Digital
Digital-News

Netflix verliert dank «Stranger Things» weniger Kunden als erwartet

Digital-News

Netflix verliert erneut Kunden – doch eine Serie hält den Schaden in Grenzen

20.07.2022, 08:00
Mehr «Digital»

Netflix hat im zweiten Quartal dank Serienhits wie «Stranger Things» nicht so schlecht wie befürchtet abgeschnitten. Die Nutzerzahlen sanken in den drei Monaten bis Ende Juni um 970'000 Bezahlabos, wie der Streaming-Marktführer am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte.

This image released by Netflix shows, from left, Millie Bobby Brown as Eleven, Noah Schnapp as Will Byers, Finn Wolfhard as Mike Wheeler, Charlie Heaton as Jonathan Byers, and Eduardo Franco as Argyle ...
Die Serie Stranger Things war für Netflix ein Grosserfolg.Bild: keystone

Damit hielt der Kundenschwund zwar an, blieb aber unter dem von Netflix selbst erwarteten Minus von zwei Millionen Abos. Insgesamt lag die Zahl der bezahlten Nutzerkonten des Video-Dienstes weltweit zur Jahreshälfte bei knapp 221 Millionen.

Der Ausblick bleibt jedoch verhalten. Für das laufende Vierteljahr rechnet Netflix lediglich mit rund einer Million neuen Nutzern. Hier hatten Analysten mehr erwartet. Der Umsatz legte im abgelaufenen Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8.6 Prozent auf 8.0 Milliarden Dollar zu. Unterm Strich verdiente Netflix 1.44 Milliarden Dollar, vor einem Jahr waren es 1.35 Milliarden gewesen. Das Betriebsergebnis sank jedoch um 15 Prozent auf 1.6 Milliarden Dollar.

Punkten konnte Netflix im jüngsten Quartal besonders mit «Stranger Things». Die vierte Staffel der Serie war die beliebteste, die der Streaming-Dienst nach eigenen Angaben je ausgestrahlt hat – zumindest in englischer Sprache. Dennoch tat sich das Unternehmen gerade in seinen etablierten und von verschärfter Konkurrenz durch Rivalen wie Disney oder HBO geprägten Märkten schwer. In den USA und Kanada verlor Netflix 1.3 Millionen Kunden. Dafür gab es in der Asien-Pazifik-Region – auch dank Preissenkungen in Indien – gute Zuwächse.

Aktie reagierte mit Kurssprung

Bei Anlegern kam der Quartalsbericht gut an, die Aktie reagierte nachbörslich mit einem Kurssprung um rund acht Prozent. Doch auch wenn der zuletzt strauchelnde Streaming-Service seine Aktionäre mit der Aussicht auf eine Rückkehr zum Nutzerwachstum erfreute, bleiben für Konzernchef Reed Hastings viele Baustellen. Nach dem schwachen ersten Halbjahr steht bei Netflix vieles auf dem Prüfstand, auch langjährigen Traditionen. So brachte der Video-Dienst bei den jüngsten Staffeln seiner Hit-Serien «Stranger Things» und «Ozark» nicht mehr wie früher üblich alle Folgen auf einmal heraus.

Auch bei einem noch grösseren Tabu hat Hastings bereits klein beigegeben: Angesichts der schwachen Entwicklung der Nutzerzahlen wird Netflix eine günstigere Version seines Streaming-Dienstes mit Werbeclips anbieten. Eigentlich hatte Hastings diese Strategie stets abgelehnt. Als Tech-Partner für die Entwicklung eines solchen Modells wählte Netflix jüngst den Software-Riesen Microsoft. Die Werbevariante soll voraussichtlich Anfang 2023 anlaufen, zunächst in «einer Handvoll von Märkten». Zudem will Netflix bald anfangen, konsequent gegen unerlaubtes Teilen von Passwörtern vorzugehen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
15 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Swen Goldpreis
20.07.2022 08:24registriert April 2019
Mich nerven an Netflix aktuell drei Dinge:

1. Immer wieder werden Serien mitten in der Geschichte abgesetzt. Meistens mit einem massiven Cliffhanger. Als Zuschauer nervt mich das massiv. Wenn ihr nicht sicher seid, schliesst am Staffelende wenigstens ein paar Handlungsstränge ab.

2. Die Woke-Ideologisierung. Nichts gegen Schwule, Transsexuelle oder ethnische Minderheiten. Aber bitte nicht nur zum Selbstzweck. Ich fühle mich inzwischen wie im DDR-Fernsehen, wo das Ziel die politische Schulung der Massen war.

3. Das Gejammer über das Teilen von Konten. Seid nicht so gierig, Leute!
638
Melden
Zum Kommentar
avatar
paddyh
20.07.2022 08:48registriert Januar 2016
Capitalism, a love story. Schon krass, wie sich eine Industrie selber demoliert, wegen ihrer Gier. Ich sehe nicht ein, wieso ich immer mehr für immer schlechteren Service bezahlen soll.
361
Melden
Zum Kommentar
avatar
Mrs. Bonsai
20.07.2022 11:51registriert Februar 2014
Die einzige Lösung ist halt, einen Monat Netflix, dann wieder einen anderen Anbieter und in der jeweiligen Zeit, die gewünschten Serien streamen.
220
Melden
Zum Kommentar
15
Netflix erhöht die Preise in der Schweiz – und zwar nicht nur «es bitzli»
Netflix feiert in der Schweiz sein 10-jähriges Bestehen. Um diesen Erfolg zu feiern, hat der Streaming-Gigant beschlossen, die Preise für seine drei Abonnements massiv zu erhöhen: bis zu 12 Prozent, und um 8 Prozent für das billigste.

Das teuerste Netflix-Abo ist nicht teuer genug: Der Marktführer und bereits teuerste Streaming-Anbieter der Schweiz erhöht erneut seine Preise – um bis zu 12 Prozent, wie der Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch am Mittwoch berichtete.

Zur Story