DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sie haben gut lachen: Das Revendo-Team in Basel steckt mitten drin im boomenden Geschäft mit gebrauchten und wiederaufbereiteten Smartphones und anderer Hardware.
Sie haben gut lachen: Das Revendo-Team in Basel steckt mitten drin im boomenden Geschäft mit gebrauchten und wiederaufbereiteten Smartphones und anderer Hardware.Bild: Revendo
Interview

Der Verkauf gebrauchter Handys boomt in der Schweiz – das musst du wissen

Was hat es mit dem hierzulande boomenden Handel mit sogenannten «Refurbished»-Geräten auf sich? Die Firma Revendo – Pionierin und Marktführerin – plaudert aus dem Nähkästchen.
18.11.2021, 19:0918.11.2021, 19:37

Revendos Geschäftsmodell basiert auf dem Wiederverkauf von iPhones und anderer gebrauchter Geräte. Und dieses Geschäft boomt in der Schweiz massiv, was nicht nur die Firmengründer freut, sondern vor allem auch die Umwelt.

2013 in Basel gegründet, ist das ehemals kleine Start-up zu einem einflussreichen Unternehmen mit Filialen in sieben Schweizer Städten herangewachsen. Im vergangenen Jahr folgte die Expansion ins europäische Ausland.

Das iPhone war in den Anfängen das wichtigste Produkt und ist es bis heute geblieben. In diesem Beitrag gehen Aurel Greiner und das Revendo-Team auf die wichtigsten Fragen ein in Zusammenhang mit Gebraucht-Handys und verraten bislang unbekannte Fakten zum Refurbished-Business.

Die neusten Trends

Zuletzt hat ja Comparis in seiner repräsentativen Smartphone-Studie bestätigt, dass die Schweizerinnen und Schweizer zunehmend bereit sind, teurere Smartphones zu kaufen, diese Geräte dann aber auch deutlich länger behalten möchten. Stellt Revendo ebenfalls eine solche Tendenz fest?
Auf den Preis bezogen eher nicht. Da sich die Preise der Neugeräte in den letzten Jahren stetig erhöht haben, hat sich auch die Erwartungshaltung der Konsumentinnen dementsprechend gewandelt. Bezüglich der Langlebigkeit ist aber auf jeden Fall eine solche Tendenz zu spüren. Dies bemerken wir mit jedem Jahr etwas mehr, seit der Gründung von Revendo 2013. Immer mehr Menschen möchten ein Gerät möglichst lange benutzen können. Dafür beim Kauf etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen ist daher naheliegend und natürlich auch eines unserer Argumente, die für eine nachhaltigere Nutzung eines Smartphones sprechen.

Upcycling statt Recycling
Beim Upcycling werden gebrauchte Geräte in einen möglichst guten Zustand gebracht, damit sie weiter genutzt werden, statt als Elektroschrott zu enden. Erklärtes Ziel von Revendo ist es, solche Refurbished-Handys und andere Hardware möglichst lang im Umlauf zu halten. Auf der Firmen-Website beschreibt das Schweizer Start-up die umweltfreundliche Philosophie. Mit dem Upcycling-Konzept wolle man «eine Alternative zur Wegwerfmentalität schaffen» und anregen, auch mal auf das allerneuste Gerät zu verzichten und dafür der Natur und Umwelt Sorge zu tragen.

Was geben Revendo-User im Durchschnitt für ein gebrauchtes iPhone aus?
Der Durchschnittspreis der verkauften iPhones liegt bei 385 Franken. (Durchschnitt aller verkauften iPhones in 2021).

Wie stark übertrifft die Nachfrage nach teuren und neuen Occasionen das Angebot?
Unserer Erfahrung nach nicht wirklich. Wer zu uns in eine Filiale kommt (oder unseren Online-Shop besucht) kann ein breites Sortiment an Geräten vorfinden, bei welchem meist auch neuere Geräte der aktuellsten Generation dabei sind. Wer unbedingt ein Neugerät kaufen will (und unser Sortiment kennt), kauft aber oft gar nicht erst bei uns ein. In den Filialen ist die Nachfrage nach solchen Geräten nicht sehr gross. Im Normalfall haben wir aber für jeden ein passendes Gerät.

Die populärsten Gebraucht-Handys bei Revendo

Welche Modelle (iPhone/Android) sind derzeit am populärsten, bzw. verkaufen sich am besten?
Die Top-Seller dieses Jahr sind:

  1. iPhone SE (2020) 64 GB Schwarz
  2. iPhone 7 128 GB Schwarz
  3. iPhone 8 64 GB Grau

* Daten vom 1. Januar bis 10. November 2021

Wie verkaufen sich gebrauchte neuere iPhones?
Die neueren Modelle wie iPhone 11, 12 oder 13 verkaufen sich zwar auch gut, aber nicht in den gleichen Mengen. Für die meisten Kundinnen und Kunden erfüllt ein 1- bis 6-jähriges Modell den gleichen Dienst wie das neuste Smartphone, kostet aber nur einen Bruchteil davon.

Die wichtigsten Entwicklungen im Schweizer Occasionsmarkt

Wie hat sich der Schweizer Markt für gebrauchte iPhones in den letzten zwei bis drei Jahren entwickelt?
Wir sehen anhand unserer Verkaufszahlen, dass von Jahr zu Jahr mehr gebrauchte Geräte gekauft werden. 2020 verkauften wir 34 Prozent mehr iPhones als 2019. Dieser positive Trend zeichnet sich dieses Jahr ebenfalls ab und wird auch die Folgejahre definitiv weiter ansteigen.

Das Geschäft mit Handy-Occasionen boomt, haben das auch grosse Unternehmen bemerkt?
Wir beobachten, dass die Konkurrenz gestiegen ist. Grossfirmen wie zum Beispiel Mobilezone oder Swisscom sind ins «Trade-In»- und «Refurbished»-Business eingestiegen. Dieser Trend hilft auch Revendo, wir dürfen z. B. für Digitec oder Interdiscount wiederaufbereitete Geräte bereitstellen.

Dass die Nachfrage nach gebrauchten Geräten stetig wächst, ist sicherlich einer der Hauptgründe, dass grosse Unternehmen hier Lösungen anbieten möchten.

Da der Handel mit gebrauchten, bzw. wiederaufbereiteten Geräten («refurbished») nicht ganz ohne ist, arbeiten Unternehmen in dieser Grösse meistens mit Partnern. Das führt allerdings zu schlechteren Rückkaufpreisen, da eine weitere Partei in den Prozess involviert ist. So kann der Rückkaufswert eines gebrauchten Gerätes im Vergleich Swisscom vs. Revendo bei einem identischen Produkt um den Faktor 2 variieren.

Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass das iPhone X (mit 256 GB internem Speicher, in Space Grau) bei Swisscom einen Erlös von 135 Franken abwirft, wobei Revendo für das identische Gerät bis zu 295 Franken bezahlt.

«Für uns spielt Apple aber vor allem mit der Qualität seiner Geräte und der Preiskultur eine Rolle.»

Diese Rolle spielt Apple

Was sind spannende aktuelle Trends beim Handel mit gebrauchten iPhones?
In erster Linie ist sehr interessant mitzuerleben, wie sich der Markt entwickelt, wie schnell (oder langsam) ein Gerät an Wert verliert und wie stetig mehr Menschen Interesse für ein gebrauchtes Produkt zeigen. Wir erleben mit den technischen Innovationen der Herstellerin Apple zum Beispiel auch ein Rückgang von Garantiefällen.

Was ist konkret damit gemeint?
Die Geräte werden stabiler gebaut als noch vor wenigen Jahren. Auch sind sie feuchtigkeitsresistenter und die Akkus bleiben heutzutage länger gut. Beim iPhone 7 hatten wir viele Akkureparaturen – beim iPhone X hingegen (zwei Geräte-Generationen neuer) kaum welche. Auch bei anderen Herstellern als Apple ist dieser Trend zu bemerken.

Wie hat sich der Wiederverkaufswert gebrauchter iPhones entwickelt?
Da der Wert eines iPhones am langsamsten (im Vergleich zu anderen Smartphones) fällt, haben sich die Preise in den letzten Jahren immer etwa gleich verändert. Ein neues iPhone wird vorgestellt, die Preise der Vorgänger fallen. Ziemlich linear (ausser im ersten Jahr des aktuellsten Modells, da ist der prozentuale Abfall am höchsten).

Welche Rolle spielt Apple in diesem Occasions-Markt?
Aktiv in der Schweiz kaum, bis jetzt. Das Unternehmen verkauft natürlich Refurbished-Geräte, aber noch keine iPhones. Für uns spielt Apple aber vor allem mit der Qualität seiner Geräte und der Preiskultur eine Rolle. Ein iPhone hält den Wert länger als jedes andere Smartphone, respektive verliert am wenigsten schnell an Wert. Aus diesem Grund setzen die meisten Händler in erster Linie auf Apple-Produkte.

Über den Zustand gebrauchter Handys

Was lässt sich generell zum Zustand der bei Revendo für den Wiederverkauf eingereichten iPhones sagen? Weisen diese auffällig viele Kratzer auf? Oder im Gegenteil, sehr wenige Spuren?
Wir erhalten alles Mögliche, von Geräten mit Displaybrüchen bis zu Geräten, die brandneu sind. Rund 70 Prozent der Geräte sind technisch einwandfrei und weisen keine bis normale Gebrauchsspuren auf. Die wenigsten sind brandneu.

Ca. 20 Prozent der Geräte weisen stärkere Gebrauchsspuren auf und/oder brauchen ein neues Display. Die restlichen 10 Prozent sind Geräte, die zu alt sind oder wir nur noch für den Gewinn von Ersatzteilen verwenden können.

Was ist mit «zu alten Geräten» gemeint?
Zu alt bedeutet hier, dass die aktuellste Softwareversion des Herstellers nicht mehr vom Gerät unterstützt wird und somit gewisse Apps und Funktionen eingeschränkt sind. Für solche Geräte können in der Schweiz kaum mehr Käufer gefunden werden.

Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht kommt bei jedem Produkt der Zeitpunkt, wo entschieden werden muss, ob das Produkt noch im Portfolio gehalten werden kann. Selbstverständlich müssen auch wir Geräte ins Recycling geben.

Was man beim Kauf eines neuen Handys beachten sollte

Was rät Revendo als Spezialist für Handy-Occasionen den watson-Usern, was sie beim Geräte-Neukauf beachten sollten, um einen möglichst hohen Wiederverkaufswert zu gewährleisten?
Ein Schutzglas und eine Hülle schützen das Gerät vor Beschädigungen und Gebrauchsspuren, was in jedem Fall einen besseren Verkaufspreis bedeutet. Zudem ist natürlich ein sorgfältiger Umgang mit dem Gerät zu empfehlen, denn Sturz- und Feuchtigkeitsschäden mindern den Wiederverkaufswert oder senken diesen auf null.

Empfiehlt es sich für Käufer eines Neugeräts, zusätzlich zum mechanischem Schutz eine Versicherung abzuschliessen, um später ein möglichst einwandfreies Gerät weiterverkaufen zu können?
Grundsätzlich ist ein zusätzlicher Schutz zu empfehlen. Im Falle des Falles kann mit einer abgeschlossenen Versicherung das Gerät für einen Selbstbehalt repariert oder ersetzt werden lassen. Beispielsweise bei einem Sturzschaden: Das Display auszutauschen kostet bei den aktuelleren Modellen um die 300 Franken. Eine Versicherung für 12 Monate kostet ca. 180 Franken (je nach Kaufpreis des Geräts / Anbieter der Versicherung). Der Selbstbehalt liegt meistens bei 50 Franken, somit wäre eine Displayreparatur mit Versicherung rund 70 Franken günstiger als ohne Versicherung.

Wenn man aber ein Schutzglas und eine Hülle benutzt und sorgfältig mit dem Gerät umgeht, ist eine Versicherung für den Wiederverkauf nicht ausschlaggebend. Weiter inkludieren heute viele Hausratsversicherungen standardmässig Smartphones. Im schlimmsten Fall ersetzt eine Versicherung z.B. für einen Selbstbehalt von 100 Franken ein Gerät, das über 1000 Franken gekostet hat.

Populäre Farben und Speicherausstattungen

Welche Farben sind am populärsten bei Revendo?
Auf jeden Fall Schwarz / Space Grau, gefolgt von Silber.

Und welche Arbeitsspeicher-Bestückungen sind beim iPhone zu empfehlen, wenn man es später verkaufen will?
Grundsätzlich spielt der Speicher im Wiederverkauf keine Rolle. Natürlich gibt es für ein Gerät mit mehr Speicherplatz mehr Geld, es kostet aber auch mehr beim initialen Kauf. Im Verkauf haben wir Abnehmer für alle Farben und Speicher, es gibt kein Modell, das sich gar nicht verkaufen lässt.

«Wenn ein Neugerät geöffnet wird, verliert es ab diesem Zeitpunkt prozentual am meisten an Wert innerhalb des ersten Jahres.»

Wie gut verkaufen sich iPhones in günstigster Ausführung, sogenannte Basismodelle?
Sehr gut. Wie bereits erwähnt sind zwei unserer drei Top-Seller diejenigen Modelle in der Basisausstattung.

Für den Durchschnittsbenutzer reicht oft die kleinste Speicherkapazität. Da die Speichergrössen von Jahr zu Jahr grösser werden, ist auch jeweils das Basismodell mit immer mehr Speicher bestückt. Beispielsweise vor sechs Jahren, als das iPhone 7 rauskam, war die kleinste Speichergrösse 32 GB. Heute, beim iPhone 13, ist die kleinste Variante viermal so gross, also 128 GB. Weiter greifen viele Kunden auf eine Cloud-Lösung zurück, welche je nach Abo unendlich erweiterten Speicher anbieten.

Über den optimalen Zeitpunkt, ein gebrauchtes Gerät zu verkaufen

Nach wie vielen Jahren Gebrauch empfiehlt es sich, ein iPhone an Revendo zu verkaufen, wenn man nicht nur einen guten Preis erzielen möchte, sondern auch die Umwelt schonen, bzw. nachhaltig agieren möchte?
Das eine ist theoretisch gesehen nicht mit dem anderen vereinbar. Wenn man möglichst ökologisch handeln möchte, benutzt man sein Gerät so lange, bis es den Geist aufgibt und lässt es dann reparieren (falls technisch möglich).

Wenn ein Neugerät geöffnet wird, verliert es ab diesem Zeitpunkt prozentual am meisten an Wert innerhalb des ersten Jahres. Danach verlangsamt sich der Wertverlust. Grundsätzlich empfiehlt es sich, ein Gerät möglichst lange zu benutzen, mit Schutzglas und Hülle zu schützen und sorgfältig damit umzugehen. Denn so schont man nicht nur die Umwelt, sondern auch sein Portemonnaie.

Habt ihr abschliessend noch andere Tipps, die den Occasionshandel mit iPhones betreffen und für unsere Userinnen und User interessant sind?
Verkauft eure ungenutzten Geräte so schnell wie möglich, ihr werdet sie höchstwahrscheinlich nie als Ersatzgerät benötigen und sie gewinnen definitiv nicht an Wert. Ihr profitiert finanziell so am meisten und helft zudem dabei, ein weiteres Gerät länger im Umlauf zu halten und somit wichtige Ressourcen zu schonen.

Die Fragen wurden per E-Mail beantwortet, von Lorenz Wyler, Pricing Manager bei Revendo in Basel.

Quellen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Was taugt das Mini-iPhone? Das iPhone SE im Test

1 / 12
Was taugt das Mini-iPhone? Das iPhone SE im Test
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Recycling in der Schweiz? Das werde ich nie beherrschen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Die populärsten iPhone-Apps im zweiten Corona-Jahr lassen tief blicken
Zum Jahresende «verrät» Apple jeweils die beliebtesten Apps. 2021 ist die Schweizer Corona-Warn-App aus den Top 10 gefallen, dafür hat's eine berüchtigte Schwurbler-App reingeschafft.

Apple hat am Donnerstag seine App-Charts für das zweite Corona-Jahr (2021) bekannt gegeben. Die populärste kostenlose iPhone-App hierzulande sei die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) herausgegebene Zertifikats-App.

Zur Story