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Ist iMessage sicher? Nicht ganz. Apple speichert Metadaten und liefert sie der Polizei ab

Doch nicht so sicher wie behauptet: Die Chat-App iMessage für das iPhone speichert heikle Nutzerdaten, die von Apple auf richterlichen Antrag weitergegeben werden. Ein geleaktes Dokument soll dies beweisen. 
29.09.2016, 14:0029.09.2016, 14:41

Apple verspricht, dass deine iMessage-Nachrichten sicher sind und nur von dir und deinen Freunden gelesen werden können. Eigentlich stimmt das, aber halt nur eigentlich, wie ein geleaktes Dokument zeigt. 

2013 sagte Apple:

«Wir speichern keine Daten, die den Standort unserer Kunden verraten.»

Was stimmt, ist, dass weder Apple noch die Polizei oder der Geheimdienst die verschlüsselten iMessage-Nachrichten mitlesen können – vorausgesetzt, es ist keine Hintertüre in iOS versteckt und kein Trojaner auf dem iPhone installiert.

Was definitiv nicht stimmt, ist, dass weder Apple, die Polizei oder Geheimdienste deine iMessage-Metadaten in die Hände kriegen. Metadaten speichern, wer wann mit wem wie lange von wo aus telefoniert oder geschrieben hat. Mit solchen Metadaten kann ein Bewegungs-, Beziehungs- und Persönlichkeitsprofil jedes iPhone-Nutzers erstellt werden. 

«Eine Liste mit Menschen, mit denen du dich über iMessage unterhältst, kann genau so heikel sein wie deine Nachrichten mit diesen Personen.»
The Intercept

Ein Apple-internes Dokument, dass der Enthüllungsplattform The Intercept zugespielt worden ist, beweist, dass Apples iMessage solche Metadaten für 30 Tage speichert – mit entsprechender richterlicher Anordnung auch länger. Dies hat Apple auf Anfrage von The Intercept bestätigt. 

Die Daten werden, wenn ein Gerichtsbeschluss vorliegt, der Polizei übergeben. In der Praxis könnten die Strafverfolger mehrere 30-tägige Aufzeichnungen aneinanderreihen, um ein langfristiges Profil der überwachten Person zu erstellen, schreibt The Intercept.

Das nun geleakte Dokument ist offenbar eine interne Anweisung an die Mitglieder einer US-Strafverfolgungsbehörde.

heise.de fasst zusammen

Zu den von Apple gesicherten Metadaten gehören der Zeitpunkt und die IP-Adresse des anfragenden Gerätes, wie aus einem von The Intercept veröffentlichten Dokument des «Florida Department of Law Enforcement» hervorgeht. Zudem speichert Apple die Mobilnummer beziehungsweise Adresse von Absender und möglichen Empfänger («Lookup Handle») – sowie die Zahl der Geräte, die mit der Empfängeradresse verknüpft sind.

Ein Ausschnitt aus dem «The Intercept» zugespielten Dokument

Problematisch: Apple speichert auch die IP-Adresse der iMessage-Nutzer, wodurch eine örtliche Zuordnung der iPhone-Nutzer möglich ist.
Problematisch: Apple speichert auch die IP-Adresse der iMessage-Nutzer, wodurch eine örtliche Zuordnung der iPhone-Nutzer möglich ist.bild: the intercept

Apple betonte in einer Stellungnahme, dass der Konzern aufgrund der Programmierung von iMessage keinerlei Einblick in die Inhalte habe und daher diese auch nicht weitergeben könne. Aus den Metadaten gehe nicht hervor, ob tatsächlich eine Konversation (Chat) stattgefunden habe.

Dass dies keineswegs beruhigend ist, zeigen die von watson veröffentlichten Metadaten des Schweizer Politikers Balthasar Glättli. Sie erlaubten uns, mit seiner Einwilligung, ein genaues Bewegungsprofil des Grünen-Politikers zu erstellen, da auch Schweizer Telekom-Firmen die Metadaten der Handy-Nutzung aller Bürger sechs Monate speichern müssen. Diese Daten werden auch hierzulande per richterlichem Beschluss der Polizei übergeben.

Zweifel an iMessage

Apple wird immer wieder dafür gelobt, dass es wie Threema, WhatsApp und neuerdings auch der Facebook Messenger auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzt, so dass weder Polizei noch Kriminelle Gespräche mitlesen können. Die Implementierung dieser Verschlüsselung bleibt aber Apples Geheimnis und ist daher nicht unabhängig überprüfbar. Schwachstellen in der Verschlüsselung können also, wie immer bei Software, nicht ausgeschlossen werden.

Edward Snowden und zahlreiche Datenschützer empfehlen daher allen, die sicherstellen wollen, dass ihre Konversationen wirklich privat bleiben, auf die Open-Source-Alternative Signal zu setzen.

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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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swissda
29.09.2016 14:52registriert März 2014
Watson, das könnt ihr besser. Dieser Titel ist nichts anderes als Rufschänderei und ist völlig übertrieben (und sowas als Push-Ben.).
Es werden alle Kontaktdaten derer gespeichert, die man im "Senden an"-Feld eingibt. Hier muss Apple prüfen, ob die gegenseitige Telefonnummer iMessage-fähig oder nicht. Und diese Daten können auf richterlichen Beschluss ausgelesen werden. Da damit aber keinesfalls Rückschlüsse auf einen tatsächlichen Kontakt möglich ist, hat es von Gesetztes Wegen keine grosse Relevanz.
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