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Frankreich nimmt illegale Swimmingpools ins Visier – und kassiert ab

Goult, France - 24th September 2021 : View of a garden from a drone. Garden with mowed lawn and swimming pool, modern stone-built house
Schwimmbäder, ob unterirdisch oder oberirdisch, müssen deklariert werden, da sie den Wert der Immobilie erhöhen.Bild: Shutterstock

Frankreich nimmt illegale Swimmingpools mit Spezialsoftware ins Visier – und kassiert ab

Die französischen Steuerfahnder spüren private Pools und andere undeklarierte Investitionen von Hausbesitzern neuerdings mit Künstlicher Intelligenz auf. Eine zentrale Rolle spielt dabei Google.
01.09.2022, 12:5901.09.2022, 15:18
Stefan Brändle, Paris / ch media

«Baden Sie. Dann: Zahlen Sie!» So verhöhnt eine Vereinigung verärgerter Steuerzahler die neuste Erfindung des französischen Fiskus. Der setzt nun Luftbilder ein, um nicht deklarierte Privatschwimmbäder ausfindig zu machen.

Möglich macht es eine Software namens «innovativer Grund und Boden», die mit Künstlicher Intelligenz arbeitet. Beim Testversuch in neun Departementen an der Côte d'Azur, der Ardèche, in der Bretagne und Savoyen entdeckte das mit Google entwickelte Dispositiv auf Anhieb 20'000 klandestine Wasserbecken.

Sie am Fiskus vorbei zu bauen, ist eine französische Spezialität wie das Schneckenessen. Nicht von ungefähr spült der Test nach Angaben der Steuerdirektion DGFiP rund zehn Millionen Euro in die Kasse der betroffenen Gemeinden.

Einträgliches Geschäft

Die Software kostete zwar selber 24 Millionen Euro, sie soll aber schon nächstes Jahr amortisiert sein. Denn der Fiskus weitet den Versuch nun auf das ganze Land aus. Neu sollen ihm auch steuerpflichtige Veranden, Terrassen oder Anbauten ins digitale Adlerauge stechen. Das soll den Ertrag im kommenden Jahr auf 40 Millionen vervierfachen.

Zumal der Pool-Verkauf in Frankreich boomt. Die Hersteller vermelden gerade zweistellige Zuwachsraten. Viele Bürgerinnen und Bürger zögen sich heute in ihr Landgut zurück und arbeiteten von zuhause aus, erklärt sich Marktleader Desjoyaux den Trend. Homeoffice mit den Zehen im türkisblauen Wasser – was will man mehr?

Der grüne Gegentrend

Bloss – da ist noch ein gegenläufiger Trend. Ein Ökotrend. Frankreich hat einen extremen Dürresommer hinter sich, und vielen Gemeinden, Flüssen und Stauseen ist das Wasser schlicht ausgegangen. Die Pool-Bewirtschaftung wurde deshalb landauf, landab eingeschränkt, wenn nicht untersagt. Grünen-Chef Julien Bayou regte sogar ein Verbot privater Schwimmbäder an. Angesichts des Aufschreis von drei Millionen Pool-Besitzern in Frankreich musste er wieder zurückkrebsen. Dafür begrüsst er die neue Spürsoftware des Fiskus. Sie ist zwar nicht aus Klimagründen geschaffen worden, passt aber in die Epoche.

Die widerspenstigen Pool-Besitzer geben sich nun auch grün – auf ihre Art. Das Finanzportal francetransactions.com empfiehlt, den Pool mit einer «grünen Schwimmbad-Abdeckung» zu kaschieren, wenn er gerade nicht benützt werde. Den Drohnen- oder Satellitenaugen soll so ein (steuerfreies) Rasenstück vorgegaukelt werden. Das nennt sich dann wohl künstliche Gegenintelligenz.

Relativ hohe Fehlerquote
Das von Google und Capgemini entwickelte System kann auf Luftbildern eckige Flächen identifizieren und mit Grundbuchdatenbanken abgleichen. Es geht also nicht nur um private Schwimmbecken. «Wir zielen besonders auf Hauserweiterungen wie Veranden ab, aber wir müssen sicher sein, dass die Software Gebäude mit grosser Grundfläche finden kann und nicht die Hundehütte oder das Kinderspielhaus», sagte ein Vertreter der französischen Steuerbehörden gegenüber der Zeitung «Le Parisien». Ob es sich bei einer rechteckigen Form um einen Anbau oder um ein auf dem Boden abgestelltes Zelt, eine Terrasse oder gar eine Plane handle, könne das technische Team der Finanzverwaltung allerdings noch nicht feststellen. Im Frühjahr hiess es in Berichten, die Fehlerquote liege bei 30 Prozent. (dsc)

Quellen

(aargauerzeitung.ch)

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