DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ist Apples überraschende Aktion mehr als ein gelungener «PR-Stunt»?
Ist Apples überraschende Aktion mehr als ein gelungener «PR-Stunt»?Bild: Apple

Apple lässt User ihre iPhones und Macs in Zukunft selbst reparieren – das steckt dahinter

Das Unternehmen plant, mit dem Verkauf von Ersatzteilen und Spezialwerkzeugen zu beginnen und Anleitungen zur Reparatur von Apple-Produkten zu Hause anzubieten.
18.11.2021, 09:0418.11.2021, 13:15

Apple wird künftig den Zugang zu Original-Ersatzteilen nicht mehr so stark begrenzen wie bisher. Der US-Konzern kündigte am Mittwoch ein Programm zur Self-Service-Reparatur an. Dieser Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen.

Mit diesem überraschenden Schritt würden viele der Argumente entkräftet, die Apple und andere Unternehmen bislang gegen das Recht auf Reparatur («Right to repair») vorgebracht hätten, kommentierte Elizabeth Chamberlain, Direktorin für Nachhaltigkeit bei der Reparatur-Firma iFixit.

Für welche iPhones gibts welche Ersatzteile?

Im ersten Schritt können Besitzer eines iPhone 12 und iPhone 13 die wichtigsten Ersatzteile – nämlich Akku, Bildschirm und Kameramodul – direkt von Apple beziehen und auf eigene Faust austauschen. Zuvor hatten nur die rund 5000 autorisierten Service-Provider und 2800 unabhängige Reparaturanbieter Zugriff auf Original-Teile.

Was kostet es?

Die Preise für die Original-Ersatzteile und Werkzeuge gab Apple erwartungsgemäss noch nicht bekannt. Diese dürften zum Start des Programms kommuniziert werden.

Wo und wann wird das Programm lanciert?

Die Self-Service-Reparatur wird Anfang 2022 in den USA angeboten und soll im Laufe des Jahres 2022 auf weitere Länder ausgeweitet werden.

Ein genaues Startdatum für Europa konnte Apple am Mittwoch allerdings noch nicht nennen.

Was ist mit anderer Apple-Hardware?

Das Self-Service-Reparatur-Programm soll später auch für Mac-Computer mit einem M1 Chip verfügbar sein.

Bild: Apple

Apple plant, insgesamt «mehr als 200 Einzelteile und Werkzeuge» auch an Privatpersonen zu verkaufen. Und es sollen auch Reparaturhandbücher erhältlich sein.

Warum tut Apple das?

Apple reagiert damit zum einen auf Kundenwünsche und Forderungen von Konsumentenschützern. Es gab aber auch in der Politik kartellrechtliche Vorbehalte, die das System mit nur vergleichsweise wenigen Partner-Werkstätten in der Vergangenheit hervorgerufen hatte.

So wurde in manchen US-Bundesstaaten inklusive der Apple-Heimat Kalifornien ein «Recht auf Reparatur» samt Zugang zu Original-Ersatzteilen gefordert. Vor einem Jahr sprach sich das Europäische Parlament ebenfalls für ein «Recht auf Reparatur» aus, auch mit dem Ziel, die Nutzungszeiten von Smartphones zu verlängern.

Was beinhaltet das neue Apple-Programm?

Das neue Apple-Programm zur Self-Service-Reparatur umfasst nicht nur Ersatzteile, die den privaten Kunden zu gleichen Preisen wie den Profi-Werkstätten zur Verfügung gestellt werden sollen. Apple wird künftig auch den Zugang zu Spezialwerkzeug und Reparaturanleitungen ermöglichen, der bislang den lizenzierten Werkstätten vorbehalten war. Ein neuer Store werde mehr als 200 Einzelteile und Werkzeuge für die gängigsten Reparaturen anbieten.

Jeff Williams, Chief Operating Officer von Apple, sagte, in den vergangenen drei Jahren habe Apple die Anzahl der Standorte für Reparaturen mit Zugang zu Apple-Originalteilen, Werkzeugen und Schulungen fast verdoppelt. «Jetzt bieten wir eine Option für diejenigen, die ihre Reparaturen selbst durchführen möchten.»

Wo ist der Haken?

Die unabhängigen Reparatur-Experten des US-Unternehmens iFixit kommentierten begeistert:

«Wir hätten nie gedacht, dass dieser Tag kommt: Apple wird ab nächstem Jahr Teile, Werkzeuge und Software für Heimwerker anbieten. Es gibt ein paar Haken, aber wir sind begeistert, dass Apple zugibt, was wir schon immer wussten: Jeder ist ein Genie genug, um ein iPhone zu reparieren.»
quelle: ifixit.com

Geräte wie das aktuelle iPhone 13 lassen sich allerdings von Laien nicht so einfach reparieren wie beispielsweise die Modelle des niederländischen Herstellers Fairphone, bei dem für den Akkutausch nicht einmal ein Schraubendreher benötigt wird. Apple erklärte, die Self-Service-Reparatur richte sich «an technikversierte Personen, die über das Wissen und die Erfahrung zur Reparatur von elektronischen Geräten verfügen».

Für die überwiegende Mehrheit der Kundinnen und Kunden sei der Besuch eines professionellen Dienstleisters mit zertifizierten Technikern, die Apple-Originalteile verwenden, der sicherste und zuverlässigste Weg, um eine Reparatur durchzuführen.

Das sagt der unabhängige Reparatur-Fachmann und bekannte YouTuber Louis Rossmann:

Sein vorläufiges Fazit: Ob Apple damit mehr als ein PR-Stunt gelungen sei, müsse sich erst noch zeigen. Unter anderem seien wichtige Details noch nicht bekannt. Etwa, welche Original-Ersatzteile für welche Hardware-Modelle zu welchen Preisen erhältlich sein werden.Video: YouTube/Louis Rossmann

Quellen

(dsc/sda/awp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Wie Apple Geschichte schrieb

1 / 25
Wie Apple Geschichte schrieb
quelle: ap/ap / marcio jose sanchez
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Es gibt nichts, was diese Rentner nicht reparieren können

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

CEO Sabrina Soussan: «Das ist nicht Diskriminierung, das sind Vorurteile»
Sabrina Soussan (52), Chefin des weltweit tätigen Schweizer Schlüsselkonzerns Dormakaba, über ihre Karriere als Frau in einer Männerwelt, automatische Türen, ihre neuen Deals mit Apple und Alibaba – und ihr Hobby, das schnelle Autofahren.

Die grosse Halle mit dem fabriktypischen Sheddach ist praktisch leer, nicht nur wegen Corona. Es ist vielmehr auch ein Sinnbild für das Geschäft des weltweit tätigen Schweizer Schliesstechnikkonzerns Dormakaba, das sich in den letzten Jahren radikal verändert hat – weg vom traditionellen Metallschlüssel hin zu digitalen Zugangssystemen. Nun soll die Halle in Rümlang ZH wieder mit Leben gefüllt werden. So will es die neue Konzernchefin Sabrina Soussan. Die Deutsch-Französin hat das Zepter bei Dormakaba im April übernommen und wurde damit zu einer der mächtigsten Frauen der Schweizer Industrie.

Zur Story