konkurrenten aus dem Feld geschlagen. Der Schweizer Klubfussball wird mit diesem «Wahnsinnsvertrag» vergoldet.

Und was passiert mit dem Schweizer Eishockey?

Brisant: Morgen Dienstag verhandelt Swiss Ice Hockey, also der Hockeyverband, am Hauptsitz in Glattburg über den Verkauf der TV- und Marketingrechte. Die Swisscom hat ja noch eine Klage hängig weil sie angeblich ihre Monopolstellung beim Einkauf der Fussball- und Hockeyrechte in der Vergangenheit missbraucht habe.

Auch das Eishockey weiterhin mit Teleclub? Es ist davon auszugehen.
Bild: freshfocus

Nun sind aber sowohl die TV-Rechte im Fussball wie im Eishockey ausgeschrieben worden – und Swisscom/Teleclub haben die Fussballrechte auf dem freien Markt erworben. Swisscom/Teleclub können nun diese Rechte juristisch unbedenklich auch im Eishockey wieder erwerben.

Hier gibt es eine Differenz zum Fussball: im Eishockey werden die Rechte der Liga und des Verbandes (Cup, Länderspiele ohne WM) in einem Kontrakt vergeben. Weil Liga und Verband in einer Organisation (Swiss Ice Hockey) zusammengeschlossen sind. Im Fussball werden die Rechte des Verbandes (Nationalmannschaft ohne WM und EM, Cup) separat verkauft.

Für die Hockey-Generäle (Liga-Präsident Marc Furrer, Liga-Geschäftsführer Florian Kohler) geht es morgen Dienstag also darum, dem Fussball nachzueifern. Gelingt es dem Hockey ebenfalls, den Ertrag aus den Medialen Rechten praktisch zu verdoppeln?

Florian Kohler (l.) und Marc Furrer: Verhandeln sie ähnlich geschickt wie die Fussballer?
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Total 30 Millionen fürs Eishockey?

Die Nationalligen im Eishockey sind eher noch attraktiver als die Nationalligen im Fussball. Aber der Fussball hat mehr politischen Einfluss und mehr Prestige. Wenn die beiden Hockey- Verhandlungsführer Marc Furrer und Florian Kohler gleich erfolgreich sind wie ihre Kollegen im Fussball, dann müssten sie aus den medialen Rechten gut zehn Millionen herausholen – und dazu kommen dann ebenfalls noch die Gelder aus der zentralen Vermarktung.

Auch im Eishockey wird, wie im Fussball, der Käufer der medialen Rechte dazu verpflichtet sein, dem Schweizer Fernsehen Live-Spiele gegen Entgelt zu überlassen. Alles in allem müssten dann, wenn gleich gut verhandelt wird wie im Fussball, rund 30 Millionen zusammenkommen. Was einer Verdoppelung der bisherigen Erträge gleichkäme. 

Die Frage ist nun: Swisscom/Teleclub haben einen wichtigen Teil ihres Programmes unter Dach und Fach. Dafür haben sie zu viel bezahlt. Wie viel Geld bleibt nun noch fürs Eishockey übrig? Oder kommt gar die UPC (Cablecom) zum Zuge? Im Eishockey läuft der alte Vertrag ebenfalls noch bis zum Ende der nächsten Saison. Der neue Kontrakt wird ab 2017 gültig sein und dürfte, wie im Fussball, ein Vierjahresvertrag sein. Es ist die bisher grösste Herausforderung für das Duo Marc Furrer/Florian Kohler.

Die 10 schlechtesten Symbolbilder von Menschen, die Fussball im TV schauen

Der 08/15-Fussballfan ist dick, weil er während des Spiels zwei Schalen Chips, drei Hamburger und einen Berg Donuts verdrückt und dazu Cola trinkt.
Ja genau, so sieht das jeweils aus, wenn Argentinien gegen England spielt: Dann versammeln sich Anhänger von Deutschland, Spanien, Italien, Holland und Brasilien mit Vuvuzelas und Konfetti in der Stube zum gemeinsamen Public Viewing.
Männer im Feinripp-Unterhemd finden Fussi supi, Frauen nervt's. Ist so, weil ist so.
Huch, wie ist das Bild hier hereingeraten? Frauen schauen doch keinen Fussball, haben wir soeben gelernt.
Hurra! Ich juble nicht nur, wenn es ein Tor gibt, sondern auch, wenn der Kameramann zeigt, dass Lionel Messi genau wie ich einen Ball aus den 1970er Jahren kickt.
Immer wenn mein Klub spielt, ziehe ich mir die Stulpen an, wenn ich im Fernsehen zuschaue. Dafür bleibt das Trikot im Kasten – bringt Glück!
Gib's zu: Auch du wedelst in der Stube nach jedem bösen Foul eines Gegners mit deiner Gelben Karte herum!
Den Symbolfan von eben gibt's auch in Blau – vor Freude über ein Tor zieht es ihm glatt den Schuh aus. Der pure Wahnsinn!
Die Anweisung des Fotografen lautete: «Jetzt gucken Sie mal so richtig entsetzt. Der Schiedsrichter hat ihrem Team einen klaren Penalty unterschlagen!»
Der Jubel der ganzen Familie ist nicht übertrieben: Wie wir im Fernseher aufgrund der dicht gedrängten Zuschauer hinter dem Tor ganz klar sehen können, muss das Spiel enorm wichtig sein.
Aaah, der Klassiker: Auch ich halte stets einen kleinen knautschigen Fussball in der Hand, wenn ein Match kommt.

Oh Mäzen, mein Mäzen – wie der Schweizer Fussball ums finanzielle Überleben kämpft

«Hunderte Dinge haben mich genervt» – dieser Fan boykottiert seit einem Jahr Fussball

Nur noch 7 Profis im Kader – Traditionsklub Bolton droht der totale Kollaps

Wir würden als Sportchefs für 100 Millionen diese Teams zusammenstellen – und du?

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben