Vor fast zwei Jahrzehnten lancierte Mark Zuckerberg Facebook und verfolgte damit angeblich die Vision, Menschen weltweit zu verbinden.
Doch seine wahre Absicht und Geschäftsstrategie war eine andere. Das interne Motto, das «Zuck» seinem Team vorgab, lautete «Move fast and break things», oder übersetzt: Bewegt euch schnell und zerbrecht Dinge. Es bedeutete, dass sie gesellschaftliche Kollateralschäden bewusst in Kauf nahmen, weil das wirtschaftliche Wachstum vorging.
Heute sind die Plattformen des Meta-Konzerns ein Nährboden für Hass, Desinformation und Manipulation. Und wir müssen aus den damaligen Versäumnissen der Politik lernen, um ähnliche Probleme mit generativer KI zu vermeiden.
Der unkontrollierte Aufstieg von Facebook und Co. sollte uns als warnendes Beispiel dienen: Unterschätze nie das Gewinnstreben von Unternehmen und lass dich nicht mit beruhigenden Worten von den Hauptprofiteuren einlullen.
Wenn uns die Geschichte des Silicon Valley etwas gelehrt hat, dann ist es, dass Innovation mit Regulierung einhergehen muss. Vor einigen Jahren wurde OpenAI als verantwortungsbewusste Non-Profit-Organisation gegründet, deren «hauptsächliche Treuepflicht der Menschheit gilt» – das war nicht allzu weit entfernt von Zuckerbergs Vision.
Nun ist OpenAI ein 30-Milliarden-Dollar-Unternehmen, das mit ChatGPT im Hochrisiko-KI-Wettrüsten führend ist. Und neben Sam Altman, dem CEO des Unternehmens, könnte Zuckerberg schon bald wie ein Schulbub aussehen.
Der 38-jährige Chef von OpenAI erklärt zwar öffentlich, dass er eine strenge Regulierung von generativer KI befürworte. Das könnte aber auch nur eine PR-Fassade sein.
Ähnliches war schon bei Facebook und anderen Techgiganten zu beobachten. Deren hochrangige Vertreter forderten laustark strengere Regeln – und finanzierten heimlich millionenschwere Lobbying-Kampagnen, um sie zu verhindern.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, viel Gutes zu bewirken, aber wir haben auch bereits gesehen, wie KI-Chatbots Fake-News verbreiten und die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen gefährden können. Mehrere Unternehmen testen inzwischen auch KI-Suchfunktionen, die es schwer machen, vertrauenswürdige Quellen im Internet zu finden.
Besonders bedenklich ist der zu befürchtende Einfluss von KI auf unsere westlichen demokratischen Systeme. Es gibt keine klaren Regeln für den KI-Einsatz in politischen Prozessen, was Manipulation und Desinformation begünstigt.
Ob in den USA oder auf dem alten Kontinent: Viele Politikerinnen und Politiker mit Regierungsverantwortung oder in gesetzgeberischer Funktion haben hierzulande bislang nur zögerlich (oder überhaupt nicht) reagiert. Dabei brauchen wir jetzt unabhängige, digital-affine Konsumentenschutz-Behörden, die die neuartigen KI-Produkte kontrollieren und die Sicherheit und den Datenschutz gewährleisten.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist das Durchsetzen einer digitalen Kennzeichnungspflicht: Plattformbetreiber sollten gezwungen werden, nur KI-generierte Inhalte zuzulassen, die mit einem Wasserzeichen versehen sind.
Ausserdem gilt es möglichst vielfältige Stimmen in die öffentliche Diskussion um die KI-Regulierung einzubeziehen, insbesondere sollen auch junge Menschen mitreden, die am stärksten von solchen Technologien betroffen sind.
Mein persönliches Fazit, nachdem ich mich seit einigen Monaten mit generativer KI befasse: Wir dürfen nicht Zuckerbergs zerstörerischem Mantra folgen. Das langfristige Wohlergehen und die Stabilität der Gesellschaft haben Vorrang. Die Politik sollte jetzt handeln, um irreversible Schäden zu verhindern. Wer sich dem verweigert, ist fehl am Platz.
Der Mensch hat eine Bedeutung erlangt, die ihm nicht zusteht und mit der er nicht umgehen kann.
Hoffentlich machen es die KIs besser, sollten sie sich in freier Wildbahn je behaupten können ...