DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ist iMessage sicher? Nicht ganz. Apple speichert Metadaten und liefert sie der Polizei ab

Doch nicht so sicher wie behauptet: Die Chat-App iMessage für das iPhone speichert heikle Nutzerdaten, die von Apple auf richterlichen Antrag weitergegeben werden. Ein geleaktes Dokument soll dies beweisen. 



Apple verspricht, dass deine iMessage-Nachrichten sicher sind und nur von dir und deinen Freunden gelesen werden können. Eigentlich stimmt das, aber halt nur eigentlich, wie ein geleaktes Dokument zeigt. 

2013 sagte Apple:

«Wir speichern keine Daten, die den Standort unserer Kunden verraten.»

Was stimmt, ist, dass weder Apple noch die Polizei oder der Geheimdienst die verschlüsselten iMessage-Nachrichten mitlesen können – vorausgesetzt, es ist keine Hintertüre in iOS versteckt und kein Trojaner auf dem iPhone installiert.

Was definitiv nicht stimmt, ist, dass weder Apple, die Polizei oder Geheimdienste deine iMessage-Metadaten in die Hände kriegen. Metadaten speichern, wer wann mit wem wie lange von wo aus telefoniert oder geschrieben hat. Mit solchen Metadaten kann ein Bewegungs-, Beziehungs- und Persönlichkeitsprofil jedes iPhone-Nutzers erstellt werden. 

«Eine Liste mit Menschen, mit denen du dich über iMessage unterhältst, kann genau so heikel sein wie deine Nachrichten mit diesen Personen.»

The Intercept

Ein Apple-internes Dokument, dass der Enthüllungsplattform The Intercept zugespielt worden ist, beweist, dass Apples iMessage solche Metadaten für 30 Tage speichert – mit entsprechender richterlicher Anordnung auch länger. Dies hat Apple auf Anfrage von The Intercept bestätigt. 

Die Daten werden, wenn ein Gerichtsbeschluss vorliegt, der Polizei übergeben. In der Praxis könnten die Strafverfolger mehrere 30-tägige Aufzeichnungen aneinanderreihen, um ein langfristiges Profil der überwachten Person zu erstellen, schreibt The Intercept.

Das nun geleakte Dokument ist offenbar eine interne Anweisung an die Mitglieder einer US-Strafverfolgungsbehörde.

heise.de fasst zusammen

Zu den von Apple gesicherten Metadaten gehören der Zeitpunkt und die IP-Adresse des anfragenden Gerätes, wie aus einem von The Intercept veröffentlichten Dokument des «Florida Department of Law Enforcement» hervorgeht. Zudem speichert Apple die Mobilnummer beziehungsweise Adresse von Absender und möglichen Empfänger («Lookup Handle») – sowie die Zahl der Geräte, die mit der Empfängeradresse verknüpft sind.

Ein Ausschnitt aus dem «The Intercept» zugespielten Dokument

Bild

Problematisch: Apple speichert auch die IP-Adresse der iMessage-Nutzer, wodurch eine örtliche Zuordnung der iPhone-Nutzer möglich ist. bild: the intercept

Apple betonte in einer Stellungnahme, dass der Konzern aufgrund der Programmierung von iMessage keinerlei Einblick in die Inhalte habe und daher diese auch nicht weitergeben könne. Aus den Metadaten gehe nicht hervor, ob tatsächlich eine Konversation (Chat) stattgefunden habe.

Dass dies keineswegs beruhigend ist, zeigen die von watson veröffentlichten Metadaten des Schweizer Politikers Balthasar Glättli. Sie erlaubten uns, mit seiner Einwilligung, ein genaues Bewegungsprofil des Grünen-Politikers zu erstellen, da auch Schweizer Telekom-Firmen die Metadaten der Handy-Nutzung aller Bürger sechs Monate speichern müssen. Diese Daten werden auch hierzulande per richterlichem Beschluss der Polizei übergeben.

Zweifel an iMessage

Apple wird immer wieder dafür gelobt, dass es wie Threema, WhatsApp und neuerdings auch der Facebook Messenger auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzt, so dass weder Polizei noch Kriminelle Gespräche mitlesen können. Die Implementierung dieser Verschlüsselung bleibt aber Apples Geheimnis und ist daher nicht unabhängig überprüfbar. Schwachstellen in der Verschlüsselung können also, wie immer bei Software, nicht ausgeschlossen werden.

Edward Snowden und zahlreiche Datenschützer empfehlen daher allen, die sicherstellen wollen, dass ihre Konversationen wirklich privat bleiben, auf die Open-Source-Alternative Signal zu setzen.

Apple vs. FBI

Gegen den Willen von Apple: FBI knackt iPhone von San-Bernardino-Attentäter

Link zum Artikel

Warum eiert der Microsoft-Gründer herum und fällt Apple in den Rücken?

Link zum Artikel

Apple vs FBI: Jetzt schalten sich die Chefs von Google und WhatsApp ein (und Trump auch) 

Link zum Artikel

Apple wehrt sich gegen US-Regierung: «Sie haben uns gebeten, eine Hintertür zum iPhone zu entwickeln»

Link zum Artikel

Darum muss Apple für eine starke Verschlüsselung kämpfen

Link zum Artikel

Ist der Apple faul geworden – oder verhindern Tim Cook & Co. einen Big-Brother-Staat?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

So werden wir von Apple, Google und dem eigenen Staat überwacht

Das iPhone verfolgt jeden Schritt von dir. So stoppst du die Handy-Überwachung

Link zum Artikel

Was der Staat von Ihrem Smartphone will. Und wann. Und weshalb.

Link zum Artikel

Faszinierend. Google weiss, was Sie letzten Sommer getan haben. Minute für Minute, Ort für Ort. Kein Grund zur Panik. So stoppt man die Handy-Überwachung

Link zum Artikel

Wo war Herr Glättli die letzten sechs Monate? Minute für Minute, Ort für Ort? Swisscom oder Sunrise wissen es, Sie wissen es jetzt – und der Staat kann es jederzeit wissen

Link zum Artikel

20 nervige Sprüche, mit denen Apple-Fanatiker ihre Mitmenschen zur Verzweiflung bringen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Threema ist das neue WhatsApp – und schlägt die Konkurrenz um Längen

Wer hätte gedacht, dass die weltbeste Messenger-App nicht aus dem Silicon Valley kommen würde, sondern vom Zürichsee. Eine persönliche Analyse.

Seit acht Jahren befasse ich mich mit dem sicheren Schweizer Messenger Threema. Den ersten Artikel dazu publizierte ich im Dezember 2012. Titel: «Die Schweizer Antwort auf WhatsApp». Die damalige erste App gab's nur fürs iPhone, und sie war zum Start gratis. Im Interview versprach der Entwickler, Manuel Kasper, die baldige Veröffentlichung einer von vielen Usern geforderten Android-Version. Und:

Er hielt Wort. Im Gegensatz zu WhatsApp.

Einige dürften sich erinnern, dass es ein gleiches …

Artikel lesen
Link zum Artikel