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Geschlechterrollen waren gestern – oder nicht?

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illustration: tatiana spogis
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Geschlechterrollen waren gestern – oder nicht?

Veränderte Rollenmuster und aufbrechende Geschlechterstereotypen verändern die Gesellschaft rasant. Die Wirtschaft spielt dabei eine tragende Rolle.
07.03.2023, 11:19
nicole krättli
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Contentpartnerschaft mit der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich
Die Beiträge dieses Blogs stammen seit Januar 2023 von der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). Darin geht es um Arbeit, Karriere sowie Aus- und Weiterbildung.

Es handelt sich nicht um bezahlten Content. (red)

Die Frau zu Hause in der Küche und bei den Kindern, der Mann bei der Arbeit. Ein Bild, das seit einigen Jahrzehnten hinterfragt, relativiert, aufgelockert und angepasst wird. Der Vergangenheit gehört dieses Klischee aber definitiv nicht an. Denn obwohl geschlechterspezifische Vorurteile zu Aufgaben und Fähigkeiten abnehmen und der Individualismus zelebriert wird, ist der Gender Shift noch längst nicht abgeschlossen. Der Megatrend, der weltweit zu massiven Umbrüchen in den traditionellen Geschlechterrollen im Berufs- und Privatleben führt, befindet sich noch mitten in der Entwicklung.

Gleichberechtigung nur in zwölf Ländern

Ella Stadler-Stuart, Leiterin des Studiengangs «CAS Women Leading Digital» an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, spricht deshalb auch nicht von einem Gender Shift, sondern erst von einer Gender Awareness: «Wir als Gesellschaft sind erst seit vergleichsweise kurzer Zeit dabei, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Diversität – egal, ob dies nun Geschlecht, Herkunft, Alter, sexuelle Orientierung oder körperliche und psychische Beeinträchtigungen angeht – ein Gewinn darstellt.»

Welche wirtschaftlichen Vorteile allein schon die Gleichstellung von Frau und Mann bringen kann, zeigt etwa eine von der Credit Suisse durchgeführte Analyse von 2400 Unternehmen weltweit. Demnach erzielten Firmen mit mindestens einem weiblichen Vorstandsmitglied eine höhere Rendite und ein höheres Wachstum des Nettogewinns als Unternehmen, die keine Frauen im Vorstand hatten.

«Je diverser ein Unternehmen aufgestellt ist, desto mehr Ansichten und Perspektiven werden vereint. Das führt zu besseren Arbeitsbedingungen, mehr Wertschätzung, gesteigerter Produktivität und mehr Innovation»

Menschen wollen mehr Diversität

Doch von tatsächlicher Diversität sind wir noch weit entfernt. Eine Untersuchung der Weltbank in 190 Ländern hat ergeben, dass nur gerade in zwölf Ländern eine rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau besteht. Gemäss einer Berechnung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit kostet das die Wirtschaft jährlich sechs Billionen US-Dollar.

Wenn also bereits die Gleichstellung von Frau und Mann eine scheinbar unüberwindbare Hürde darstellt, welche Hoffnung besteht dann für tatsächliche Diversität? Expertin Stadler-Stuart zeigt sich optimistisch. «Immer mehr Unternehmen werden sich ihrer Verantwortung, aber auch dem Potenzial von Diversität bewusst. Gleichzeitig wird der Druck aus der Arbeitnehmerschaft immer stärker», erklärt sie. Tatsächlich haben Befragungen ergeben, dass knapp 70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer es wichtig finden, in einem Unternehmen zu arbeiten, das Wert auf Diversität und Inklusion legt.

Rollenvorbilder sind wichtig

Um den Wandel anzustossen oder voranzutreiben, sind vor allem positive Rollenvorbilder wichtig. «Es braucht Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, die Diversität auf jeder Hierarchieebene leben. Nur dann kann sich wirklich etwas bewegen», ist Studiengangsleiterin Stadler-Stuart überzeugt. Dazu brauche es zwingend Geschäftsleitungen, die das Thema aktiv aufgreifen.

Dafür sei es wiederum wichtig, sich als Unternehmen seinem «unconscious bias» bewusst zu werden – also der verzerrten Wahrnehmung, von der alle Menschen in der einen oder anderen Form betroffen sind. «Es braucht deshalb mutige Diskussionen und offenes sowie vernetztes Denken. Nur so kommen Unternehmen, aber auch die Gesellschaft weiter», hält Stadler-Stuart fest.

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3 Kommentare
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Nordkantonler
07.03.2023 12:31registriert September 2020
"...nur gerade in zwölf Ländern eine rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau besteht"

Nicht überraschend, fallen doch nahezu alle Länder mit Wehrpflicht heraus (mit Ausnahmen wie Israel).
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Könnte Jesus bei seiner Wiederkunft die Menschen überzeugen, der Sohn Gottes zu sein?
Jesus Christus dürfte bei der Erfüllung seiner göttlichen Mission auf der Erde auf grosse Widerstände stossen.

Jesus Christus ist vermutlich die bekannteste Figur in der Menschheitsgeschichte. Obwohl er laut Bibel schon vor 2000 Jahren gelebt haben soll, kennen ihn die meisten Menschen rund um den Globus. Zwar nicht direkt aus der Bibel, aber immerhin vom Hörensagen.

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