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Chinas Präsident Xi Jinping (Mitte) im Gespräch mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg (r.), flankiert von Lu We, Chinas Propaganda-Chef und früherem Leiter der Internet-Sicherheits- und Zensurbehörde.
Chinas Präsident Xi Jinping (Mitte) im Gespräch mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg (r.), flankiert von Lu We, Chinas Propaganda-Chef und früherem Leiter der Internet-Sicherheits- und Zensurbehörde.LBild: POOL/REUTERS

Hat Facebook eine mächtige Zensur-Waffe für China gebaut? Mitarbeiter verraten Details

In China ist Facebook gesperrt, genau so wie Twitter und andere westliche Internet-Dienste. Nun hat Mark Zuckerbergs Konzern laut «New York Times» eine Software gebaut, die den Zensoren gefallen dürfte.
23.11.2016, 12:0623.11.2016, 12:14

Ob Google, Twitter oder Facebook: An China beissen sie sich alle die Zähne aus. Facebook wurde vor sieben Jahren von den chinesischen Behörden verbannt. Das Regime in Peking wollte so den Austausch von Informationen zu den Unruhen unterbinden, die kurz zuvor blutig zu Ende gegangen waren – 140 Protestierende waren ums Leben gekommen.

Nun hat Facebook offenbar einen Weg gefunden, wie man doch wieder einen Fuss in den lukrativen chinesischen Markt bekommen könnte: Das weltweit grösste soziale Netzwerk habe eine Software zur Zensur von Nutzer-Einträgen entwickelt, berichtet die New York Times. Die Zeitung beruft sich auf mehrere anonyme Quellen, bei denen es sich um aktuelle und ehemalige Facebook-Angestellte handeln soll.

Facebooks Zensur-Software erlaubt es demnach Dritten, beliebte Einträge und Schlagworte auf Facebook zu beobachten. Nutzer des Zensur-Werkzeugs hätten die Kontrolle darüber, welche Posts in den Kanälen der Nutzer auftauchen. Die Software könne auch verhindern, dass Status-Updates, Fotos und Videos bei Nutzern in einer bestimmten Region auftauchen.

Mark Zuckerberg unterstütze das Zensurprogramm, zitiert die NYT ihre anonymen Quellen. Es sei für Facebook besser, überhaupt Kommunikation zu ermöglichen, auch wenn dies noch nicht die uneingeschränkte Meinungsfreiheit bedeute, soll der Facebook-Chef bei einer Mitarbeiter-Versammlung auf Fragen von Angestellten geantwortet haben.

Zensur-Programm ist noch nicht im Einsatz

Den chinesischen Zensurbehörden dürfte die mächtige Software gefallen. Ob Facebook aber tatsächlich plant, in China wieder aktiv zu werden, steht auf einem anderen Blatt. Es gebe keine Hinweise, dass Facebook die Software den Behörden im Reich der Mitte bereits angeboten habe, heisst es im Zeitungsbericht. Vielmehr sei es eine von vielen Ideen, die Facebook vor dem Hintergrund einer möglichen Rückkehr nach China diskutiert habe. Allenfalls werde die Zensurwaffe auch nie eingesetzt.

Auf jeden Fall ist es nicht ungewöhnlich, das Facebook gegen Inhalte vorgeht, die Regierungen nicht gefallen: «In Russland oder der Türkei hat Facebook in der Vergangenheit schon auf staatliche Anfragen reagiert und bestimmte Posts nach der Veröffentlichung blockiert», schreibt Spiegel Online. Das neue Zensur-Werkzeug für China wäre aber weit mächtiger: Es würde verhindern, dass Posts überhaupt im Newsfeed auftauchen.

(oli)

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