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Der neue elektrische Honda hält seine Versprechen

Honda e:Ny1 2023
Der e:Ny1 ist das zweite nach Europa importierte vollelektrische Honda-Modell.Image: Honda
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Der neue elektrische Honda hält seine Versprechen

Der Honda e:Ny1 – gesprochen «i-n-why-one» – ist das zweite vollelektrische Modell der Honda-Baureihe. Ganz dem Zeitgeist entsprechend will dieser Familien-SUV mit erstklassigen Leistungen seinen Platz in Europa einnehmen, in einem Segment, das im rasanten Wandel begriffen ist.
22.08.2023, 08:16
Jerome Marchon
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Während die europäischen Hersteller hektisch dabei sind, vor einem engen Zeithorizont ihr komplettes Angebot auf elektrischen Antrieb umzustellen, scheinen die Japaner diesen Übergang mit dem Abstand und der Besonnenheit eines Samurai zu betrachten. Ja, es stimmt: Für sie als internationale Hersteller hat der europäische Markt nicht (oder nicht mehr) oberste Priorität, und Modelle auf Verbrennerbasis (aber elektrifiziert) sollten durchaus im Katalog gelassen werden, um den Rest der Welt zufriedenzustellen.

Nicht immer das, wonach es aussieht

Damit ist der e:Ny1 nach dem munteren Honda e erst das zweite vollelektrische Honda-Modell, das europäischen Boden erreicht. Auch wenn sein Name eher nach der letzten Rakete aus den Fabriken des sowjetischen militärisch-industriellen Komplexes in den Hochzeiten des Kalten Krieges klingt (oder zeitgemässer nach einem WLAN-Code) – der jüngste Honda-Spross eröffnet eine Plattform, die gemeinsam mit chinesischen Industriepartnern konzipiert wurde.

Honda e:Ny1 2023
Ein elektrischer HR-V? Ganz und gar nicht ...Image: Honda

Die Linien sind ähnlich wie beim HR-V Hybrid – aber nur ähnlich, denn vom besagten SUV Hybrid wurde kein Element übernommen, und der e:Ny1 ist etwas grösser bemessen. Im Unterboden des e:Ny1 steckt eine Batterie mit 61,9 kWh Nutzkapazität mit dem kleinen Fehler, dass sie aus dem Unterrahmen des Autos herausragt, was die Bodenfreiheit auf 13,5 cm verringert, obwohl es höher aussieht. Obacht also bei Ausflügen abseits der Strasse!

Honda e:Ny1 2023
Batterie und Gehäuse verringern die Bodenfreiheit.Image: Honda

Die wassergekühlte Batterie hat eine theoretische Reichweite von 412 km (WLTP). Die Ladeleistung geht von 3 bis 78 kW. Etwas knapp beim Schnellladen? Ja und nein: Natürlich sind wir hier weit von der fast schon allgemein anerkannten 100-kW-Grenze entfernt, aber Honda versichert, dass die 78 kW bis zu 60 % Ladung verfügbar sind, während die 100 kW der Konkurrenten bereits ab 30 bis 40 % Ladung abnehmen. Und weniger Leistung bedeutet auch eine längere Lebensdauer. Der e:Ny1 braucht 45 Minuten, um von zehn auf 80 % Ladung zu kommen.

Alles drin

An Bord steht der e:Ny1 dem HR-V in nichts nach, was das Raumangebot vorn und hinten betrifft. Besser noch: Die Sitze fühlen sich bequemer an. Anzumerken ist, dass aufgrund der grossen Batterie keine praktischen «Magic Seats» auf der Rückbank möglich sind, um sperrige Gegenstände mitzunehmen. Dafür wartet aber der Kofferraum mit ein paar zusätzlichen Litern (344 l statt 319 l) auf, und zwar weil … sich keine Batterie unterm Boden befindet.

Honda e:Ny1 2023
344 Liter Kapazität im Kofferraum.Image: Honda

Das Cockpit des e:Ny1 ist bestens verarbeitet und ausgestattet. Das Armaturenbrett verfügt über ein modisches kleines Instrumenten-Display hinter dem Lenkrad und eine mittige 15,1″-Digitalanzeige für die sekundären Bedienelemente. Eher schlicht gehalten, ist ihre Oberfläche in drei Abschnitte aufgeteilt: Oben befinden sich GPS, Apple Carplay/Android Auto und Rückfahrkamera, in der Mitte die Fahrzeug- und Ladeeinstellungen und unten die (permanenten) Klimaanlageneinstellungen. Das ist einfach, effizient und reaktionsschnell.

Honda e:Ny1 2023
Moderner, gut konstruierter Innenraum.Image: Honda

Der in zwei Ausstattungsvarianten erhältliche e:Ny1 glänzt mit einem ultrakompletten Equipment. Bei den Optionen stehen Metallic-Lackierung, Garantieerweiterung und unterschiedliche Design-Pakete zur Auswahl.

Ein Auto, das seine Versprechen hält

Das Fahren im e:Ny1 gestaltet sich angenehm. Die Beschleunigung ist lebhaft (204 PS/310 Nm), die Lenkung geizt zwar mit Informationen, ist aber präzise, während die Dämpfung ideal austariert ist; Unebenheiten werden straff, aber niemals ruckelig aufgefangen, und die Wankstabilität ist vorbildlich. Auch anzumerken ist die sorgfältige Arbeit der Ingenieure zum Ausgleich der Pendelwirkung beim Beschleunigen/Verlangsamen, die für Elektromodelle typisch ist und bei den Insassen mitunter für einen flauen Magen sorgt. Die drei Fahrmodi sind gut ausdifferenziert, und die drei Rekuperationsebenen ermöglichen es problemlos, einige kWh Batterie einzusparen. Schade ist allerdings, dass es keinen One-Pedal-Modus gibt.

Honda e:Ny1 2023
Das Fahrwerk des Honda e:Ny1 verbindet Komfort und Dynamik.Image: Honda

Was den Verbrauch betrifft, ergab unsere Testfahrt auf norwegischen Strassen einen Verbrauch von 15 kWh/100 km, was effektiv eine durchschnittliche Reichweite von 412 km wie angegeben bedeutet, zumindest wenn wie in unserem Fall auf gemischter Strecke gefahren wird. Oder wenn die Wahrheit die Wahrscheinlichkeit übertrumpft. Fraglich ist, ob die Bilanz auf der Autobahn genauso erfreulich ist.

Honda e:Ny1 2023
412 km tatsächliche Reichweite auf Nebenstrassen.Image: Honda

Der Honda e:Ny1 ist ab 45 990.– Franken in der Version Elegance zu haben (48 990.– Franken kostet das Premiummodell Advance) und positioniert sich im oberen Bereich seiner Kategorie. Zwar revolutioniert er nicht das Angebot, hält aber seine Versprechen in Sachen Leistungen, bietet grosses Fahrvergnügen und kommt mit einer Komplettausstattung. Auf deiner Einkaufsliste sollte er in jedem Fall ganz weit oben stehen.

Über den Autor:

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Jérôme Marchon ist ...
... seit seiner frühesten Kindheit ein leidenschaftlicher Autofan. Seine berufliche Karriere begann er in der Finanzbranche, trug aber schon früh zum Aufbau eines Auto-Blogs bei – bis er schliesslich seinen eigenen Blog gründete. Sein weiterer Weg führte ihn in die Chefredaktion der Revue Automobile. Seit 2018 ist er freiberuflich tätig und schreibt für verschiedene Auto- und allgemeine Print- und Digital-Medien in der Schweiz und im Ausland. Jérôme Marchon arbeitet auch als Übersetzer und Berater für redaktionelle Inhalte für Automobilveranstaltungen und Autohersteller.
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58 Kommentare
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fw_80
22.08.2023 08:56registriert Juni 2015
Schon wieder ein E-Auto, dass mit nichts begeistern kann: Für 50k+ diese knappe Reichweite und lauter Kompromisse (durchschnittliche Power, schwache Ladeleistung, peinlicher Akkueinbau). Kann ich nicht nachvollziehen. Um die Leute vom Verbrenner zu holen braucht es da doch deutlich mehr überdurchschnittliches. Oder zu allen Kompromissen auch ein entsprechender Preis.
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Hiker
22.08.2023 10:33registriert Januar 2017
Scheint als sei der Autor dieses Artikels in Sachen Elektromobilität nicht so ganz auf der Höhe. Bei diesem Fahrzeug stimmt so ziemlich gar nichts. Ausser vielleicht die Reichweite. Eine Ladegeschwindigkeit von 45Min von 10 auf 80% ist unterirdisch. 204 PS unterirdisch. Ein Akku der unter dem Auto herauslugt schwach. Android und Apple als Betriebssystem ungenügend. Der Preis astronomisch fürs gebotene. Das Auto hat so, praktisch null Chancen auf dem hart umkämpften Elektroauto Markt.
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Bemic
22.08.2023 10:34registriert April 2023
Und wieder ein übergrosser 1-Person-Pendler-Panzer, mit der Aerodynamik eines Wandschranks, dem Gewicht eines Felsens und dem Energiebedarfs eines Ochsens, der auf kein Parkfeld, geschweige denn in ein Parkhaus passt. Mol doch, macht Sinn.🙄
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