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Ein Missionsplakat zu Ehren Gottes.
Ein Missionsplakat zu Ehren Gottes.
bild: Hugo Stamm
Sektenblog

Kennst du das «Gott ist treu»-Plakat? Ich hätte da ein paar Fragen

Die freikirchliche Agentur C hat schon rund 100'000 Plakate mit Bibelsprüchen aufgeklebt. Der Nutzen? Fragwürdig.
22.07.2019, 10:47

Gott ist Gott. Und Gott kann vieles sein: allmächtig, gütig, barmherzig. Aber treu? Kann er. Das zumindest behauptet ein Plakat, das am Dorfeingang von Sisikon UR prangt.

Das irritiert. Werbung für Gott? Ok. Doch hat er dies nötig? Und Werbung für einen treuen Gott? Das potenziert die Irritation.

Wie muss man sich einen treuen Gott vorstellen? Christen definieren Gott als Vater. So übermittelt es die Bibel. Wir Menschen sind also seine Kinder. Ein Vater ist wohl immer treu gegenüber seinen Kindern. Auf jeden Fall ist mir die Formulierung, der Vater sei gegenüber seinen Kindern treu, noch nie begegnet.

Das Plakat provoziert die durchaus sinnvolle Frage, weshalb Gott keine Frau hat

Gegenüber wem soll er also treu sein? Gegenüber seiner Frau, kommt einem spontan in den Sinn. Doch das kann nicht sein, Gott ist laut Bibel Single.

So provoziert das Plakat immerhin die durchaus sinnvolle Frage, weshalb Gott keine Frau hat. Schliesslich hat er einen Sohn, da wäre es doch auch logisch, wenn er eine Partnerin an seiner Seite wüsste. Aber nein, offenbar genügt er sich selbst.

Es gibt vor allem eine plausible Erklärung: Unsere Urahnen haben sich vor 2000 und mehr Jahren den christlichen Gott ausgedacht und ihm menschliche Züge verpasst.

Da die Frauen damals Geschöpfe zweiter Klasse waren, konnten sie Gott nicht ein weibliches Pendant zur Seite stellen. Deshalb ist er heute noch Single. Und deshalb macht es noch weniger Sinn, ihn als treu zu bezeichnen.

Solche naiven Botschaften passen zur missionarischen Handschrift der besonders frommen Christen

Wer wirft so viel Geld für Plakate auf?

Doch wer wirft viel Geld auf, um den Autofahrern zu erklären, dass Gott treu ist? Dass es Christen sein müssen, ist anzunehmen. Man kann auch davon ausgehen, dass Katholiken und Protestanten nicht ein riesiges Plakat dazu verwenden würden, eine Aussage mit drei Wörtern an den Strassenrand zu kleben.

Bleiben Freikirchen. Solche naiven Botschaften passen zur missionarischen Handschrift der besonders frommen Christen.

Tatsächlich ist das Plakat Teil einer Missionskampagne, die seit vielen Jahren mit schöner Regelmässigkeit den öffentlichen Raum besetzt. Und die schon Hunderttausende von Franken verschlungen hat.

Urheber ist der Gründer der Sipuro-Fabrik

Verantwortlich für die Plakataktionen ist die Agentur C. Das C steht für Christus. Den Hintergrund erhellt die Homepage der Agentur:

«Heinrich Rohrer, ehemaliger Inhaber der Sipuro AG in Münsingen, gründete 1985 aufgrund seiner persönlichen Beziehung zu Gott mit einigen Freunden den Verein Agentur C und setzte sich damit für die Verbreitung des Wort Gottes ein. Der Verein führt diese Mission über seinen Tod hinaus weiter. Menschen sollen auf die wertvollen Aussagen der Bibel aufmerksam werden und erfahren, dass sie bei deren Lektüre Kraft für die Bewältigung ihrer persönlichen Lebenssituation schöpfen können.»
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Inzwischen wurden schätzungsweise gegen 100‘000 Plakate in der Schweiz aufgeklebt. Zwei weitere Beispiele: «Werft alle Sorgen auf Gott! Er sorgt für Euch» oder «Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt». Ob solche Sprüche bei den Passanten mehr als nur Kopfschütteln auslösen, muss bezweifelt werden.

Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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