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This photo provided by Nest Labs shows the Nest Cam IQ. Nest Labs is adding Google's facial recognition technology to a high-resolution security camera that will provide a glimpse at the potential for increasingly intelligent, internet-connected computers to see and understand everything going on in people's homes. (Nest Labs via AP)

Was zeichnet der Thermostat «Google Nest» alles auf? Bild: AP/Nest Labs

Der Spion in deinem Haushaltsgerät

Sie wissen, wann wir schlafen, wann wir aufstehen, was wir essen, wie warm wir unser Badewasser haben möchten. Intelligente Haushaltshilfen erleichtern unser Leben. Doch was zeichnen die Geräte eigentlich alles auf?

adrian lobe / ch media



Eine runde weisse Box, ein paar Knöpfe – auf den ersten Blick sieht «Google Nest» aus wie ein Rauchmelder. Doch unter der Haube steckt ein Hochleistungsrechner. Der smarte Thermostat ermittelt anhand von Sensoren, wann die Bewohner den Raum verlassen, und reguliert die Wohnung auf Wohlfühltemperatur. Was Google bislang verschwieg: Im Gerät ist auch ein Mikrofon integriert.

Eine der eher weniger beachteten Folgen der Digitalisierung ist, dass der Mensch im Alltag nicht nur von Kameras, sondern auch von jeder Menge Mikrofonen umgeben ist. Im Smartphone ist ebenso eines integriert wie in manchen Autos, Backöfen, Geschirrspülern, Fernsehgeräten oder Ventilatoren, die sich per Sprachsteuerung bedienen lassen. Mit Amazons Sprachassistentin Alexa können Nutzer sogar Wasser in die Badewanne einlassen. Die digitalen Diener gehorchen per Zuruf. Das mag bequem sein. Doch wie Kameras bergen auch Mikrofone Risiken für die Privatsphäre.

Seit Jahren halten sich Gerüchte, dass Facebook auf das Handymikrofon zugreift und heimlich Gespräche mitschneidet – was der Konzern dementiert. Gleichwohl: Solche Abhörpraktiken wären nicht überraschend. Laut der «New York Times» aktivieren über 250 Spiele-Apps wie «Beer Pong: Trickshot» oder «Honey Quest» das Mikrofon in Smartphones, um herauszufinden, welche TV-Werbespots die Nutzer gerade sehen. Diese heimlich gewonnene Information werde genutzt, um passgenaue Werbung auf dem Smartphone auszuspielen.

Amazon hilft bei Mordaufklärung

Amazon drängt mit seiner Sprachassistentin Alexa auch in Autos. Vor wenigen Monaten hat der Onlinehändler ein Gerät (Echo Auto) auf den Markt gebracht, mit dem sich per Sprachsteuerung Stauinformationen abrufen oder Musiktitel abspielen lassen.

Echo Auto verfügt über acht Fernfeldmikrofone, die die Stimme des Fahrers auch bei einem laufenden Gebläse oder Strassenlärm hören. Die Frage ist: Was hört der Assistent sonst noch alles? Die Polizei im US-Bundesstaat Arkansas verlangte von Amazon in einem mysteriösen Mordfall die Herausgabe von Audiodateien, weil der Netzwerklautsprecher Echo möglicherweise Geräusche am Tatort aufgezeichnet hatte.

Auch unter freiem Himmel gibt es zahlreiche Mikrofone. In US-Städten werden im Boden und auf Hausdächern sogenannte Shot-Spotter installiert, die Schüsse lokalisieren und automatisch die Polizei alarmieren. Fällt ein Schuss, kann der Schall verortet werden.

Die Stimme ist wie der Fingerabdruck oder das Gesicht ein einzigartiges biometrisches Merkmal. Und anders als das Gesicht verändert sie sich kaum. Stimmen bleiben trotz Veränderungen wie Stimmbandlänge und Kehlkopfgrösse über Jahrzehnte gleich. Und im Gegensatz zur DNA können stimmbiometrische Daten geräuschlos und aus der Ferne erhoben werden. Das macht Stimmerkennung zu einem interessanten Überwachungswerkzeug für Ermittler.

Die Investigativ-Plattform The Intercept enthüllte, dass die NSA vor zehn Jahren eine Software entwickelte, die Millionen von Audiodateien scannte und in den Aufzeichnungen Stimmen Terrorverdächtigen zuordnen konnte. Das Programm war sogar in der Lage, verstellte Stimmen zu erkennen. Es gibt KI-Systeme, die erkennen, ob jemand mit vollem Mund spricht.

Am Moskauer Flughafen Domodedowo kommt laut der Nachrichtenagentur AP seit 2015 ein Stimmerkennungssystem zum Einsatz, das aufgrund von Veränderungen der Stimme verdächtige Passagiere erkennen soll.

In China gehen die Behörden einen Schritt weiter: Laut einem Bericht von Human Rights Watch erprobt die Polizei in der Provinz Anhui ein System, das Telefongespräche abhört. In einem Fall soll die stimmbiometrische Identifikation geholfen haben, einem Betrüger das Handwerk zu legen.

Im Jahr 2015 hatte die Polizei in Anhui bereits 70'000 Stimmabdrücke gesammelt und zu einer biometrischen Datenbank hinzugefügt. Wo Daten vorhanden sind, besteht immer ein Anreiz, diese abzugreifen. Am Ende könnte es heissen: Wer hat uns verraten? Sprachautomaten.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hardy18 29.04.2019 18:02
    Highlight Highlight Echt Gruselig.
    Ich hoffe die Leute die solch ein Quatsch kaufen müssen, werden auch dafür "belohnt".
  • p4trick 29.04.2019 11:10
    Highlight Highlight Nest Thermostat ist in der Schweiz sowieso praktisch unbrauchbar. In den USA heizen und kühlen die mit Klimageräten, die heisse oder kalte Luft in den Raum blasen. In der Schweiz haben wir genau 2 Systeme: Radiatoren und Fussbodenheizungen. Radiatoren lassen sich nicht zentral regeln, sondern nur direkt am Radiator. Fussbodenheizungen sind so träge, da macht eine "intelligente" Steuerung Null und Nichts Sinn. Auch kann der Nest Thermostat nicht die Vorlauf-Temperatur von Schweizer Zentralheizungen steuern, das geht nur mit richtiger Home Automation :-)
    • Donald 29.04.2019 14:14
      Highlight Highlight https://www.galaxus.ch/de/s2/product/tado-smartes-heizkoerper-thermostat-zussatzprodukt-thermostat-5931217?tagIds=40-1065

      "Problem" gelöst.
    • p4trick 29.04.2019 14:59
      Highlight Highlight @Donald Tado ist eher ein geschlossener Standart. Würde eher auf Homematic Protokoll setzen. Bei mir im Haus regeln Raspberry Pis mit Relais die Ventile der Fussbodenheizung und die Temperaturen werden über Home Assistant überwacht.
      Es geht darum, integrierbare Systeme zu verwenden, die sich mit anderen zu einer gesamten Lösung kombinieren lassen und alle Daten lokal verarbeitet werden können, und nicht zu irgend einer Firma wie Tado oder Nest laufen.
  • Statler 29.04.2019 09:14
    Highlight Highlight Und bei uns erstellen Swisscom und Postfinance Stimmabdrücke (angeblich, um den Anrufer besser identifizieren zu können). Dem kann man zwar widersprechen, aber mir wäre ein Opt-In sympathischer, als ein Opt-Out (wäre Opt-Out nicht eigentlich Pflicht?).
    So kommt mit der Zeit eine schöne Sammlung zusammen und dann wird man immer und überall erkannt, wenn man spricht...
    Das Brummen, das wir grade hören, ist Orwell, der im Grab rotiert...
    • Donald 29.04.2019 14:15
      Highlight Highlight Dies scheint inzwischen nicht mehr aktiv zu sein.
    • Statler 29.04.2019 14:33
      Highlight Highlight Hab grad' kürzlich mit dem Support von Postfinance telefoniert und dabei den entsprechenden Hinweis auf den Stimmabdruck erhalten...
  • Pafeld 29.04.2019 09:06
    Highlight Highlight Öhm, Watson, wenn man nach dem NYT-Artikel sucht (eigentlich eine selbstverständliche Quellenangabe...) und dem Link in den PlayStore folgt, tauchen da nicht nur irgendwelche Billiggames auf, sondern auch prominente Beispiele wie Shazam, Twitch, Netflix etc. Aber auch Systemapps, die man bei diversen Androidgeräten sogar automatisch vorinstalliert hat. Wäre doch einmal ein Artikel wert, um deren Aktivität bei uns abzuklären.
    • @schurt3r 29.04.2019 09:50
      Highlight Highlight Danke für den Input! 👍

      Story-Links sind nun drin.
  • Fredz 29.04.2019 08:54
    Highlight Highlight Die hochgelobte Digitalisierung. Internet der Dinge und weiterer Mist, den man nicht braucht. Eine Fahrkarte zu zeigen dauert heute länger, als früher das Knipsen des Kartonbillets.
    Digitalisierung ist Out. digital detox ist die Zukunft. War ein kurzer Hipe.
  • debs_knows_all 29.04.2019 07:47
    Highlight Highlight Meine pensionierten Nachbarn sind die schlimmsten Spione. Da benötigt es nicht einmal mehr Hightech. Die wissen manchmal schon, dass ich aufs Klo muss bevor ich es weiss. Unglaublich.
  • Arthtur 29.04.2019 07:42
    Highlight Highlight Und wer vor Orwell'schen Zuständen warnt, wird ausgelacht.... ?! Die Regierungen haben selber das grösste Interesse an einer lückenlosen Überwachung. Und dabei geht es nicht um Terrorismusbekämpfung. Wer jetzt noch genau hinschaut und die Verflechtungen der grossen Banken und Industriekonzerne mit den Regierungsministern und deren Abteilungsleitern erkennt, weiss, woher der Wind weht. Wehe uns "freien" Bürgern !
    • Statler 29.04.2019 09:18
      Highlight Highlight Ist ja alles nicht neu. Jedem halbwegs versierten ITler ist das schon längst klar. Aber die wurden (und werden) als paranoid belächelt.

      «Es war ein klarer, kalter Tag im April und die Uhren schlugen gerade dreizehn, als Winston Smith...»
  • Altruide 29.04.2019 06:41
    Highlight Highlight Ich wäre übrigens für eine Mikrofon- und Kamera-Deklarationspflicht der Hersteller von Haushaltsgeräten. Verstösse dagegen sollten mit entsprechend üppigen Bussen geahndet werden.
  • Altruide 29.04.2019 06:33
    Highlight Highlight Welcome in the real life... alles was machbar ist, wird gemacht. Sicher nicht alles im „Bösen“ à la Big Brother, aber auch nicht immer nur zum „Guten“.

    Da lobe ich meine Hauptschalter für einige meiner Hausgeräte wieder. Strom weg - aus die Maus (klar könnten über Akku immer noch Daten sammeln).

    Für was Backofen, Waschmaschine, TV, Thermostat usw. ein Mikrofon brauchen, ist mir immer noch fraglich... 🤨

    Übrigens manchmal interessant einfach auf die hoffentlich vorhandene Firewall zu schauen und den ausgehenden Datenverkehr analysieren - gibt manchmal Überraschungen 😉
    • Madison Pierce 29.04.2019 08:28
      Highlight Highlight Es lohnt sich auch, nicht einfach allen Geräten Internetzugang zu geben. Meine Überwachungskameras zeichnen auf den internen Server auf, also brauchen sie keinen Internetzugang. Ebenso wenig der Drucker, die WLAN-APs, die Switches etc.

      Klar kann man nicht alles sperren. Mit Netflix wird es schwierig, wenn der Fernseher keinen Internetzugang hat... Aber längst nicht alle Geräte benötigen einen Internetzugang.
  • grandvlad 29.04.2019 06:24
    Highlight Highlight Private Überwachung.... Erinnert an DDR irgendwie - müssen wir uns jetzt doch alle vermummen.....
    • Statler 29.04.2019 09:16
      Highlight Highlight Die DDR war ein Kindergeburtstag dagegen...

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