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«Ein Mann wie ein Esstisch» – Zum 60. Geburtstag von Büne Huber

epa04853651 Buene Huber, frontman of Swiss band 'Patent Ochsner' performs at the Gurten music open air festival in Bern, Switzerland, 19 July 2015. The Gurtenfestival runs from 16 to 19 July ...
Jeder Abend an seinem riesigen Esstisch ist voll – mit gutem Essen, Wein und Gesprächen: Büne Huber.Bild: EPA/KEYSTONE
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«Ein Mann wie ein Esstisch» – Zum 60. Geburtstag von Büne Huber

Eine Hommage.
27.02.2022, 11:2127.02.2022, 13:03
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Ich sage es wie Frisch über «Andorra»: Büne Huber ist ein Modell. Seine Musik ist ein Modell. Patent Ochsner sind ein Modell. Ein Modell dafür, wie das Leben und die Menschen darin sein könnten. Konjunktiv.

Das will nicht heissen, dass Büne, seine Musik oder seine Band perfekt seien – im Gegenteil. Sie sind so liebenswert, weil sie es eben nicht sind.

Es werden keine verklärten Weltbilder gemalt, da ist keine gecastete, fehlerfreie Truppe und da ist kein glattrasierter Mann im feinen Kleid – und schon gar nicht mit gezupften Augenbrauen. Immer ist da auch ein Teil Melancholie, ein mögliches Scheitern, oder eben gar ein tatsächliches. Und das Stehen dazu.

Büne zeichnet in Musik und mit Farben Bilder, die uns so berühren, weil sie um uns gehen. Wir können uns damit identifizieren, weil sie uns keine Fehlerfreiheit vorgaukeln, sondern uns zeigen, wie wir mit einer Prise mehr Liebe sein könnten.

Eine machbare Utopie, sozusagen.

Büne Huber hat eine mächtige Präsenz, er ist eloquent und laut und unverblümt. Er ist im Schaffen oft das Bild des Selbstbewusstseins, nur, um dann in Zweifel zu verfallen, wenn es ums Menschliche geht. In Interviews sieht man ihn immer wieder sichtlich gerührt und unsicher, als sei seine eindrückliche Vita Zufall. Auch sie zeichnet ihn aus: seine sanfte Imposanz.

Und: Büne Huber ist kein Mann des Masses. Was er tut, tut er hemmungslos. Fluchen, Austeilen und Poltern gehören dazu. Aber auch Kunst, Umarmungen und Gernhaben. Jeder Abend an seinem riesigen Esstisch ist voll – mit gutem Essen, Wein und Gesprächen.

Büne Huber und die Autorin. Backstage. Irgendwo. Egal.
Büne Huber und die Autorin. Backstage. Irgendwo. Egal.Bild: büne huber

Der Esstisch ist für mich denn auch bezeichnend für den Mann, der oft und gerne daran sitzt – der Menschen zusammenbringt, sie verwöhnt, sie umsorgt und sie gernhat. Der sie dazu bringt, sich auseinanderzusetzen, zu diskutieren (teils auch hitzig), der so offen und ehrlich und roh und echt ist, dass man es ihm ohne Scham gleichtut, was Freundschaften umso tiefer macht. Da und dort rennt ein bluttes Kind durch die Wohnung (keine Angst, die Kinder sind nicht immer blutt, aber wenn, dann ist das einfach völlig normal).

Die Liebe zu seiner Frau ist in jedem Wort über sie so spürbar, dass einem das Herz aufgeht. Nachdem ich ihr diesen Text vorgelegt hatte, schrieb sie über ihren Mann: «Er ist der wunderschönste Mensch, den ich kenne.»

Büne Huber lässt Menschen sein, wie sie sind. Denn er ist einer von ihnen – und er tut nicht so, als sei er es nicht. Er sitzt da und redet über wilde Lebensideen. «I wär scho ging gärn e Fischer gsi ...»

«Fischer» (1993).Video: YouTube/Patent Ochsner - Topic

Über die verlorene Mutter, die den schwerstkranken Vater jahrelang pflegte. Ein Lebenstrauma. «Guet Nacht, Elisabeth, lahmi los, lahmi gah u lahmi zieh u lahmi furt vo hie ...»

Guet Nacht, Elisabeth (2008).Video: YouTube/Universal Music Switzerland

Er spricht von der Liebe zum Leben, zur Familie und zum Verlust. «Es Glas uf d’Liebi u eis uf z’voue Läbe.»

Für immer uf di (2019).Video: YouTube/PatentOchsnerVEVO

Sein Erfolg ist nie Thema in diesen intimen Gesprächen zwischen Weingläsern und leeren Tellern. Viel mehr seine «Chrämpf», seine Zweifel und seine allesumfassende Menschlichkeit.

Und so ist auch sein Schaffen: Seine Texte sind er. Das Leben. Die Realität. Gepaart mit einer mächtigen Prise liebenswerten Irrsinns. Ohne Beschönigung, aber unter dem stetigen Mantel der Zuversicht. Niemals naiv – immer hoffnungsvoll.

Seine Band ist ein zusammengewürfelter Haufen von Originalen, die zu einer Familie wurden. Nicht künstlich perfekt – aber auch nicht darauf aus, diesen Anschein zu erwecken.

Büne Huber selbst ist als Mensch so etwas wie der Esstisch der Gesellschaft. Er mag da und dort eine Ecke abhaben und sich immer mal wieder unbequem anfühlen. Manchmal stösst man sich an ihm. Aber er fühlt sich an wie ein Daheim. Wo man mit all seinen Makeln aufschlagen kann und trotzdem willkommen ist. Wo man dich gern hat, nicht obwohl, sondern weil du bist, wie du bist.

Büne Huber ist ein Modell. Und so ist dieser Text eine Hommage, an den Mann (homme), an den Menschen (homme) Büne Huber.

Lieber Büne. Danke für deine Freundschaft. Für die Stunden an deinem Esstisch (dem tatsächlichen und dem in deinem Herzen) und im Taumel deiner Konzerte. Für deine Weisheit, deine Offenheit und das gnadenlos ehrliche Zugeständnis deiner Unvollkommenheit. Für deine Worte, deine Kunst und dein Talent, die so viele von uns durch die Kindheit und durchs Leben begleite(te)n ...

Du Einzigartiger: Hab' Dank. Alles Liebe zum Geburtstag.

PS: Und hey, jetzt sind wir zusammen endlich mal «ganz hundert». Etwas, das man über uns als Einzelne wohl nie wird sagen können. Gut so.

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Yonni Moreno Meyer
Yonni Moreno Meyer (40) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn (*2019) in Zürich.

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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AlpineNoise
27.02.2022 11:49registriert April 2021
Eine schöne Hommage; Für mich gehört Büne zu den besten Musikern (und Poeten) der Schweiz, vor allem aufgrund seiner Authentizität. Wenige Musiker schaffen es, Gefühlslagen und Erlebnisse so behutsam in Lieder zu verpacken.
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sowhat
27.02.2022 12:28registriert Dezember 2014
Im Film zum MTV unplugged hat sich mir seine Persönlichkeit ein bisschen erschlossen. Ein feiner Mensch.
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Nein, der Aberglaube ist nicht harmlos
Eine weltweite Studie belegt, dass 40 Prozent der Weltbevölkerung abergläubisch ist und an die magische Macht der Hexen glaubt.

Der Glaube an übersinnliche Phänomene muss tief in der menschlichen DNA verankert sein. Nur so lässt sich halbwegs schlüssig erklären, wieso der Aberglaube auch heute noch in geistig, kulturell und wissenschaftlich entwickelten Gesellschaften so stark verbreitet ist. Gerade die Corona-Pandemie hat eindrücklich aufgezeigt, wie schnell auch gebildete Leute bereit sind, Fake News aus dem Reich der Verschwörungen kritiklos in ihr Weltbild zu integrieren.

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