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Bundesraetin Doris Leuthard, Vorsteherin des Eidgenoessischen Departements fuer Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, UVEK, reist mit ihrem Tesla Elektroauto zur Infra- Tagung  im Kultur- und Kongresszentrum Luzern, KKL, an, am Donnerstag, 22. Januar 2015. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Die Schweizer Verkehrsministerin neben «ihrem» Tesla Model S. archivBild: KEYSTONE

Tesla als Dienstwagen? War das wirklich eine gute Idee, Frau Leuthard?

Sie sorgte als «erste Ministerin mit Tesla» für Schlagzeilen. Nun überlässt Bundesrätin Doris Leuthard den Elektro-Dienstwagen ihrer Nachfolgerin. Aber wie war das nochmal mit der Daten- und Betriebssicherheit?



Update: Armasuisse hat auf die Medienanfrage von watson reagiert. Die Antworten sind unten eingefügt.

Bundesrätin Doris Leuthard sorgte 2014 als «erste Ministerin mit Tesla» europaweit für Schlagzeilen.

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screenshot: twitter

Was in der Aufregung um das umweltfreundliche Dienstfahrzeug vergessen ging, waren Fragen zum Datenschutz, bzw. zur Datensicherheit.

Beim Tesla Model S 85, in dem die Spitzenpolitikerin in den letzten vier Jahren unterwegs war und in dem sie wohl auch ziemlich viel Brisantes besprochen hat, handelt es sich quasi um ein Smartphone auf Rädern.

Wie wir nur zu gut wissen, geben Mobilgeräte alle möglichen und unmöglichen Dinge über ihre Nutzer preis. Wie zum Beispiel den genauen Aufenthaltsort.

GPS, Mikrofon, …

Dank NSA-Whistleblower Edward Snowden (2013) ist bekannt, dass US-Geheimdienste wirklich alles hacken, um Freund und Feind auszuspionieren. Also auch Teslas.

Elon Musks Elektroboliden haben werkmässig eine Internetverbindung. Per Mobilfunk übermitteln sie wichtige Betriebsdaten an die Firmen-Server in den USA. Und es gibt Mikrofone im Cockpit ... zwecks Sprachsteuerung.

Leuthards Verkehrsdepartement hatte anlässlich der Übernahme des Tesla erklärt, das Elektroauto entspreche den Vorgaben des Bundes, die an ein offizielles Dienstfahrzeug gestellt werden. Beschafft werden solche Staatslimousinen vom Bundesamt für Rüstung, Armasuisse.

Armasuisse reagierte bislang nicht auf eine Anfrage von watson. Auslöser war ein aktueller Medienbericht aus Basel, der offene datenschutzrechtliche Fragen rund um den Einsatz von Tesla-Polizeiautos enthüllte.

Am Donnerstagabend griff die SRF-Sendung «10 vor 10» die Problematik auf, wichtige Fragen bleiben aber offen.

Da wir zuversichtlich sind, dass die Schweizer Verkehrsministerin Doris Leuthard watson liest, wenden wir uns mit Fragen direkt an die abtretende Magistratin. 

Sehr geehrte Frau Bundesrätin, sind Sie sicher, dass Sie nicht von Ihrem Tesla belauscht werden?

Die Frage, die watson Armasuisse gestellt hat: Ist die Sprachsteuerung im UVEK-Tesla ständig aktiviert, könnten also Gespräche aufgezeichnet und in die USA übermittelt werden?

Dazu muss man wissen, dass der Kommandant der Kantonspolizei Basel-Stadt gestern im «10 vor 10»-Interview sagte, dass der US-Hersteller bei den Basler Polizei-Teslas nicht mithören könne. Seine Begründung: Die Basler Polizei könne die von Tesla eingesetzte SIM-Karte (für die Mobilfunkverbindung) herausnehmen und durch eine eigene SIM-Karte ersetzen. «Und dann bestimmen sowieso wir, wo diese Daten hingehen.»

Bild

screenshot: srf.ch

Die Aussage des Polizeikommandanten wurde im SRF-Bericht nicht kritisch hinterfragt. Und etwas später hiess es:

«Die Sensoren der Hersteller sehen und hören immer mit.»

O-Ton «10 vor 10» quelle: srf.ch

Ja was denn nun? Übermittelt der Tesla Daten, auch nachdem die Hersteller-SIM-Karte ersetzt wurde?

Armasuisse-Sprecher Kaj-Gunnar Sievert schreibt:

«Das Fahrzeug führt keine Sprachaufnahmen durch. Somit werden auch keine Sprachaufnahmen aufgezeichnet und logischerweise auch keine Sprachaufnahmen an Server übermittelt und ausgewertet.»

Ist der Bundesrats-Tesla verkehrssicher?

Dazu muss man wissen, dass die Übermittlung von Betriebsdaten an die Firmen-Server in den USA für die Betriebssicherheit des Fahrzeugs elementar wichtig ist. Tesla Motors schreibt in seiner «Kundendatenschutzrichtlinie»:

«Bitte beachten Sie, dass, wenn Sie der Erfassung von Telematikprotokolldaten oder anderer Daten von Ihrem Tesla-Fahrzeug widersprechen (...), wir nicht in der Lage sind, Sie in Echtzeit über Probleme im Zusammenhang mit Ihrem Fahrzeug zu informieren. Dies kann dazu führen, dass bei Ihrem Fahrzeug eine lediglich eingeschränkte Funktionalität, ernsthafte Schäden oder Funktionsunfähigkeit eintreten können.»

quelle: tesla.com/de_CH/about/legal

Welche Daten schickt der Bundesrats-Tesla in die USA?

Fragen an Armasuisse: Jedes Tesla-Elektroauto übermittelt automatisch diverse Daten an die Firmen-Server in die USA. Telemetriedaten, zum Standort, Strassenzustand etc. Gilt dies auch für das Fahrzeug der UVEK-Vorsteherin? Oder für welche Daten wurde dies unterbunden?

Armasuisse-Sprecher Kaj-Gunnar Sievert schreibt:

«Gegenüber Tesla wurde keine Bewilligungen zur Eruierung von Fahrzeugstandorten erteilt, die somit auch nicht erfolgt ist (geschieht nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden oder falls per Gerichtsbeschluss in speziellen Fällen angeordnet.) Das Auto kann anonymisiert sogenannte Strassenabschnitts-Daten übersenden, die zur Verbesserung einiger Funktionen wie Navigationssystem oder der Fahrassistenzsysteme verwendet werden. Diese können von Tesla nicht zu einem Fahrzeug zurückverfolgt werden.

Es werden keine Standortdaten gespeichert. Tesla stellt lediglich eine sichere Verbindung zwischen der mobilen App und dem Fahrzeug her.»

Weiter betont der Armasuisse-Sprecher:

«Weder das UVEK noch die Armasuisse haben eine Vereinbarung für die Freigabe irgendwelcher Standorte unterschrieben.»

Das Fahrzeug verarbeite jedoch weiterhin einige im Fahrzeug gespeicherte Fahrzeugdaten, und Tesla könne auf diese Daten manuell im Service zugreifen, wenn dies während der Wartung zur Diagnose und Reparatur erforderlich sei. Zu Diagnose- und Reparaturzwecken gesammelte Daten könnten «von der Art des technischen Problems, das Tesla gemeldet wird, abhängen» und würden nur für einen begrenzten Zeitraum aufbewahrt.

Elon Musk kann Teslas weltweit per Knopfdruck stoppen. Auch den Bundesrats-Tesla?

Frage an Armasuisse: Der Hersteller kann bei jedem Fahrzeug weltweit ferngesteuert (übers Internet) einen Notstopp veranlassen. Gilt dies auch für den UVEK-Tesla oder gibt es hier eine Ausnahme?

Armasuisse-Sprecher Kaj-Gunnar Sievert schreibt:

«Können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten.»

Wussten Sie, dass Tesla «kurze Videoaufnahmen von den Aussenkameras des Fahrzeugs erfassen» und auswerten darf?*

* Gemäss einem Hinweis in der online verfügbaren Kundendatenschutzrichtlinie von Tesla Motors. Ob das den Eidgenössischen Datenschützer interessiert?

Armasuisse-Sprecher Kaj-Gunnar Sievert schreibt:

«Das Tesla-Modell von Frau Leuthard hat bis auf die Rückfahrkamera keine weiteren Kameras oder Mikrofone verbaut.»

Fährt der Bundesrats-Tesla eigentlich öfters mit «Autopilot»?

Das nimmt wohl sehr viele Leute wunder.

Wechseln Sie nach Ihrem Ausscheiden aus dem Bundesrat auf eine andere Automarke?

Herzliche Grüsse, Ihr watson

Welche Frage würdest du gerne der obersten Elektromobilitäts-Förderin der Schweiz stellen?

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Video: srf

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