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Bild: Jennifer Zimmermann
Die Nachhalterin

Sind Milchalternativen wirklich so viel besser fürs Klima als Kuhmilch?

Soja-, Hafer-, Mandel-, Reis-Drink – diese und etliche andere Pflanzendrinks gibt es bei uns zu kaufen. Aber ist ihre Ökobilanz wirklich besser als die der Milch? Und ist das die einzige Messgrösse, die zählt? Die Nachhalterin ist der Sache auf den Grund gegangen.
01.10.2021, 08:12
Contentpartnerschaft mit WWF
Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit WWF. Die Beiträge werden von der freischaffenden Journalistin Jennifer Zimmermann verfasst.

Jennifer lebt (meist) vegetarisch, duscht (zu) oft (zu) lange und wühlt zum Unbehagen mancher Familienmitglieder (fast) immer in den «Gratis zum Mitnehmen»-Kisten am Strassenrand. Als «Die Nachhalterin» schreibt sie in Zukunft für den WWF über Themen, die uns alle etwas angehen (sollten). Wer herausfinden möchte, wo er/sie in Sachen Nachhaltigkeit steht, dem sei der Footprintrechner ans Herz gelegt.

Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.

In den Supermärkten quellen die Regale über vor Pflanzendrinks. Viele Menschen trinken statt Kuhmilch lieber diese Alternativen; sei es aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen, also den Tieren oder dem Klima zuliebe.

Kühe sorgen in der Schweiz für 34 Prozent aller landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen. Beim Wiederkäuen stossen sie das klimaschädliche Gas Methan aus. Und auch die Produktion von Futtermittel für die Tiere sorgt für Emissionen, die dem Klima schaden. Die meisten wissenschaftlichen Studien stimmen darin überein, dass eine vegetarische oder vegane Ernährung für Menschen, die in westlichen Ländern leben, eine der wirksamsten Massnahmen ist, um ihren Klima-Fussabdruck zu reduzieren. Von Milch auf Pflanzendrinks umzusteigen, scheint also ein guter Schritt in diese Richtung zu sein. Wie viel bringt es aber konkret? Und wie steht es um die anderen Milchprodukte, die gerade in der Schweiz sehr beliebt sind?

SchweizerInnen trinken immer weniger Milch

Gemäss der Organisation Schweizer Milchproduzenten SMP ist der Gesamtverbrauch von Milch- und Milchprodukten in den vergangenen Jahren konstant geblieben und die Nachfrage nach Käse gestiegen. Der Konsum von Trinkmilch ist hingegen stetig gesunken. SMP-Statistiken zeigen: 1980 tranken Schweizerinnen und Schweizer jährlich 118 Liter Milch pro Person, im Jahr 2000 waren es 89 Liter pro Kopf und 2020 noch 51 Liter.

Living the life in Grindelwald.
Living the life in Grindelwald.
Bild: Jennifer Zimmermann

Heinz Minder, Kommunikationsmitarbeiter bei SMP, sagt zu diesem Trend: «Wir hoffen natürlich, dass er sich verlangsamt. Für uns ist aber der Gesamtverbrauch an Milch und Milchprodukten die wichtigere Grösse.» Die sinkende Nachfrage nach Trinkmilch führt er auf veränderte Ernährungsgewohnheiten zurück – aber er glaubt nicht, dass Pflanzendrinks ihr den Rang ablaufen werden. «Milch ist eine sehr gute Nahrungsquelle. Pflanzendrinks enthalten sehr viel Wasser», so Minder.

Und wie steht es um die Ökobilanz, wenn man die Produkte vergleicht? Meist werden CO2-Emissionen pro Kilogramm Produkt verglichen. Hier schneidet Milch deutlich schlechter ab. Heinz Minder gibt aber zu bedenken:

«Ein Vergleich der Produkte auf Basis der Nährstoffdichte liefert ein anderes Bild. Bei dieser Betrachtung haben Milchersatzprodukte massiv höhere Auswirkungen auf das Klima.»
Proteinspender Milch.
Proteinspender Milch.
Bild: Jennifer Zimmermann

Über CO2-Fussabdruck und Proteingehalt

Um den CO2-Fussabdruck besser zu verstehen, wende ich mich an Matthias Stucki, Dozent am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW sowie Leiter der Forschungsgruppe Ökobilanzierung. «Der CO2-Fussabdruck oder das Treibhauspotenzial (THP) beschreibt den gesamten Beitrag eines Produkts zum Klimawandel aufgrund von Treibhausgasemissionen (CO2, Methan, Lachgas etc.). Dabei berücksichtigt man alle Abschnitte im Lebenszyklus eines Produktes, von der landwirtschaftlichen Herstellung über Verarbeitung, Transport und Verpackung bis hin zur Entsorgung.» Zur CO2-Bilanz von Milch vs. Pflanzendrinks sagt Matthias Stucki:

«Pflanzliche Milchalternativen haben pro Liter alle einen deutlich geringeren Klima-Fussabdruck als Kuhmilch.»
Bild: Jennifer Zimmermann

Er veranschaulicht den Sachverhalt anhand von konkreten Beispielen. Auf einen Liter Sojamilch würden rund die Hälfte weniger Treibhausgasemissionen als auf einen Liter Vollmilch entfallen. Auch bei den anderen Pflanzendrinks, zum Beispiel solchen aus Hafer oder Reis, seien die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu Kuhmilch deutlich reduziert.

Nebst dem CO2-Fussabdruck kann man auch die sogenannte Gesamtumweltbelastung messen. Wie beim CO2-Fussabdruck werden alle Prozesse im Lebenszyklus eines Produktes betrachtet. Bei der Gesamtumweltbelastung werden nebst dem Klimawandel aber zudem viele andere Faktoren, wie etwa Luftschadstoffe, Pflanzenschutzmittel, Energiekonsum, Wasserverbrauch und etliche mehr berücksichtigt. «Egal, welcher Methode man sich bedient, beim Vergleich pro Liter, haben Pflanzendrinks tiefere Umweltauswirkungen als Kuhmilch», sagt Stucki.

Berücksichtigt man auch den Nährstoffwert, sieht es wieder anders aus: «Milch hat den Vorteil eines hohen Proteingehaltes. Bei einem Vergleich bezogen auf die Proteinmenge sind daher nur bei Soja-Drink die Umweltauswirkungen deutlich tiefer als bei Kuhmilch, da auch Soja-Drink – im Unterschied zu anderen Pflanzendrinks – einen hohen Proteingehalt hat.» Es kommt also darauf an, welche Pflanzendrinks man mit Milch vergleicht und ob man dabei auch den Nährstoffgehalt mitberücksichtigt.

Faktencheck: Argumente gegen Pflanzendrinks

Mit dem steigenden Angebot der Milchalternativen mehrt sich auch das Halbwissen um deren Umweltfreundlichkeit. Viele denken, Milch sei nach wie vor besser fürs Klima. Hier die häufigsten Argumente, die dafür angeführt werden, und Antworten darauf.

  1. Abgeholzte Regenwälder

    «Soja-Drink ist schädlich fürs Klima, weil dafür massenhaft Regenwald abgeholzt wird.» Für Soja wird tatsächlich Regenwald gerodet. Der grösste Teil wird aber als Futter für Rinder und Kühe verwendet und die meisten Soja-Drinks, die es bei uns zu kaufen gibt, bestehen aus Soja aus Europa.

  2. Hoher Wasserverbrauch

    «Für Mandel- und Reis-Drinks braucht es Unmengen von Wasser.» Das ist wahr. Den Nährstoffwert ausser Acht gelassen, haben aber Pflanzendrinks aus Soja, Hafer, Reis und Co. eine bessere Ökobilanz als Milch; sei dies in Bezug auf den CO2-Fussabdruck oder die Gesamtumweltbelastung, bei der unter anderem auch der Wasserverbrauch und Energiekonsum berücksichtigt werden.

  3. Emissionen durch Transport und Verarbeitung

    «Der Transport von Pflanzendrinks führt zu mehr Emissionen als bei Kuhmilch.» Auch das ist korrekt, und zwar, weil die Rohstoffe für die in der Schweiz verkauften Drinks überwiegend aus Europa kommen. Ebenso verursacht die Verarbeitung von Pflanzendrinks mehr Emissionen als Milch. Der landwirtschaftliche Fussabdruck ist bei Milch aber bis zu fünfmal so hoch wie bei Pflanzendrinks. Das macht die höheren Emissionen bei Transport und Verarbeitung von Pflanzendrinks wett. Gesamthaft hat Milch hat also nach wie vor einen grösseren ökologischen Fussabdruck als die Drinks.

Welches Getränk ist Öko-King?

Was ist also der Weisheit letzter Schluss? Welches Getränk ist der Sieger beim Rennen um die beste Ökobilanz? Für Heinz Minder von der Organisation Schweizer Milchproduzenten SMP ist und bleibt es die Milch, wegen ihrer hoher Nährstoffdichte. Matthias Stuckis Bilanz: «Drinks aus Soja und solche aus Hafer – am besten in der Schweiz angebaut – landen auf dem Siegerpodest.»

Welche Aspekte beschäftigen euch, wenn es um Milch geht? CO2-Fussabdruck, das Wohl der Tiere, eure Gesundheit und/oder Nährstoffwerte?

«Sie zwingen alle, Hafermilch zu trinken!» – der Chef im Kampf gegen Büro-Wokeness

Video: watson/maurice thiriet, nico franzoni

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1 / 10
Flauschige Kühe
quelle: imgur
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