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VW ID. Polo: Warum dieses kleine Elektroauto zum Hit wird

Typische Formen: Der ID. Polo ähnelt seinem Verbrennerbruder.
Typische Formen: Der ID. Polo ähnelt seinem Verbrennerbruder.bild: vw

Mit diesem E-Auto will Volkswagen durchstarten

VW muss dem Thema E-Mobilität neuen Schwung geben. Nun haben die Deutschen ihr bislang kleinstes und günstigstes E-Auto vollständig enthüllt. Der ID. Polo soll als Einstiegsmodell eine breitere Akzeptanz finden.
29.04.2026, 12:4629.04.2026, 13:34
Christopher Clausen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Vor rund drei Jahren zeigte Volkswagen mit der Studie ID.2all, wie ein elektrischer Kleinwagen für rund 25'000 Euro aussehen könnte. Seitdem ist viel Wasser den Mittellandkanal am VW-Werk in Wolfsburg vorbeigeflossen – und der Konzern hat seine Nomenklatur neu sortiert: Aus der Studie mit dem etwas sperrigen Namen wird der Serienname ID. Polo – und damit ein Elektroauto, das eine zentrale Lücke im Programm schliessen soll.

Denn bislang fehlte ein vergleichsweise günstiger Einstieg in die Elektromobilität im Angebot, der ID.3 (künftig ID.3 Neo) startet ohne Rabatte bei mehr als 30'000 Franken. Der ID. Polo soll deutlich darunter liegen. Zum Marktstart nennt Volkswagen einen Einstiegspreis von 24'900 Franken.

Der ID. Polo ist 4,05 Meter lang. Die Preise beginnen bei rund 25'000 Franken.
Der ID. Polo ist 4,05 Meter lang. Die Preise beginnen bei rund 25'000 Franken.bild: vw

Optisch orientiert sich das Modell stark an der Studie aus dem Jahr 2023 und zeigt klarere Linien als noch ID. 3, 4, 5 oder 7. Die neue Designsprache setzt auf reduzierte Flächen, eine gerade Fensterlinie, ein markantes Leuchtenband am Heck und bekannte Proportionen. Elemente wie die typische breite C-Säule greifen Formen klassischer VW-Modelle auf.

Das Heck mit seinem Leuchtenband ist gut geraten; der untere Bereich ist mit unlackiertem Kunststoff beplankt.
Das Heck mit seinem Leuchtenband ist gut geraten; der untere Bereich ist mit unlackiertem Kunststoff beplankt.bild: vw

Der ID. Polo bleibt damit als VW erkennbar, wirkt aber zugleich moderner. Technisch basiert er auf der weiterentwickelten Elektroplattform MEB+ und setzt – anders als die bisherigen ID-Modelle – auf Frontantrieb. Das vereinfacht die Technik und spart Bauraum, vor allem im Heck.

Mehr Tasten im Innenraum – und mehr Wohlgefühl

Klar gestaltet: Cockpit mit Knöpfen für wichtige Funktionen und mit Stoff bezogenen Oberflächen.
Klar gestaltet: Cockpit mit Knöpfen für wichtige Funktionen und mit Stoff bezogenen Oberflächen.bild: vw

Im Innenraum fällt vor allem auf, was wieder da ist: Volkswagen kombiniert digitale Anzeigen mit klassischen Bedienelementen: einer separaten, einfach bedienbaren Tastenleiste für die Klimasteuerung, einem zentralen Drehregler für die Lautstärke und klar definierten, haptischen Knöpfen am Lenkrad. Die Instrumente bestehen aus einem 10-Zoll-Display hinter dem Lenkrad und einem zentralen Infotainment-Bildschirm mit 13 Zoll. Damit reagiert der Hersteller auch auf Kritik an früheren ID-Modellen, bei denen viele Funktionen ausschliesslich über Schaltflächen auf den Touchscreens gesteuert wurden.

Auf Knopfdruck zeigt das Fahrerdisplay ein nostalgisches Design, das an die Rundinstrumente der ersten VW Golf-Generation erinnert.
Auf Knopfdruck zeigt das Fahrerdisplay ein nostalgisches Design, das an die Rundinstrumente der ersten VW Golf-Generation erinnert.bild: vw

Auch bei den Materialien geht VW einen anderen Weg als zuletzt. Der Armaturenträger ist in Teilen mit Stoff bezogen, ebenso die Türtafeln – und zwar nicht nur vorn, sondern auch im Fond (zumindest bei der Topversion). Das schafft einen harmonischen Eindruck im Innenraum. Ergänzt wird er durch eine klar horizontale Gestaltung und eine aufgeräumte Mittelkonsole mit Smartphone-Ablage, induktivem Laden und klassischen Cupholdern.

Viel Platz auf begrenztem Raum

Platzangebot hinten: Auch grössere Passagiere sitzen angenehm; die Türtafeln hinten sind nur in der Topausstattung mit Stoff bezogen.
Platzangebot hinten: Auch grössere Passagiere sitzen angenehm; die Türtafeln hinten sind nur in der Topausstattung mit Stoff bezogen.bild: vw

Beim Raumangebot nutzt der ID. Polo die Vorteile des Elektroantriebs konsequent. Mit 4,05 Metern Länge entspricht er in etwa dem aktuellen Polo mit Verbrennungsmotor, bietet aber durch den längeren Radstand und die kompakte Antriebseinheit mehr Platz im Innenraum.

Gerade im Fond zeigt sich das: Selbst bei einer auf grössere Fahrer eingestellten Sitzposition bleibt dem Redakteur (1,86 Meter gross) ausreichend Knieraum, zudem lassen sich die Füsse unter die Vordersitze schieben – ein Detail, das nicht bei allen Elektroautos selbstverständlich ist.

Tief: Unter dem (ab der mittleren Ausstattung verstellbaren) Ladeboden ist Platz für zwei Kisten Wasser, wenn kein Subwoofer des Soundsystems eingebaut ist.
Tief: Unter dem (ab der mittleren Ausstattung verstellbaren) Ladeboden ist Platz für zwei Kisten Wasser, wenn kein Subwoofer des Soundsystems eingebaut ist.bild: vw

Der Gepäckraum fasst 441 Liter. Entscheidend ist dabei weniger der reine Wert als die Bauform: Der Laderaum ist vergleichsweise tief ausgeführt. In den höheren Ausstattungslinien gibt es einen variablen Ladeboden, unter dem sich eine ausgeprägte Wanne befindet. Sie lässt sich praktisch nutzen, etwa für Getränkekästen oder kleinere Gepäckstücke, die getrennt verstaut werden sollen. Möglich wird diese Bauweise durch den Frontantrieb, der im Heck auf zusätzliche Antriebskomponenten verzichtet.

Kleine Detailunterschiede bei der Basis

Zum Marktstart bietet Volkswagen die Ausstattungslinien «Trend», «Life» und «Style» an. Bereits die Basis weist unter anderem das digitale Cockpit, ein Infotainmentsystem und zentrale Assistenzsysteme auf. Die mittlere Linie bringt Komfortfunktionen wie induktives Laden, erweiterte Assistenzsysteme und zusätzliche Ablagen mit. In der Topversion kommen unter anderem Matrix-LED-Scheinwerfer, erweiterte Ambientebeleuchtung und weitere Komfortfeatures hinzu. Ein sportliches Topmodell als ID. Polo GTI ist ebenfalls angekündigt.

Optional ist ein Glasdach erhältlich.
Optional ist ein Glasdach erhältlich.bild: vw

Interessant an der Basisvariante: Die Kofferraumwanne ist hier nicht ausgekleidet. Ein zusätzliches Organisationsmodul für den Stauraum aus dem Zubehörshop kann daher sinnvoll sein.

Auch Sitz- und Lenkradheizung sind in der Basis nicht serienmässig. Die Technik ist jedoch bereits verbaut. Volkswagen setzt hier auf ein nachträgliches Freischalten per Aufpreis – ein Ansatz, der Kosten in der Produktion senken soll und gleichzeitig Spielraum bei der Konfiguration lässt.

Technisch bringt der ID. Polo mehrere Funktionen mit, die bislang eher höheren Klassen vorbehalten waren. Dazu zählt ein digitaler Fahrzeugschlüssel fürs Smartphone ebenso wie der «Connected Travel Assist», der neben Spur- und Abstandsführung auch auf rote Ampeln reagieren kann und das Fahrzeug selbstständig verzögert. Hinzu kommt das sogenannte One-Pedal-Driving, bei dem das Fahrzeug über die Rekuperation bis zum Stillstand abbremst.

Zwei Batterien, drei Leistungsstufen

Ausreichend für einen Kleinwagen: Die Reichweite liegt je nach Version bei 329 bis 455 Kilometern.
Ausreichend für einen Kleinwagen: Die Reichweite liegt je nach Version bei 329 bis 455 Kilometern.bild: vw

Beim Antrieb stehen zum Start drei Leistungsstufen zur Wahl: 85, 99 und 155 kW, also 116, 135 und 211 PS. Sie sind jeweils mit zwei unterschiedlichen Batteriekonzepten kombiniert. Die Basisversionen nutzen eine 37-kWh-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP). Diese gilt als robuster und kostengünstiger, hat aber eine geringere Energiedichte. Die stärkeren Varianten setzen auf eine 52-kWh-Batterie mit Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen (NMC), die mehr Energie speichern kann und so höhere Reichweiten ermöglicht.

Die Reichweite liegt je nach Version bei 329 bis 455 Kilometern. Den Verbrauch gibt VW mit 14,6 kWh/100 km an. Geladen wird serienmässig auch an Schnellladesäulen: mit bis zu 90 kW bei der kleineren und bis zu 105 kW bei der grösseren Batterie. Ein Ladestopp von 10 auf 80 Prozent dauert damit rund 24 bis 27 Minuten.

Erste Auslieferungen sind ab Spätsommer 2026 bei Schweizer Händlern geplant.
Erste Auslieferungen sind ab Spätsommer 2026 bei Schweizer Händlern geplant. bild: vw

Preis und Marktstart

Zwar soll die Basis bei knapp 25'000 Franken starten, das Fahrzeug auf den Fotos kostet mit Matrix-LED-Scheinwerfern, «Life»-Ausstattung, Alufelgen und grosser Batterie aber schon 35'400 Franken (ohne Rabatt). Der Vorverkauf beginnt Ende April 2026. Erste Auslieferungen sind ab Spätsommer 2026 bei Schweizer Händlern geplant.

Einschätzung des Redakteurs

Design, Technik, Bedienbarkeit: VW liefert wieder ab. Die Rückkehr zu Gewohntem zahlt sich aus, der ID. Polo wirkt im Gesamtpaket deutlich harmonischer als die bisherigen Elektromodelle der Marke wie ID.3, ID.4 oder ID.5. Ein Schnäppchen ist der Kleinwagen dennoch nicht. Konkurrenten wie der kleinere Renault 5 oder der Citroën e-C3 bewegen sich in einem ähnlichen preislichen Rahmen.

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