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Manche Freikirchler züchtigen ihre Kinder, weil es die Bibel verlangt

Prügelstrafe bei Gläubigen
Prügel im Namen des Herrn.Bild: shutterstock.com/watson
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Radikal religiös: Wie Freikirchler ihre Kinder züchtigen, weil die Bibel es verlange

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat Untersuchungen angestellt und erstaunliche Resultate zur Prügelstrafe von Gläubigen erhalten.
02.12.2019, 09:1102.12.2019, 09:11

Jede Religion und jede Glaubensgemeinschaft trägt im Kern das Sektenhafte in sich. Schliesslich geht es um die letzten Dinge und die göttliche Autorität. Also um den höheren Sinn, um Transzendenz und Metaphysik. Und um die Deutungshoheit in diesen existentiellen, religiösen und spirituellen Belangen: um alles oder nichts.

Liberale Gläubige, die ein kritisches Bewusstsein bewahrt haben, kennen die Gefahren und lassen sich höchstens partiell vereinnahmen. Anders radikale Gläubige, wie sie in Freikirchen die Norm sind.

Christian Pfeiffer, einer der bekanntesten Kriminologen in Deutschland, hat kürzlich ein Buch mit dem Titel «Gegen die Gewalt: Warum Liebe und Gerechtigkeit unsere besten Waffen sind» herausgebracht.

Er beschäftigte sich nicht nur Jahrzehntelang mit Verbrechen, sondern leitete auch jahrelang das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen. Ausserdem war Pfeiffer Professor an der Universität Hannover und Justizminister in Niedersachsen.

In seinem Buch stellt er seine Forschungsergebnisse zum Thema Gewalt und Religion dar. Er kommt zum Schluss, dass Evangelikale, die aus religiöser Überzeugung die Prügelstrafe anwenden, besonders problematisch sind, wie er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte.

Züchtigung mit der Rute bei der christlichen Sekte «12 Stämme»:

Pfeiffer wörtlich: «Da gibt es eine Besonderheit, die schon bestürzend ist. Dass dort – wir hatten ja die Chance, 45'000 Jugendliche zu fragen, 500 waren evangelisch-freikirchlich – immer noch gilt: Je gläubiger die Eltern sind, desto mehr schlagen sie zu. Das ist ein Missverständnis aus Traditionstexten, aus dem alten Testament, auf das sie sich berufen.»

Und weiter: «In einem Erziehungsratgeber kann man dort nachlesen bei den Evangelikalen: ‹Wenn es Zeit wird, die Rute anzuwenden, atmen Sie tief ein, entspannen Sie sich und beten Sie, Herr, lass das eine gute Lektion werden. Reissen Sie das Kind nicht herum, erheben Sie Ihre Stimme nicht. Das Kind sollte die Rute in Ihrem ganzen ruhigen, überlegten und beherrschten Geist kommen sehen.› (…) Wir mussten feststellen bei den hochgläubigen Eltern: Nur 21 Prozent der Kinder werden völlig gewaltfrei erzogen, von denen, die Religion nur als Lebensdekoration nehmen, waren es immerhin 60 Prozent, die gewaltfrei erzogen werden.»

«Wenn Kinder widerspenstig und böse sind, ‹so schone Deine Rute nicht. Du gibst ihnen zwei, drei zünftige Streiche hinten drauf und schon ist der Wille wieder gereinigt›.»
Prediger Ivo Sasek über die Prügelstrafe.

Strenggläubige Christen leiten die Körperstrafe vom Alten Testament ab

Das biblische Dogma der Körperstrafe vertritt auch der Prediger und «Gottgesandte» Ivo Sasek von der «Organischen Christus Generation» OCG in Walzenhausen. In seinem Buch «Erziehe mit Vision» schreibt er: «Wenn Kinder widerspenstig und böse sind, ‹so schone Deine Rute nicht›. Du gibst ihnen zwei, drei zünftige Streiche hinten drauf und schon ist der Wille wieder gereinigt.»

So leiten strenggläubige Christen aus der Bibel Strafen ab, die heute verboten und pädagogisch unsinnig sind, ja meist kontraproduktiv.

Ein solcher Absolutismus ist nicht gemacht für unser Wesen und unser Bewusstsein. Wir erleben im Alltag, also im säkularen Leben, dass so ziemlich alles relativ ist. Oder zumindest subjektiv. Bei den Religionen und Glaubensgemeinschaften geht es aber um die «Wahrheit».

Es gibt im religiösen Bereich keine Wahrheit, sondern nur den Glauben

Dabei gibt es speziell in spirituellen und religiösen Konzepten und Lehren die Wahrheit an sich nicht. Schliesslich ist es das Wesen der übersinnlichen Ideen und Heilslehren, dass es sich um Glaubenskonstrukte handelt, die sich der Überprüfbarkeit entziehen.

Für Strenggläubige gibt es aber nur das «Entweder-Oder». Eine Religion ist entweder wahr oder unwahr. Ein Halbwahr hat in ihrem Denken und Fühlen so wenig Platz wie Halbwahrheiten. Es gibt in einer Glaubensgemeinschaft auch keine individuell zugeschnittenen Heilsvorstellungen.

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Diese strengen religiösen Überzeugungen führen zu harten Dogmen und Lebenshaltungen. Oder zu sektenhaftem Verhalten. Wer sich in Glaubensfragen als Hüter der einzigen Wahrheit sieht, neigt zur Radikalität. Oder gar zum Fanatismus. Es führt zu einer Wesensveränderung, zu Realitätsverlust und zu Wahrnehmungsverschiebungen.

Fanatismus und Hass bei den Islamisten

Wenn die religiöse Indoktrination dann noch politisch instrumentalisiert wird wie bei Islamisten, kommt zum Fanatismus noch der Hass auf alle Nicht-Gläubigen. Das führt zum Verlust jeder Empathie und zur Entmenschlichung. Sogar der Selbsterhaltungstrieb, die wohl stärkste Kraft in uns Menschen, verliert dann seine Wirkung.

Nur so ist es zu erklären, dass Selbstmordattentäter sich und Unbeteiligte ohne Skrupel in die Luft sprengen.

Verantwortungsbewusste Religionen und Glaubensgemeinschaften sollten sich bewusst sein, dass auch sie den Kern des Sektenhaften in sich tragen. Daraus sollte die Erkenntnis wachsen, dass es keine religiöse Wahrheit gibt und sie deshalb ihren Gläubigen einen grossen individuellen Spielraum gewähren sollten – geistig wie in der Lebensgestaltung.

Hugo Stamm; Religionsblogger
Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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FRAGFRAUFREITAG
Liebe Frau Freitag. Meine beste Freundin (26) trinkt zu viel. Und ich meine nicht damit, dass Sie dann in ihrer eigenen Kotze liegt. Es ist viel diskreter. Das ist das, was mich beunruhigt.
Sie trinkt zu oft und zu schnell. Während wir anderen in der Runde noch am ersten Glas Weisswein dran sind und plaudern, schenkt sie sie schon mit einem verschmitzten Lächeln das zweite, und dann verlegen das dritte ein. Wenn sie dann hinüber ist, weil sie zu viel getrunken hat, spielt sie am nächsten Tag alles herunter. Und sie hat auch nie einen Kater. Kein Kater = keine Reue. Aber wie will ich sie belehren gehen, wenn ich selber ab und wann im Ausgang abstürze. Meine Freunde und meine Generation trinken am Wochenende mal einen über den Durst. Wenn ich es ihr sage, ist es, wie wenn ein Raucher einem anderen Raucher sagt, er soll mal weniger rauchen. Eva, 25
Liebe Eva 

Was für eine spannende und auch anspruchsvolle Frage! Danke dafür!

Alkohol ist die am meisten verbreitete und gesellschaftlich verankerte und akzeptierte Droge überhaupt. Und keine Sau interessiert's. Während über Kokain und neuerdings auch wieder über Heroin viel geschrieben und diskutiert wird, stört sich an der abendlichen Flasche Wein kein Mensch.

Mich macht diese Tatsache auch immer wieder nachdenklich. Früher habe ich selten getrunken, aber wenn, dann richtig! Eine Strategie, die mein Hausarzt, gegenüber dem moderaten aber dafür regelmässigen Alkoholkonsum übrigens als gesünder bezeichnet. Die Leber leidet unter dem alltäglich zugeführten Alkohol angeblich mehr, als wenn man ein bis zweimal pro Monat richtig Gas gibt.

In Ihrer Generation ist das Abstürzen am Wochenende mehr verbreitet, während meine Generation eher allabendlich eine Flasche Wein zum Nachtessen trinkt und am Wochenende deren zwei bis drei, damit man nachher wieder einmal miteinander schlafen kann. Die Selbstverständlichkeit, mit der man wöchentlich mit einer Einkaufstüte voller leerer Weinflaschen zur Altglassammelstelle wandert, hat mich schon immer befremdet. Aber das mag auch daran liegen, dass ich Wein nicht so gerne mag und Prosecco sich nicht so einfach mit einem guten Essen entschuldigen und nebenher trinken lässt.

Alkoholismus fängt für mich dort an, wo man nicht mehr bewusst über das Öffnen einer Flasche irgendwas nachdenkt, sondern es automatisch geschieht. Und mir ist sehr wohl bewusst, dass nach dieser meiner persönlichen Definition etwa 65 % der Menschen Alkoholiker sind. Aber ich vermute nun einmal, dass ich mit dieser Schätzung auch nicht ganz so falsch liege. Aber leider ist es wenig sexy, über Alkohol als Droge nachzudenken. Dafür ist sie zu legal, zu einfach beschaffbar und durch alle Bevölkerungsschichten zu verbreitet.

Dies mag vielleicht tatsächlich daran liegen, dass es einem schwerfällt, den Mahnfinger zu heben, wenn man gerade selber ein Glas in der Hand hält. Aber dennoch finde ich, dass man es tun soll. Sie machen sich über Ihre Freundin Sorgen, weil diese mit ihrem bagatellisierenden Gebaren das Verhalten einer Trinkerin an den Tag legt? Sprechen Sie mit ihr darüber. Natürlich gibt es das biblische Zitat "Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Aber es geht ja hier nicht um die Steinigung Ihrer Freundin, sondern vielmehr um die Sorge, die Sie umtreibt. Konfrontieren Sie Ihre Freundin darum nicht mir Vorwürfen, sondern einfach mit Ihren Bedenken.

Es ist ein Akt der Liebe, wenn man sich um jemanden sorgt und diese Sorge auch anspricht, anstatt einfach wegzusehen. Mit dieser Aktion begibt man sich allerdings auf dünnes Eis und schon manche Freundschaft ist darob zerbrochen. Oft kann die tragende Eisfläche dadurch aber auch an Festigkeit gewinnen und darum bin ich ein grosser Freund des ehrlichen Wortes.

Alles Gute, Ihre Kafi.

Ach und übrigens: Das mit dem Kater ist auch eine Frage des Alters. Bis vor kurzem war ich auch davon verschont. Reue hatte ich allerdings auch immer schon ohne. Lust aufs Trinken allerdings auch. 
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