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Bundesrat Ueli Maurer spricht an einer Medienkonferenz zu Covid 19 Massnahmen, am Mittwoch, 27. Januar 2021, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Bundesrat Ueli Maurer präsentierte sich früh als SwissCovid-Verweigerer. Nun hat watson nachgefragt, ob er die App, die dazu beiträgt, die Covid-19-Kosten zu senken, installiert hat. Bild: keystone

Analyse

Das sind die brennendsten neuen Fragen (und Antworten) zur SwissCovid-App

Um die Corona-Warn-App ist es ruhig geworden. Angesichts der Virusvarianten und der bevorstehenden Lockerungen wurde es Zeit, beim Bund nachzuhaken.



Wie gehts mit SwissCovid weiter? watson hat beim Kommunikations-Verantwortlichen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) nachgefragt. Neben SwissCovid-Sprecher Marco Stücheli hat auch der App-Entwicklerchef Mathias Wellig (Ubique AG) aufschlussreiche Antworten geliefert.

Ist SwissCovid ein Flop?

Nein, das sehen die Verantwortlichen anders und geben sich betont optimistisch, wenn man sie fragt.

Die App habe fast 1,8 Millionen aktive User. Vor allem aber helfe sie seit Juni 2020, Infektionsketten zu unterbrechen, und habe schwere Krankheitsverläufe und Tote verhindert.

«Wir haben inzwischen fast 70'000 positiv getestete User, die sich in der App gemeldet haben und so andere Leute frühzeitig warnen konnten.»

Mathias Wellig, SwissCovid-Entwicklerchef

Marco Stücheli vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), zuständig für die SwissCovid-Kommunikation, sagt:

«Wir sind mit der Anzahl Nutzerinnen und Nutzer grundsätzlich zufrieden. Die Benutzung der App basiert auf Freiwilligkeit und Solidarität. Mit der SwissCovid-App stellt das BAG den Bürgern ein Werkzeug zur Verfügung, das die Infektionsketten unterbricht und die Menschen schützt.»

Ist die App ein Intelligenztest?

Ja, das ist sie, in gewisser Weise.

Der Intelligenztest umfasst nur zwei Fragen:

1. Nutzt man ein kostenloses Hilfsmittel und trägt dazu bei, die Corona-Krise zu bewältigen?

2. Warnt man unbekannte Dritte, nachdem man sich angesteckt hat?

SwissCovid ist ein Indikator für die Solidarität, die seitens der Schweizer Bevölkerung besteht. Denn von der App profitiert man indirekt, indem andere anonym gewarnt werden. Man hilft, unbemerkte Infektionsketten schnell zu unterbrechen. Das wirkt sich positiv für die ganze Gesellschaft aus.

Was durch wissenschaftliche Studien bewiesen wurde: Je mehr Leute die App nutzen, desto grösser die Wirkung.

Konnte Ueli Maurer die App installieren?

Das scheint eine schwierige Frage zu sein. watson wartet seit Tagen auf die Antwort des SVP-Bundesrates.

Die Frage, die watson an das Eidgenössische Finanzdepartment, bzw. dessen Vorsteher, gerichtet hat, lautet:

«Die SwissCovid-App hilft ja nachweislich, Infektionsketten zu unterbrechen und damit auch die Schäden durch Covid-19 zu begrenzen. Wie hält es Herr Maurer, der sich letzten Sommer skeptisch geäussert hatte, nun mit der App?»

Braucht es mehr Aufklärung?

Mehr Aufklärung kann nie schaden und kommt die Schweiz in jeder Hinsicht weniger teuer zu stehen – sei dies bezüglich menschlicher oder wirtschaftlicher Opfer und Schäden. Von dem her ist dem Blogger «Opa Köbi» beizupflichten:

«Wir sollten mehr Werbung machen für diese App. Und sie besser erklären. Der Aufwand, die App zu installieren, ist winzig klein. Es ist ein Beitrag, den jeder leisten kann, ohne jegliche Unannehmlichkeiten, ohne Verzicht, ohne Kosten und ohne Datenschutzbedenken ...»

quelle: opakoebi.medium.com

Zur Erinnerung: Die App ist gratis bzw. kostet nur ein paar Prozent der täglichen Akkuleistung. Man muss keine persönlichen Informationen preisgeben und die Nutzung erfolgt anonym. Der Staat erhält dadurch keine Daten.

Wird die App wegen der Virusvarianten angepasst?

Dazu Marco Stücheli vom BAG:

«Solange sich die Methoden des Contact-Tracings nicht ändern oder sich die epidemiologischen Erkenntnisse nicht verändern, ist es nicht nötig, auf der App die Funktionsweise bzw. Parameter anzupassen.»

Zur Bestimmung von Risikokontakten gilt weiterhin die Faustregel, dass man sich innert 24 Stunden während mindestens 15 Minuten in der Nähe von infizierten Personen aufgehalten haben muss. Und das in einer Distanz von rund 1,5 Metern, die mittels Bluetooth-Signalstärke geschätzt wird.

Oder aber man hatte innerhalb eines Tages Kontakt mit mehreren infizierten Personen: Mit jeweils weniger als 1,5 Meter Abstand, während weniger als 15 Minuten pro Person, jedoch gesamthaft während mehr als 15 Minuten.

Sind 15 Minuten zu lang?

Kritiker meinen, die Mindest-Zeitdauer von 15 Minuten (für einen Risikokontakt) sei zu lang und müsste verkürzt werden, da es auch schon bei viel kürzeren Kontakten zu Ansteckungen kommen dürfte. Wie beurteilt das BAG dies?

Dazu Marco Stücheli:

«Die Festlegung auf eine bestimmte Zeitdauer ist aus epidemiologischer Sicht immer schwierig. Eine erfolgreiche Übertragung kann nach wenigen Minuten oder aber erst nach Stunden eines engen Kontaktes erfolgen.»

Ausgehend von wissenschaftlichen Erkenntnissen bzw. epidemiologischen Überlegungen seien 15 Minuten als wahrscheinlichster Wert für die Mindest-Zeitdauer festgelegt worden durch das Bundesamt für Gesundheit.

Obacht! Nur weil die App keinen Warnhinweis anzeigt, darf man sich nicht falscher Sicherheit wiegen. Man könnte trotzdem infiziert sein und symptomlos andere anstecken. Darum sind alle Corona-Vorsichtsmassnahmen wie das Tragen von Hygienemasken und Abstandhalten wichtig.

Werden Covidcodes schnell genug eingegeben?

Bei über 50 Prozent der Fälle verstreichen (gemäss BfS-Webseite) 2 bis 4 Tage zwischen Symptombeginn und Übermittlung der Covidcodes. Wie beurteilt das BAG dies?

Dazu teilte Marco Stücheli watson Anfang Februar mit, 2 bis 4 Tage seien «ein sehr guter Wert». Und er verweist auf die Ergebnisse der neusten Studie von Prof. Viktor von Wyl der Universität Zürich dazu («Schnelle Warnung»: UZH-News – Swiss-Covid-App zeigt Wirkung)

Welche Verbesserungen sind für die App geplant?

Aktuell keine.

Dazu Marco Stücheli vom BAG:

«Technisch gesehen braucht es keine Verbesserungen, da die App funktioniert. Neue Funktionen sind aktuell nicht vorgesehen. Eine gute Neuigkeit ist die Verfügbarkeit für iPhones 5S und 6 mit dem Update auf iOS 12.5.»

Wie werden die SwissCovid-Prozesse verbessert?

Was wurde und wird unternommen, um die schweizweiten Prozesse (Bund-Corona-Hotline-Kantone) weiter zu verbessern? Dazu teilt der BAG-Verantwortliche mit:

«Durch das Onboarding weiterer Stellen auf das Code-Generierungs-System konnten die Contact-Tracing-Stellen entlastet werden. Und durch die Einführung des Leitfadens konnten die Wartezeiten auf der Hotline drastisch verkürzt werden. Auch die Machine-to-Machine Code-Generierung konnte zwischenzeitlich etabliert werden. Das waren die beiden grössten Optimierungspotenziale, welche umgesetzt werden konnten.»

Dazu muss man wissen, dass SwissCovid-Nutzer bei einer Meldung über eine mögliche Ansteckung seit Anfang Dezember 2020 gebeten werden, vor einem (nicht zwingend erforderlichen) Anruf auf die Infoline einen Web-Leitfaden zu lesen und einige Fragen online zu beantworten.

Der Fragebogen befand sich Anfang Februar in einer Anpassungsphase und hat gemäss SwissCovid-Sprecher das Ziel, die Hotline zu entlasten. Eine Auswertung der Inhalte finde nicht statt, teilt Stücheli mit: «Grundsätzlich haben wir die Erkenntnis gewonnen, dass die meisten Leute den Leitfaden ausfüllen und nicht die Hotline anrufen.»

Mit dem Onboarding ist gemeint, dass neben den Kantonsärzten bzw. den Contact-Tracing-Teams auch andere Stellen wie testende Ärzte, Spitäler, Apotheken Covidcodes generieren können, was die Contact-Tracing-Teams entlaste.

Wird ein digitaler Impfpass in die App integriert?

Nein. Dafür bestehen keine Pläne.

Einschätzung des Redaktors:

Corona-Warn-Apps scheinen ihren Nutzern auf den ersten Blick keinen direkten Nutzen zu bringen. Das lässt die Verantwortlichen in verschiedenen Ländern (auch der Schweiz) darüber nachdenken, wie die Attraktivität gesteigert werden kann, um noch mehr Nutzer zu gewinnen. In Österreich beispielsweise wird geprüft, ob Test-Nachweise oder sogar der Impfnachweis in die App integriert werden können.

Dass solche Zusatzfunktionen bei SwissCovid überhaupt möglich wären, ist zu bezweifeln. Der Zweck der App ist im (geänderten) Epidemiengesetz relativ eng umschrieben. Zudem punktet die App mit hohen Datenschutz-Standards und der absoluten Freiwilligkeit. Diese wäre nicht mehr gegeben, wenn man sie etwa für Flugreisen installieren müsste.

Bleibt SwissCovid freiwillig?

Ja.

Einschätzung des Redaktors:

Ein App-Zwang kommt aus rechtlichen Gründen nicht infrage und wäre Gift für die Akzeptanz. Vielmehr sollte der Bund das Vertrauen in die neuartige Technologie stärken und verunsicherte respektive schlecht informierte Bevölkerungskreise über alle Kanäle ansprechen und ermutigen, die nach hohen Datenschutz-Standards entwickelte App zu nutzen.

Wann funktioniert SwissCovid im Ausland?

Das ist weiterhin unklar.

Die sogenannte Interoperabilität ist technisch gelöst, wie der SwissCovid-Entwicklerchef schon 2020 bestätigte. Ungelöst sind hingegen die politischen Grabenkämpfe Konflikte der Schweiz mit der Europäischen Union (EU). Es sieht ganz danach aus, dass die EU-Kommission bewusst blockiert. Mittlerweile ist die technische Infrastruktur (Server) vorhanden, damit rund ein Dutzend nationale Corona-Warn-Apps in Europa auch grenzübergreifend funktionieren. Doch SwissCovid konnte bislang nicht eingebunden werden, was speziell wegen der Grenzgänger eine unhaltbare Situation darstellt.

Die offizielle Stellungnahme seitens BAG:

Für eine Teilnahme der Schweiz am Datenabgleichsdienst der EU für Kontaktnachverfolgungs- und Warn-Apps fehlt eine Rechtsgrundlage. Eine mögliche Alternative sind bilaterale Kooperationen mit anderen Ländern. Das BAG prüft diese Möglichkeit derzeit und steht mit verschiedenen Ländern in Kontakt. Allerdings müssen komplexe technische und juristische Fragen geklärt werden. Insbesondere ist es wichtig, dass auch bei einer allfälligen internationalen Zusammenarbeit die hohen Ansprüche der SwissCovid App im Bereich des Schutzes der Privatsphäre etc. eingehalten werden.

Marco Stücheli, SwissCovid-Sprecher

Aus gut unterrichteten Kreisen ist zu vernehmen, dass zumindest mit Deutschland ein Abkommen möglich sein sollte, so dass SwissCovid hoffentlich spätestens im Sommer 2021 mit der deutschen Corona-Warn-App harmoniert.

Quellen

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