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Googles Datenbrille kann Feuerwehrmännern wichtige Informationen direkt vor das Auge projizieren. Denkbar wäre der Einsatz auch für Polizisten. Video: YouTube/Google Glass

Googles Cyberbrille

Warum Schweizer Polizisten mit Google Glass nicht auf Verbrecherjagd gehen



Googles smarte Brille könnte unser Leben weit mehr verändern, als es das Smartphone in den letzten Jahren getan hat. Doch der Schweizer Verkaufsstart von Google Glass liegt in weiter Ferne. Vor 2015 sollte man auf keinen Fall mit der futuristischen Datenbrille rechnen. Die erste Generation seiner Hightech-Brille verkauft Google ausschliesslich in den USA. Interessierte US-Bürger können sich online registrieren und der Hersteller entscheidet, wer das 1500 US-Dollar teure Gadget zuerst erhält – in der Regel wohl App-Entwickler.

Polizei testet Google Glass 

Zu den ersten Google-Glass-Testern gehört auch das New York Police Department (NYPD). Die finanzstarke Analyse-Abteilung des NYPD hat kürzlich mehrere Testbrillen erhalten, schreibt venturebeat.com. «Wir schauen, ob Google Glass beispielsweise für Streifenpolizisten von Nutzen sein könnte», lautet die vage Auskunft der New-Yorker-Polizei gegenüber dem Online-Portal.  

Auch in San Francisco, quasi vor Googles Haustür, ist die Datenbrille ein Thema. Man habe sie noch nicht getestet, sehe aber «grosses Potenzial». Polizisten könnten Verdächtige filmen und mit Gesichtserkennungs-Software innert Sekunden die Identität überprüfen, frohlockt die Polizei. Dabei hat man offenbar übersehen, dass Google die Gesichtserkennung für Google Glass explizit ausschliesst.  

Auch ohne Gesichtserkennung wäre die Brille ein mächtiges Instrument für Gesetzeshüter: Google Glass könnte den Polizisten den schnellsten Weg zu einem Unfall- oder Tatort direkt vor dem Auge einblenden. Glass könnte während einer Befragung anhand des Namens direkt Informationen zur Person abrufen. Denkbar ist auch, dass die Brille einen Rapport aufzeichnet, der so nicht mehr von Hand getippt werden muss. So viel zur Theorie. 

Zurück in die reale Welt: Sollten US-Städte ihre Polizisten tatsächlich eines Tages mit einer Datenbrille ausrüsten, wären sie ein wichtiger Kunde, glaubt venturebeat.com. Doch wie sieht es in der Schweiz aus? Gehen Polizisten in Aarau, Luzern oder Zürich bald mit Datenbrillen auf Verbrecherjagd? 

«Googles Datenbrille ist noch kein Thema» 

«Googles Datenbrille ist für die Kantonspolizei Aargau kein Thema», sagt Mediensprecher Bernhard Graser. Der Hightech-Brille gänzlich abgeneigt ist man indes nicht: «Die Datenabfrage über Google Glass könnte durchaus Erleichterungen in der täglichen Arbeit bringen. Dies ist zum heutigen Zeitpunkt allerdings noch utopisch.» Die technischen Herausforderungen wären enorm. Zudem sei fraglich, «ob die Brille den hohen Anforderungen des Polizeidienstes überhaupt gewachsen ist und bei Regen und Kälte ihren Dienst störungsfrei verrichtet». 

Aus Sicht der Polizei wäre es zwar «manchmal wünschenswert, wenn polizeiliche Amtshandlungen zu Beweiszwecken lückenlos mit Video dokumentiert wären», doch müsste zuerst «der rechtliche Aspekt genau geklärt werden», sagt Graser. Aus diesem Grund seien auch «andere Videokameras, die fest auf dem Mann installiert sind und sämtliche Tätigkeiten dokumentieren», in der Schweiz nicht in Gebrauch. Dies im Gegensatz zu den USA und Deutschland

iPhone statt Google Glass 

Auch bei der Kantonspolizei in Luzern und Zürich winkt man beim Stichwort Google-Brille ab: Allfällige Vorteile einer Datenbrille habe man noch nicht überprüft, heisst es aus Luzern. Die Kantonspolizei Zürich verweist darauf, dass ihre Polizisten mit speziellen Apps für das iPhone und iPad ausgerüstet sind. 

Der Tenor ist klar: In der Schweiz warten die Kantonspolizeien ab, bis Google Glass offiziell verfügbar ist und sich allenfalls etabliert hat. Es wird auch nicht verhehlt, dass noch grosse Zweifel bestehen, ob sich das futuristische Gadget je durchsetzen wird. 

Nebst technischen Hürden dürften auch Datenschutzbedenken ein Grund sein, dass wir auf Schweizer Strassen in den nächsten Jahren keine Polizisten mit Cyberbrillen patrouillieren sehen werden. «Heute, wo diese Brille im Alltag kaum anzutreffen ist, würde der Einsatz im Polizeidienst sicher ein grosses Echo in der Öffentlichkeit hervorrufen», sagt Graser von der Kantonspolizei Aargau.  

Im Visier der Datenschützer 

Der Eidgenössische Datenschützer Hanspeter-Thür hat bereits im Juni 2013 seine Bedenken kundgetan. In einem Schreiben wollten Datenschützer aus der ganzen Welt wissen, welche Informationen Google über die Nutzer seiner Internetbrille sammelt, was der Konzern damit tut und welche Daten er an Dritte weitergeben will.

Der letzte Punkt hat mit dem NSA-Schnüffelskandal zusätzliche Brisanz erhalten. Das dürfte auch ein Grund sein, warum Google mit der Einführung seiner Datenbrille auf die Bremse tritt. Ursprünglich wurde Google Glass für 2014 in Aussicht gestellt. Davon kann – zumindest in Europa – keine Rede mehr sein. 

Google Glass: Für Polizisten noch Zukunftsmusik, bei Ärzten schon im Einsatz

epa03925268 Spanish dentist surgeon Pedro Pena carries out a maxillofacial surgery while broadcasting live with the new 'google glass' at the Molina de Segura hospital in Murcia, Spain, 26 October 2013. The surgery was followed in real time by other surgeons who commented and asked about the surgery to a 70-year-old patient who needed implants in the upper jaw.  EPA/MARCIAL GUILLÉN

Eine mit Google Glass gefilmte Zahnoperation wird für andere Zahnärzte live gestreamt. Bild: EPA

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 11.02.2014 08:26
    Highlight Highlight Da kommt etwas auf uns zu. Wie stellt die Gesellschaft sicher, dass bei einer Verbreitung dieser Brille, die alles aufnehmen kann, die Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben? Ich möchte nicht ohne meine Einwilligung gefilmt werden. Die Google Glass kann anonym Videos aufnehmen. Im Frei-/Hallenbad, Ausgang, Shopping, bei Demos, bei Pausenschlägereien, im Büro, Zug, usw. Ich möchte mich frei bewegen können und erwarte eine begrenzte Zulassung zur Vermeidung von illegalen Videos, die dann weiterverbreitet werden.

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