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Respekt

Bild: Shutterstock

Yonnihof

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Eine Zeit, den Mund zu halten ...

Zum Tod von This Jenny.



This Jenny ist gestorben. 

In meinen Augen ein grosser Verlust für die Schweizer Politlandschaft. Auch wenn ich mich generell eher nicht auf seiner Seite des politischen Spektrums tummle – oder vielleicht gerade deshalb. This Jenny war ein Mann grosser Prinzipien und diese machte er oft nicht von der Parteipolitik abhängig, sondern einfach von dem, was er für richtig hielt. U.a. beim Thema Gripen. Partei hin oder her. Und so hörte man ihn in der Arena bei gewissen Themen in seinem wunderbaren Glarnerisch quer durchs Studio «heepen» – gegen Vertreter seiner eigenen Partei.  

This Jenny war ein sympathischer Mensch und einer, der für das, was ihm wichtig war, alles gab. Ich fand ihn gut, SVP hin oder her. Ich würde mir in allen politischen Windrichtungen mehr Leute wie ihn wünschen.  

Nach einem längeren Kampf gegen den Magenkrebs hat sich This Jenny nun entschieden, sein Leben mithilfe von Exit frühzeitig zu beenden. Die letzten vier Wochen seines Lebens werde er sich sparen, hatte er einst in einem Interview geäussert. Von Anfang an hatte er klar gesagt, dass er selber über den Zeitpunkt seines Todes entscheiden werde. 

Das ist sein Vorrecht und dass er damit so offen umging, war ein starkes und gutes Zeichen dafür, dass der Mensch selber soll entscheiden dürfen, wann es an der Zeit ist, zu gehen. 

Ja. Und dann geht man sich die Kommentare in der Berichterstattung zu This Jennys Tod anschauen und man bekommt das Gefühl, dass die Menschen teilweise jedweden Anstand und jedwedes Gespür dafür, was angebracht ist, verloren haben. 

Drecksnazi. Fremdenhasser. Braune Sau. Lauter undifferenzierte, pseudopolitische, gefühllose Sprüche gaben die Leute da von sich, die sich an Pietätlosigkeit fast nicht übertreffen lassen. Darauf will ich aber gar nicht erst eingehen, weil das so daneben ist, dass es gar keine Reaktion verdient. 

Darüber hinaus gab es aber auch überraschend viele Kommentare, die Herrn Jenny als Feigling hinzustellen versuchten. Man hätte ihm mehr Charakter zugetraut, als sich so feige aus dem Leben zu stehlen. Nicht wir würden entscheiden, wann unsere Zeit abgelaufen sei, das sei vorbestimmt und liege nicht in unserer Hand. 

Liebe Kommentatoren und Kommentatorinnen, 
ich persönlich kann mir kaum etwas vorstellen, was mehr von Charakter zeugt, als im Sinne eines würdigen Sterbens dem eigenen Leben ein Ende zu setzen. Nichts ist mutiger, als zu sagen: Es ist jetzt genug. Glaubt Ihr, diese Menschen würden nicht gerne weiterleben? Glaubt Ihr, das sei eine einfache Entscheidung? Dass sie sterben müssen, wurde bereits entschieden und das ist doch weiss Gott brutal genug – warum soll man ihnen die Freiheit nehmen, die sie noch haben, nämlich zu entscheiden, wie und wann sie sterben und wie viel Leid sie auf dem Weg dahin über sich ergehen lassen müssen? 

Selbstverständlich kann man sagen, es liege eine gewisse Würde im Ertragen von Leid – es steckt aber auch eine gewisse Anmut im Akzeptieren des Unvermeidlichen. 

Wer sein Ende dem natürlichen Verlauf überlassen möchte, darf das gerne tun – aber erlauben wir uns doch kein Urteil über die Entscheidungen von Menschen, die Leid in einer Form haben ertragen müssen, wie wir es uns nicht in unseren kühnsten Träumen vorstellen können. Lassen wir die Arroganz stecken, jemanden als feige zu bezeichnen ohne zu wissen, mit welchen Dämonen er/sie zu kämpfen hatte. Jemanden, der das Wertvollste aufgab, das er/sie hatte, nämlich sein/ihr Leben. Das steht uns in meinen Augen schlicht und einfach nicht zu. 

Denn genauso, wie es für Leben und Sterben eine Zeit gibt, gibt es eine Zeit, wo man auch einfach mal den Mund halten und ein bisschen Respekt zeigen sollte vor dem Leben und dem Tod eines Menschen. Politiker hin oder her. 

Daher: Machen Sie's gut, This Jenny. Sie haben meine Hochachtung.

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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