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Soll ich ihr noch schreiben oder ist Hopfen & Malz verloren?

Ohne Worte.  
Ohne Worte.  Bild:kafi freitag
FragFrauFreitag

Hallo, Kafi. Weil ich meiner Meinung nach zu lange Single bin, habe ich mich gegen meine Prinzipien entschieden, eine Dating-App zu nutzen ... 

23.10.2015, 20:1026.10.2015, 06:53

Tatsächlich hat sich ein WhatsApp-Kontakt daraus ergeben. Zu Beginn haben wir sehr rege, oft und direkt miteinander geschrieben. Über die letzten Wochen ist das ganze extrem abgeflacht und wir schreiben nur noch sehr selten. Weil ich das Gefühl habe, zu klammernd und erbärmlich zu wirken, möchte ich nicht immer Unterhaltungen beginnen. Trotzdem würde ich sehr gern etwas mit ihr unternehmen. Soll ich ihr noch schreiben oder ist Hopfen und Malz verloren? Marius, 21

Kafi Freitag
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Lieber Marius

Wenn ich das so lese, dann schläft mir fast das Gesicht ein. Sie führen über Wochen einen WhatsApp-Dialog und wundern sich, wenn die Sache langsam aber sicher einschläft. Wüki, echt jetzt? Also ich weiss ja nicht, ob das jetzt mal wieder meine sehr anpackende Art ist, die hier durchdrückt, aber ich hätte auch keine Lust, über Wochen zu chatten. Schliesslich macht man das Ganze nicht um des Chattens willen, sondern weil man jemanden kennenlernen will. Darum geht es, lieber Marius.

Was Sie mir da erzählen, klingt wie ein ewiges Vorspiel, bei dem man nie zur Sache kommt. Das ist unbefriedigend und verliert sich früher oder später in Desinteresse, da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt!

Schauen Sie, Marius, es ist doch so: Selbst ich schreibverliebte Person finde es nicht länger als drei Tage lustig, in die Anonymität hinaus zu korrespondieren. Es ist lobenswert, dass Sie der Sache Zeit geben wollen, aber man kann es wirklich auch übertreiben. Drei Tage sind meiner Meinung nach genug. Wenn Sie ein superromantischer Typ sind, meinetwegen vier. Aber dann müssen Sie zur Tat schreiten und die Dame konfrontieren.

Kann gut sein, dass Sie dann merken, dass Ihr Gegenüber gar keine Lust auf eine wirkliche Begegnung hat. Aber das ist doch auch o. k., das ist doch nicht schlimm! Im Gegenteil, besser, das klärt sich nach wenigen Tagen als nach ein paar Wochen, wenn man ob dem ganzen Geschreibsel die halbe Seele entblösst hat und sich in einer falschen Verbundenheit wiegt.

Sie müssen lernen, mit Niederlagen umzugehen. Sie werden früher oder später nicht um diese Erfahrung herumkommen. Und ja, es ist nie angenehm, einen Korb zu bekommen. Aber es ist auch keine Lösung, vor lauter Angst vor Flechtware die Sache ewig hinzuziehen. Ich staune immer wieder, wie verschwindend klein die Bereitschaft ist, für die Liebe etwas zu riskieren. Man gibt lieber schon in der Hälfte auf, als am Ende zu merken, dass es nichts war. Wohin wollen Sie denn mit diesem Gezaudere kommen, Himmelherrgott nochmal! Wenn Sie sich beim Laufenlernen so angestellt hätten, dann würden Sie sich heute noch kriechend vorwärtsbewegen, mein Lieber!

Stehen Sie auf und wagen Sie öppis. Denn wie sagt man doch so schön, wer nicht wagt, der nichts gewinnt. Und in dieser Datingsache ist es nun mal so, dass Sie nur zu gewinnen haben. Mehr Single, als Sie es heute schon sind, können Sie schliesslich nicht mehr werden. Nehmen Sie Ihr Handy in die Hand und schreiben Sie der Guten, dass Sie sie jetzt endlich im echten Leben treffen wollen. Mag sein, dass in dieser Geschichte der Zug bereits abgefahren ist, dann gehen Sie beherzt in die Nächste. Aber vielleicht haben Sie Glück und Ihre Unverzagtheit wird belohnt. Viele Frauen trauen sich nicht, den ersten Schritt zu machen. Oder sie sehen es als die Aufgabe des Mannes an. Es ist das grosse Privileg von euch Männern, dass ihr euch niemals Gedanken darüber machen müsst, als Kletten zu wirken, wenn ihr euer Ziel im Auge behaltet. Es ist unter dem Strich eigentlich genau das, was wir Frauen von euch Typen erwarten.

In diesem Sinne: Go for it, baby!

Recht herzlich. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.



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7 Kommentare
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koks
23.10.2015 22:49registriert August 2015
"Es ist das grosse Privileg von Euch Männern, dass Ihr Euch niemals Gedanken darüber machen müsst, als Kletten zu wirken, wenn Ihr Euer Ziel im Auge behaltet. Es ist unter dem Strich eigentlich genau das, was wir Frauen von Euch Typen erwarten."
Und wenn wir es nicht von euch erwarten, können wir Frauen euch immer noch wegen sexueller Belästigung anzeigen. Easy.
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Madison Pierce
23.10.2015 20:51registriert September 2015
Einspruch! :) Ich denke, wenn man zueinander passt, hat man sich immer was zu schreiben. Als in Liebesdingen zögerlicher Mann kann ich von meinen Erfahrungen berichten:

- Einmal über drei Monate Mails geschrieben, pro Tag ein bis zwei, seitenlang. Danach erst das erste Treffen. Hat dann leider nicht perfekt gepasst, Trennung nach 1 Monat.

- Dann wieder über Monate Mails geschrieben, man könnte ein Buch füllen damit. Nie Probleme gehabt, ein Thema zu finden. Erst dann ein Treffen. Fazit: seit 4 Jahren glücklich zusammen.

Ein Chat mag zu "ungezwungen" sein für eine sinnvolle Unterhaltung.
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stadtzuercher
25.10.2015 11:14registriert Dezember 2014
ja, frau freitag, 'Es ist das grosse Privileg von Euch Männern' klingt zwar gut (über das verbreitete genörgele von schweizer frauen über aufdringliche typen wollen wir hier mal wegsehen). aber wie toll fänden sie es, sowas zu hören 'Es ist das grosse Privileg von euch Frauen, zuhause Kinder aufziehen zu dürfen'. eben.
gleichstellung ist keine einbahnstrasse. jetzt muss halt auch mal die frau den finger rausnehmen, um einen partner zu finden.
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7
Zu früh der Höhepunkt
Es hätte alles so gut sein können. Aber dann wurde es «komplex».

Wer nun dachte, dass dies ein Text über einen vorzeitigen Orgasmus ist, der hat sich getäuscht. Nicht, dass es dazu keine Geschichten gibt. Aber die sind zum Glück etwas länger her. Die waren aktuell, da war ich noch nicht der erfolgreichste Kolumnist bei watson. Da war ich noch Maturand, falsch, vor der Matura hatte ich keinen Sex. Ich war Student. Lebte in WGs mit zu vielen Leuten und zu vielen langen Haaren überall am Boden. Wenn ich etwas hasse, dann sind es lange Haare am Boden. Noch schlimmer als lange Haare sind gelockte lange Haare, weil die so trügerisch sind, wie Schlangen, ganz klein eingerollt, aber in Wahrheit ewig lang. Hasse ich.

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