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Mit dem WorldMapCreator lassen sich unzählige verschiedene Abbildungen der Welt generieren. Das GIF zeigt, wie aus einer Kugel eine zweidimensionale Weltkarte wird.
gif: WorldMapCreator / watson

Diese geniale Schweizer Webseite verschafft dir einen völlig anderen Blick auf die Welt

Auf WorldMapCreator.com kann man spielend leicht seine eigene Weltkarte kreieren. Ein grosser Spass mit einem ernsthaften Hintergrund.
29.01.2018, 18:5830.01.2018, 14:36

«Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt», sang Pippi Langstrumpf. Nun kannst du zumindest Weltkarten ganz nach deinen Wünschen gestalten. Möglich macht's die interaktive Webseite WorldMapCreator.com. Mit dem kostenlosen Online-Tool aus der Schweiz lassen sich binnen Minuten unkonventionelle Weltkarten gestalten, so wie du sie vermutlich noch nie zuvor gesehen hast.

Der Weltkarten-Generator ist gratis und funktioniert direkt im Webbrowser (nur Computer und Tablets). Die Absicht der Entwickler: Der WorldMapCreator soll uns die Vielfalt möglicher alternativer Weltkarten vor Augen führen: «Weltkarten müssen nicht immer gleich aussehen. Es gibt unzählige alternative Darstellungen», sagt die Designerin und Karten-Expertin Julia Mia Stirnemann. 

Bei herkömmlichen Weltkarten orientiert sich die horizontale Bildmitte meist am Äquator. Mit dem WordMapCreator lässt sich ein beliebiger Ort auf der Erde als Zentrum festlegen. Das kann beispielsweise so aussehen:

Eine andere Sicht auf die Welt

<strong>Die Antarktis im Zentrum der Welt</strong>: Würden Pinguine eine Weltkarte zeichnen, sähe sie vermutlich so aus.&nbsp;
Die Antarktis im Zentrum der Welt: Würden Pinguine eine Weltkarte zeichnen, sähe sie vermutlich so aus. 

«Jede Epoche und jede Kultur hat Weltkarten erschaffen, die ihrer Weltsicht und ihren Bedürfnissen entsprachen», sagt  Stirnemann. Sie hat das Karten-Tool im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Hochschule der Künste in Bern (HKB) entwickelt. Für die Schifffahrt bzw. Navigation auf den Weltmeeren mussten die Karten beispielsweise winkeltreu sein. Dass dabei die Flächen von Ländern verzerrt wurden und auch auf unseren heutigen Karten verzerrt dargestellt werden, war sekundär.

Heute werden Weltkarten fast immer gleich dargestellt: Nordamerika, Europa und Russland im Norden erscheinen als Riesen, während Afrika oder Indonesien in Äquatornähe vergleichsweise viel zu klein abgebildet sind. Dies verzerrt unweigerlich unser Weltbild.

Unsere gewohnte Weltkarte ist durch Normen und Konventionen so eingeübt, dass wir kaum in der Lage sind, unkonventionelle Weltkarten zu interpretieren. Der WorldMapCreator zeigt, dass alternative Darstellungsmöglichkeiten für Weltkarten genau so gut oder schlecht sind wie die gängige Abbildung, da jede Darstellung einer Kugeloberfläche auf einer zweidimensionalen Weltkarte bestimmte Vor- und Nachteile hat. Merke: Eine Karte kann nie perfekt sein (siehe Erklärung bei Punkt Nr. 2).

So funktioniert der WorldMapCreator

Mit dem Online-Tool WorldMapCreator lassen sich unkonventionelle Weltkarten generieren, die unsere durch den «Schulatlas» und Google Maps verinnerlichte Vorstellung von der Erde grundlegend in Frage stellen. 

Ein Beispiel: In einem Schulatlas in der Schweiz ist Europa das Zentrum der Welt, in den USA ist es Amerika und in Australien entsprechend Ozeanien. Mit dem WorldMapCreator kann man jedes beliebige Land ins Zentrum der Welt rücken, wie das folgende GIF zeigt.

1. Wähle den Mittelpunkt deiner Karte

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Das GIF zeigt, wie sich der Mittelpunkt der Weltkarte per Koordinaten-Regler festlegen lässt. Alternativ kann man eine Stadt suchen und als Mittelpunkt bestimmen oder den Mittelpunkt einfach per Mauszeiger verschieben.
gif: worldmapcreator / watson

2. Wähle die Darstellung (Projektion) deiner Karte

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Drei Weltkarten im Vergleich: Das GIF zeigt, wie unterschiedliche Abbildungen der Welt (Projektionen der Globusoberfläche in eine zweidimensionale Weltkarte) ausgewählt werden. Die kegelförmige Albers-Projektion ist eine flächentreue Kartenabbildung. Kontinente erscheinen also so gross, wie sie wirklich sind. Die Antarktis wird so aber völlig verzerrt dargestellt.
gif: worldmapcreator / watson

Alle Weltkarten haben ein grundlegendes Problem: Sie führen uns immer an der Nase herum. Sie sind immer auf die eine oder andere Weise falsch, da man eine Kugeloberfläche unmöglich wirklichkeitsgetreu auf einer zweidimensionalen Karte abbilden kann. Entweder stimmt die Form der Länder und Kontinente, dafür sind die Flächen verzerrt. Oder die Flächen sind korrekt dargestellt – auf Kosten der richtigen Form.

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Die Erde ist kugelförmig. Zweidimensionale Karten sind daher zwangsläufig verzerrt, wie diese GIF-Animation leicht verständlich zeigt.

Bei der Projektion einer Kugeloberfläche auf eine Ebene entstehen immer Verzerrungen. Bei der Mercator-Projektion aus dem 16. Jahrhundert, auf der bis heute viele Weltkarten beruhen, erscheinen Länder in Polnähe daher oft als gigantische Flächen.

Die auch von Google Maps genutzte Mercator-Projektion prägt unser Weltbild, da Nordamerika, Russland aber auch Europa grösser wirken, als sie es eigentlich sind. Umgekehrt unterschätzen wir die wahre Grösse von Kontinenten und Ländern in Äquatornähe wie Afrika oder Indonesien. «Der WordMapCreator zeigt diese Verzerrungseffekte der herkömmlichen Weltkarte auf. Durch die unkonventionellen Weltkarten wird unsere gegenwärtige Weltanschauung hinterfragt», sagt Stirnemann.

Mit der Webseite kann jeder eine unkonventionelle Weltkarte aus seinem persönlichen Standpunkt generieren: Ein Neuseeländer kann seine Insel zum Mittelpunkt der Welt machen (statt zum Beispiel Europa). Ein Bewohner eines äquatornahen Landes kann eine Projektion wählen, die sein Land nicht mehr zu klein (Mercator-Projektion), sondern flächentreu erscheinen lässt (Mollweide-Projektion). Die alternativen Weltkarten versinnbildlichen also die subjektiven Perspektiven, die beim Betrachten der Welt eingenommen werden.

Wer eine eigene, alternative Weltkarte generiert, stellt fest, dass sie ebenfalls Verzerrungseffekten unterliegt; sie betreffen lediglich ein anderes geografisches Gebiet. So wird dem Nutzer vor Augen geführt, dass Weltkarten nie Abbilder der Realität sein können.

3. Wähle das Design deiner Karte

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Das GIF zeigt, wie zum Beispiel Ländergrenzen eingefügt oder die Farbe geändert wird.
gif: worldmapcreator / watson

Auf der erstellten Karte lassen sich so genannte Geolayers einzeln ein- und ausblenden: Städte, Seen, Flüsse etc. Auch das Aussehen der Karte (Farbe, Strichdichte) lässt sich verändern, wobei die Karte immer auf einer abstrakten Ebene bleibt, also keine Details zeigt.

Die erstellte Karte kann schlussendlich mit der Funktion «Exportiere deine Welt» als Bilddatei heruntergeladen oder im Internet geteilt werden.

Das steckt hinter dem WorldMapCreator

Der WorldMapCreator hinterfragt die gegenwärtig dominierende Weltkarte bzw. die ihr zugrunde liegende Weltanschauung, indem er den Nutzer mit verschiedenen Darstellungen experimentieren lässt. Der Nutzer bekommt ein Gefühl dafür, dass es eine Frage der Zentrierung (Wahl des Mittelpunktes) und Projektion (Abbildung der Kugeloberfläche auf eine zweidimensionale Karte) ist, wie wir unsere Welt wahrnehmen.

Weltkarten sind also nicht per se richtig oder falsch, da keine Projektion absolut wirklichkeitsgetreu sein kann. Anders gesagt: Jede Weltkarte hat ihren bestimmten Nutzen und ihre Fehler. Daher ist es sinnvoll, dass wir verschiedene Darstellungen von Karten – jenseits von «Schulatlas» und Google Maps – interpretieren können.

WorldMapCreator.com
Der WorldMapCreator wurde an der Hochschule der Künste in Bern von Julia Mia Stirnemann und Fabrice Tereszkiewicz entwickelt. Die interaktive Webseite ist für grössere Bildschirme optimiert. Das Projekt wurde vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert.

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[dhr, 15.07.2018] Karten

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