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Sega Mega Drive Mini 2: Darum hat sich der Kauf trotz Preis gelohnt

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Segas Mega Drive Mini 2 kostet viel zu viel, überschüttet dich aber mit Spielspass

Man darf sich auch mal etwas gönnen. Warum nicht eine längst vergriffene und überteuerte Mini-Game-Konsole? Auf der Haben-Seite: jede Menge Spielspass und Jugenderinnerungen.
27.01.2024, 12:1527.01.2024, 17:45
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Wer mit Nintendo- oder Sega-Konsolen aufgewachsen ist, der mag nickend zustimmen, dass diese beiden legendären Game- und Hardware-Hersteller stark mit wohligen Erinnerungen vor flackernden Röhrenbildschirmen verknüpft sind. In einer Zeit, wo das Leben noch einfacher war und der Freizeitgenuss innig zelebriert wurde, waren sie unsere treuen Begleiter im Kinder- und Jugendzimmer.

Positive Gefühle und Erinnerungen

Zig Videospiele haben wir damals rauf und runter gespielt. Und wurde das Spiel einmal schwieriger, bissen wir die Zähne zusammen und begannen immer wieder von vorne, bis der Schriftzug «Thanks for playing» erschien. Der Image-Kampf zwischen Nintendo und Sega entbrannte vor allem in den 90er-Jahren und beide Firmen hauten gefühlt einen Klassiker nach dem anderen raus.

Auch wenn Sega auf dem Game-Markt immer mehr an Bedeutung verlor und zusehen musste, wie Kollege Nintendo davonzog und sich andere Konkurrenten ihren festen Platz in der Branche sicherten, bleibt die japanische Firma immer noch mit vielen positiven Gefühlen und Erinnerungen zurück.

Die legendären Spielhüllen für die Mega Drive-Games.
Unvergesslich: Die legendären Spielhüllen für die Mega-Drive-Games.bild: pixabay

Die 16-Bit-Konsole Mega Drive erschien in unseren Breitengraden im Jahr 1990 und brachte danach eine Reihe von Highlights in unsere heimischen Stuben, die sich auch heute noch wunderbar spielen lassen und von ihrem Charme nichts verloren haben.

Die erste Version des legendären Sega Mega Drive.
Die erste Version der legendären Sega Mega Drive.bild: pixabay

Nochmals auf den Hype-Zug aufspringen

Als vor einigen Jahren der Hype-Zug um Mini-Konsolen losdampfte, liess es sich Sega nicht nehmen und brachte die Sega Mega Drive Mini auf den Markt, die 42 vorinstallierte Games unter der Haube trägt und uns auf eine schöne Nostalgie-Reise schickte. Um weiterhin auf der Welle der Begeisterung zu reiten, wurde 2022 gleich der Nachfolger ins Rennen geschickt, um dieses Mal mit satten 60 Spielen um Aufmerksamkeit zu buhlen.

Optisch orientierte sich diese Mini-Version natürlich am Original Mega Drive 2, welche via Redesign schlanker und kompakter daherkam. Die Sega Mega Drive Mini 2 kostete bei Markteinführung um die 100 Franken und war vorerst nur via Amazon erhältlich. Schnell fand sie den Weg auch zu einigen Fachhändlern, die schon damals den Preis nach oben drückten.

Die Verpackung vom Sega Mega Drive Mini 2.
Die Verpackung der Sega Mega Drive Mini 2.bild: zvg

Wer schnell war und einen lockeren Geldbeutel besass, durfte sich den Mini-Spass nach Hause holen. Wer noch unsicher war und abwarten wollte, guckte aber bald in die Röhre. Denn die Hardware war schnell ausverkauft. Nachschub gab es kaum, und das Ding verschwand immer mehr vom herkömmlichen Markt.

Wer wie ich in den Jahren danach ein Exemplar ergattern wollte, brauchte nicht nur viel Glück, sondern musste auch immer wieder mit einer erneuten Preissteigerung rechnen, die vor allem auf diversen Auktionsplattformen für offene Münder sorgte. Schliesslich berappte ich dafür um die 250 Franken.

Hat es sich gelohnt?

Diese Games sind bei der Sega Mega Drive Mini 2 dabei...

Die wiedererweckte CD-Liebe

Wer in Besitz von anderen Mini-Konsolen ist, der wird bei der Anzahl von 60 Spielen aufhorchen. Denn in der Regel bedeutet eine hohe Anzahl auch immer, dass darunter einige versteckte Flops sind, die nur draufgepackt wurden, um die Zahl nach oben zu drücken.

Zwar sind bei der Sega Mega Drive Mini 2 nicht nur Meisterwerke vorhanden, doch komplett unspielbare Schandflecke sind nicht wirklich dabei. Wobei hier natürlich der persönliche Geschmack stets ein Wörtchen mitzureden hat.

Das Besondere bei dieser einen Mini-Variante ist zudem, dass viele Mega-CD-Titel vorhanden sind. Mega CD war ein Hardware-Zusatz, sprich eine physische Erweiterung für die Mega Drive. Damit waren die Spiele nicht mehr auf Cartridges oder Modulen, sondern eben auf ein CD-Format gespeichert und verzückten mit (für damalige Verhältnisse, wohlgemerkt) verblüffender, realistischer Optik und schickem Sound die Community.

Die beiden Sci-Fi-Ballereien «Starblade» oder «Silpheed» profitierten beispielsweise beide von der neuen Hardware-Möglichkeit und dürfen nun wiederentdeckt werden.

Auch das Trash-Kult-Game «Night Trap», das man mindestens einmal im Leben gespielt haben sollte, ist in der Sammlung vorhanden. Was hier an schlechter Darstellungs- und Programmierkunst geboten wurde, hat definitiv Videospielgeschichte geschrieben.

Ein besonderes Schmankerl ist zudem «Final Fight CD», das im Vergleich zum Super-Nintendo-Game alle Spielfiguren des Spielhallen-Klassikers zur Auswahl zulässt, um sie in den Strassenkampf zu schicken.

Über zehn Games aus der Mega-CD-Ära befinden sich unter der Haube der Mini-Konsole. Der Rest stammt dann aus der gewöhnlichen Mega-Drive-Zeit und präsentiert ein paar zeitlose Meisterwerke aus den 90er-Jahren.

Viele gute Fortsetzungen und Premieren

Auch wenn die ganz grossen Kaliber schon für die erste Mini-Konsole verbraten wurden, muss sich der Nachfolger in Sachen Auswahl keineswegs verstecken. «Golden Axe 2», «Shining Force 2», «Phantasy Star 2» oder «Splatterhouse 2» sind nur ein paar Beispiele von Fortsetzungen, die sich auch heute noch gut bis sehr gut spielen lassen.

Man muss aber zugeben, dass die Mega Drive Mini 2 hauptsächlich viele Nachfolger im Fokus, sprich: im Gepäck hat, die im direkten Vergleich zum Vorgänger in Sachen Überraschungseffekt die zweite Geige spielen und hauptsächlich von der bekannten Game-Marke an sich profitieren.

Dafür gibt es noch eine Handvoll Spiele, die weder für Mega Drive noch Mega CD veröffentlicht wurden und nun ihre Premiere auf der Mini-Konsole feiern dürfen. Darunter ist zum Beispiel das kunterbunte Ballerspiel «Fantasy Zone», das einen sofort packt und mit seiner simplen Spielmechanik und seinem charmanten Gedudel für lange Zeit an den Bildschirm fesselt.

Ein teurer Spass, der sich aber gelohnt hat

Fazit: Bei 60 Videospielen gibt es wahrlich sehr viel zu tun. Zwar habe ich jeden einzelnen Titel gespielt, sprich: ausprobiert – mehrere Stunden wurden dann aber doch nur in ausgewählte Spiele versenkt, zu denen ich auch einen persönlichen Bezug habe und die meine Neugierde weckten.

Es gab aber durchaus einige Titel, denen ich via Mini-Konsole zum ersten Mal begegnete und die mich dann überraschenderweise komplett faszinierten und aufsaugten. Doch das Aufflackern von richtiger Nostalgie war nur bei bestimmten Spielen vorhanden. Der allgemeine Retro-Kick war aber permanent anwesend und wickelte mich tagelang komplett ein.

Die Sega Mega Drive Mini 2 hat mir zudem wieder mal gezeigt, wie einzelne, ganz simple Klänge unsere Erinnerungen kitzeln können. Bei einigen Soundeffekten und Musikstücken bauten sich sofort wohlige Bilder von damals auf, und ich wurde mit Erinnerungsfetzen gesegnet, die ich längst vergessen hatte.

Ja, mit rund 250 Franken war es insgesamt ein sehr teurer Spass, aber die Investition hat sich mehr als gelohnt. Jetzt liebäugle ich bereits mit der PC Engine Mini, während mein Geldbeutel schreiend davonrennt.

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Aus dem Archiv: Street Parade in den 90er Jahren
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