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Fernando Ocáriz: Papst muss einen neuen Opus-Dei-Chef ernennen

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Die «heilige Mafia des Vatikans» braucht einen neuen Chef

17.12.2016, 08:1517.12.2016, 15:27

Der Opus-Dei-Chef Javier Echevarría ist in dieser Woche gestorben. «Wer oder was ist denn Opus Dei, das ‹Werk Gottes›?», werden sich viele fragen. Das ist bezeichnend. Denn der mächtige katholische Laienorden, der selbst im Vatikan die Fäden zieht, versteckt sich gern hinter einer Fassade. Deshalb haben ihm Kritiker das Etikett «heilige Mafia des Vatikans» verpasst. Dies auch, weil hochrangige Mitglieder des Ordens gern in Finanzgeschäften mitmischen. So gab es auch schon handfeste Skandale rund um die superfrommen Christen.

epa05673562 (FILE) A file picture dated 10 October 2008 shows Spanish bishop Javier Echevarria in Rome, Italy. Echevarria, Prelate of Opus Dei, died in Rome at the age of 84 on 12 December 2016, sever ...
Der Letzte: Javier Echevarría, 1932-2016.Bild: EPA/ANSA

Javier Echevarría war nicht nur Leiter des Ordens, sondern auch Bischof. Allerdings – auch dies eine Kuriosität der katholischen Kirche – ein Bischof ohne Bischofssitz. Konkret: Das Bischofstum konzentriert sich auf eine einzige Person. Es gibt keine Kirche und keine Bischofsresidenz. Echevarría war quasi eine wandelnde Diözese.

Niemand kennt die Opus-Dei-Mitglieder

Gegründet wurde Opus Dei 1928 von Josemaría Escrivá de Balaguer. Der Spanier mit einem rechtsradikalen Einschlag – er hatte gute Verbindungen zum Franco-Regime – wollte die reine christliche Lehre umsetzen. Obwohl er die katholische Kirche als verwässerte Institution betrachtete, diente er sich der Kurie erfolgreich an.

Opus Dei wird als Geheimorden bezeichnet, weil sich die Mitglieder verdeckt halten und nicht outen. Sie müssen ein langes Aufnahmeprozedere durchlaufen und werden Numerarier genannt. Sie sind nach aussen gewissermassen namenlos und werden im übertragenen Sinn nur nummeriert.

Der spanische Priester Josemaria Escriva de Balaguer an einer Rede vor Jugendlichen in Pozoalbero, Spanien, undatierte Aufnahme. (KEYSTONE/Str)
Der Erste: Ordensgründer Josemaría Escrivá de Balaguer (1902-1975).Bild: KEYSTONE

Das war ein taktisch kluger Schachzug des Gründers. So konnten seine Anhänger in allen Gremien ihre rechtskonservativen und in Glaubensfragen reaktionären Ideen einbringen und durchsetzen, ohne als Stosstrupp von Escrivá de Balaguer erkannt zu werden.

Zwei Stunden täglich mit dem Bussgürtel

Im Laufe der Jahrzehnte haben sie es geschafft, in fast allen wichtigen katholischen Institutionen vertreten zu sein. Ausserdem sympathisieren Dutzende von Kardinälen mit dem Opus Dei. Vermutlich sind etliche sogar Mitglieder des Ordens, doch das darf schliesslich niemand wissen.

Der Gründer des Opus Dei wollte die katholische Kirche von innen her umkrempeln. Für ihn war sie ein «Leichnam in stinkender Verwesung», weil sie unter anderem beim Zweiten Vatikanischen Konzil liberale Tendenzen erkennen liess.

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Welche Form des christlichen Glaubens der Opus-Dei-Gründer als idealtypisch betrachtete, zeigt sich bei den Verhaltensnormen, die er seinen Ordensmitgliedern auferlegte. So zeigen sich das mittelalterliche Gedankengut und die sadistische Glaubensauffassung der rund 90’000 Numerarier bei den Bussübungen: Die Ordensleute müssen täglich ausser Sonntags zwei Stunden lang einen schmerzhaften Bussgürtel tragen. Ausserdem kasteien sie sich wöchentlich mit einer fünfschwänzigen Handgeissel. Dieses kuriose Ritual der Selbstkasteiung führen sowohl die Mitglieder durch, die ein normales ziviles Leben führen, als auch die Superfrommen, die in sektenartig organisierten Zentren leben.

Der nächste Chef steht schon bereit

Dass die Kurie eine Organisation mit einem Bischofstum belohnt, die solche Verhaltensregeln zwingend verlangt, zeigt die bedenkliche und starre Geisteshaltung des Vatikans. Und dass Papst Johannes Paul II. den 1975 verstorbenen Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá de Balaguer bereits 1992 selig gesprochen hat, bestätigt das reaktionäre Glaubensverständnis der Kurie.

Mons. Fernando Ocáriz, Opus Dei. Copyright: Opus Dei / Flickr.com (https://www.flickr.com/photos/opus-dei/)
Der Nächste: Fernando Ocáriz.Bild: Opus Dei / Flickr.com

Enttäuschend ist auch, dass Papst Franziskus keine Anstalten macht, Opus Dei in die Schranken zu weisen. So wird er vermutlich in Bälde den Numerianer Fernando Ocáriz als Nachfolger des verstorbenen Bischofs Javier Echevarría ernennen. Als Ordensträger eines Geheimbundes, der fast alle Merkmale einer Sekte erfüllt.

Hugo Stamm; Religionsblogger
Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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