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Laut Googles Karten-App ist Grönland grösser als Afrika 🤔.   bild: google maps

Die Erde ist bei Google Maps keine flache Scheibe mehr – das ist wichtiger, als du denkst

Googles Kartendienst stellt die Erde nicht mehr als flache Scheibe, sondern als Globus dar. Grönland wird nicht mehr fälschlicherweise grösser als Afrika abgebildet. Das ist wichtiger, als du vermutlich glaubst.



In der bisherigen Google-Maps-Version wurde Grönland grösser als Afrika dargestellt. Effektiv würde Grönland aber etwa 14 Mal auf Afrika passen.

Dies lag daran, dass Google Maps die Erde als flache Scheibe darstellte und hierzu die so genannte Mercator-Projektion aus dem 16. Jahrhundert nutzte, auf der bis heute viele Weltkarten beruhen. Das Problem: Bei der Mercator-Projektion sind die Regionen in Polnähe viel grösser als jene in Äquatornähe. Dies wird deutlich, wenn wir Grönland an den Äquator verschieben und über Afrika legen.

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Tatsächlich ist Grönland im Vergleich zu Afrika ein Zwerg. bild: thetruesize / watson

Die Mercator-Projektion bildet eine Kugel auf einer Fläche ab, was zwangsläufig zu Verzerrungen führt (siehe das folgende GIF).

Eine Kugel kann man unmöglich wirklichkeitsgetreu auf einer zweidimensionalen Karte abbilden

Animiertes GIF GIF abspielen

Die Erde ist kugelförmig. Zweidimensionale Karten sind daher zwangsläufig verzerrt, wie diese GIF-Animation leicht verständlich zeigt.

Bei der Abbildung einer Kugeloberfläche auf eine Ebene entstehen also immer Verzerrungen. Grönland (2,2 Millionen km2) zum Beispiel sah bei Google Maps über viele Jahre so gross aus wie der ganze Kontinent Afrika (30,3 Millionen. km2). Auch Kanada, Skandinavien oder Russland wirken viel grösser, als sie es sind. Umgekehrt unterschätzen wir die wahre Grösse von Kontinenten und Ländern in Äquatornähe wie Afrika, Mexiko oder Indonesien.

Mit dem neusten Update für Google Maps hat der US-Konzern diese Verzerrung korrigiert, allerdings erst in der Browser-Version für den Desktop. Ersichtlich wird dies natürlich erst, wenn man herauszoomt, bis man die Erde quasi aus dem All betrachtet.

Im Browser auf dem Computer werden Länder nun entsprechend ihrer wahren Grösse dargestellt. In der App ist die Welt noch immer eine Scheibe.

Google nutzt die Mercator-Projektion seit vielen Jahren, da sie sich durch eine hohe Winkeltreue auszeichnet. Das heisst, Strassen werden auf einer zweidimensionalen Karte im richtigen Winkel zueinander dargestellt. Ein Google-Mitarbeiter erklärte 2009, warum man auf diese winkeltreue, nicht aber flächentreue Abbildung setzt: «Bei der ersten Veröffentlichung von Google Maps haben wir die Mercator-Projektion noch nicht benutzt. Das führte dazu, dass Strassen in hohen Breitengraden wie Stockholm nicht im rechten Winkel angezeigt wurden, wie sie in Wirklichkeit verlaufen.»

Die Mercator-Projektion prägt unser verzerrtes Weltbild

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Alte Version: Google Maps zeigte Nordamerika, Grönland, Skandinavien und Russland als Riesen. Südamerika, Afrika und Indonesien in Äquatornähe waren vergleichsweise viel zu klein.   bild: via twitter / @peter_misovic

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Neues Google Maps: Zoomt man in der Desktop-Version heraus, wird die Erde wie bei Google Earth als Kugel dargestellt und Länder erscheinen entsprechend ihrer wahren Grösse.  screenshot: google maps

Heute werden Weltkarten fast immer gleich dargestellt: Nordamerika, Europa und Russland im Norden erscheinen als Riesen, während Afrika oder Indonesien in Äquatornähe vergleichsweise viel zu klein abgebildet sind. Dies verzerrt unweigerlich unser Weltbild. Auch wegen populären Karten-Apps wie Google Maps unterschätzen wir die wahre Grösse von Kontinenten und Ländern in Äquatornähe, also Nationen in Afrika, Asien sowie Mittel- und Südamerika.

Deswegen ist die Mercator-Projektion aber noch lange nicht in jeder Hinsicht schlecht. Sie eignet sich aufgrund ihrer Winkeltreue für Seekarten oder zur Landvermessung. Genau für diese Zwecke wurde sie auch von Gerhard Mercator entwickelt.

Auch bei der Betrachtung von Strassen auf Karten-Apps sind korrekte Winkel zur Orientierung entscheidend. Google nutzt daher weiter eine winkeltreue Abbildung, wenn man nahe heranzoomt. Zoomt man jedoch heraus und betrachtet die Erde als Ganzes, sollten Länder entsprechend ihrer wahren Grösse dargestellt werden. Google trägt dem nun Rechnung und stellt die Erde nicht mehr als verzerrte Scheibe, sondern als Globus dar. Kritiker haben dies seit Jahren gefordert, da die Mercator-Projektion zur Darstellung der gesamten Erde aufgrund ihrer starken Verzerrungen ungeeignet ist, sprich Länder in Äquatornähe marginalisiert.

Nebst der Mercator-Projektion gibt es Dutzende weitere Versuche, die kugelförmige Erde auf einer Ebene abzubilden, aber sie sind immer auf die eine oder andere Weise falsch, da man eine Kugeloberfläche eben unmöglich wirklichkeitsgetreu auf einer zweidimensionalen Karte abbilden kann. Entweder stimmt die Form der Länder und Kontinente, dafür sind die Flächen verzerrt. Oder die Flächen sind korrekt dargestellt – auf Kosten der richtigen Form.

Weltkarten sind also nicht per se richtig oder falsch, da keine Projektion absolut wirklichkeitsgetreu ist. Anders gesagt: Jede Weltkarte hat ihren bestimmten Nutzen und ihre Fehler. Gut ist, wenn wir uns dessen bewusst sind, wenn wir zweidimensionale Karten betrachten. Googles Wechsel zur Darstellung der Erde als Kugel ist denn auch weit mehr als ein kleiner Seitenhieb gegen die «Flat Earther» (Flacherdler). Das neue Google Maps hilft mit unser verzerrtes Weltbild zu korrigieren, das durch Google selbst über Jahre zementiert wurde.

Wie gigantisch Kontinente und Länder wie Afrika, Indonesien oder Chile in Wirklichkeit sind, zeigt dieser Artikel eindrücklich auf.

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