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FILE - This July 8, 2018 photo shows Tesla 2018 Model 3 sedans sit on display outside a Tesla showroom in Littleton, Colo. Late last year, Tesla Inc. was fully charged and cruising down the highway on Autopilot. Shares were trading above $370 each, sales of the Model 3 small electric car were strong and the company had appointed a new board chair to rein in the antics of CEO Elon Musk. But around the middle of December 2018, investors started having doubts about the Wall Street darling’s prospects for continued growth. The stock started a gyrating fall that was among the worst in company history.  (AP Photo/David Zalubowsi, File)

Tesla will diesen Monat das zehntausendste Auto in der Schweiz ausliefern, doch die Konkurrenz lauert. Bild: AP/AP

Bei Tesla läuft's, aber wo bleiben die Deutschen?

Das Model 3 verkauft sich gut – sogar sehr gut. Die grosse Frage ist jedoch, was passiert, wenn 2020 europäische Autobauer in grosser Zahl mit günstigeren Elektroautos auf den Markt drängen.



Die Tesla-Neuzulassungen in der Schweiz sind von Januar bis Mai 2019 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Vierfache gestiegen. Doch der Wettbewerb für die Elektromarke des unberechenbaren Milliardärs Elon Musk, die lange vor allem wegen Lieferproblemen im Gespräch war, wird härter.

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Bislang sieht es für Tesla dennoch gut aus. Das neue Model 3 ist bei uns ein Verkaufsrenner. Es liegt in der temporären Jahreshitparade auf Rang 4, obwohl es erst ab Ende Februar ausgeliefert wurde.

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Teslas Model 3 ist das einzige E-Auto in den Top 10.

Im März führte der Autobauer die Verkaufszahlen in der Schweiz sogar an. Das Model 3 war mit 1094 Einheiten das meistverkaufte Auto. Zum ersten Mal liess ein E-Auto in der Schweiz alle Verbrenner hinter sich. Das hing aber auch damit zusammen, dass der Mittelklassewagen erst drei Jahre nach seiner Vorstellung lieferbar war und nun viele Vorbestellungen ausgeliefert werden.

Auch im April fungierte das Model 3 mit 495 Fahrzeugen in den Top Ten der zugelassenen Neuwagen – im Mai wurden noch 195 Teslas ausgeliefert (davon 125 Model 3). Damit kommt Tesla nach fünf Monaten dieses Jahres auf einen Marktanteil von 1.8 Prozent im Schweizer Neufahrzeugmarkt, wie die neusten detaillierten Zahlen von Auto-Schweiz zeigen.

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3,7 Prozent der in den ersten fünf Monaten verkauften Autos waren reine E-Autos. Alternative Antriebe kommen insgesamt auf 10,4 Prozent.

Der amerikanische Autobauer bewegt sich damit etwa auf Augenhöhe mit Subaru, Nissan oder Citroën. Platzhirsch ist laut den Statistiken des Importeurverbands Volkswagen mit einem Marktanteil von 11.4 Prozent, vor Mercedes-Benz und Skoda mit je 8.1 Prozent sowie BMW (7.7%).

Marktanteile der Automarken in der Schweiz: Vergleich Mai 2019 mit dem Vorjahresmonat

Im Mai 2019 hatte Tesla bei uns einen Marktanteil von 0,7 Prozent, im Mai 2018 waren es erst 0,2 Prozent.

Tesla ist bei uns im Aufwind, aber die Feuerprobe steht noch bevor. Bisher gab es im E-Auto-Markt nur wenig Konkurrenz und schon gar nicht auf dem gleichen Level. Das dürfte sich bald drastisch ändern. In China, dem mit Abstand wichtigsten Markt für E-Autos, hat sich eine konkurrenzfähige Elektroauto-Industrie entwickelt – und nun sind auch die Europäer erwacht.

Dass die Deutschen hervorragende Ingenieure sind, ist unbestritten. Ihnen zuzutrauen, einen Rückstand rasch aufholen zu können, keine gewagte Prognose. Tesla hingegen ist in der Massenproduktion noch relativ unerfahren und hatte Anfang Jahr entsprechend Mühe, den Auslieferungsbeginn des Model 3 nach Europa und China zu stemmen. Die Probleme führten dazu, dass vom Model 3 gegenüber dem Vorquartal rund 20 Prozent weniger Modelle vom Band liefen.

Tesla sei gar «in einer Abwärtsspirale gefangen», schrieb die NZZ vor Kurzem: Der Grund für die dramatischen Töne: Elon Musk selbst warnt vor Kapitalengpässen. In zehn Monaten könne Tesla das Geld ausgehen, wenn nicht «Hardcore»-Änderungen eingeleitet würden, schrieb Musk in einer E-Mail an die eigene Belegschaft. Seine Firma verbrennt immer noch viel Geld und am populären Model 3 verdient Tesla weniger als am teureren Model S, das immer weniger gefragt ist.

Kopfschmerzen könnte Musk auch Trumps Handelsstreit mit China bereiten: China soll für Tesla zum wichtigsten Absatzmarkt werden. Gleichzeitig stampft man in Shanghai gerade eine dritte Gigafactory aus dem Boden. Die Fabrik soll 500'000 Teslas pro Jahr produzieren. Schlägt die Regierung in Peking mit Strafzöllen zurück und nimmt im Riesenreich die Anti-US-Stimmung zu, könnte dies Tesla hart treffen.

Konkurrenz im Anmarsch

Die gesamte deutsche Autoindustrie investiert allein in den kommenden drei Jahren über 40 Milliarden Franken in alternative Antriebe und verdreifacht das E-Auto-Angebot auf rund 100 Modelle.

Tesla werde daher das angeschlagene Tempo nicht halten können, meint Auto-Schweiz-Präsident François Launaz. Der Hauptgrund: «Ab 2020 wird der Wettbewerb mit dem Inkrafttreten einer neuen europäischen Norm, die die CO2-Emissionen von Neuwagen auf 95 Gramm pro Kilometer begrenzt, deutlich verschärft», erklärte Launaz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Die klassischen Autohersteller können die Vorgaben nur einhalten, wenn sie ihre Flotten rasch auf E-Autos umstellen. Ansonsten hagelt es saftige Bussen.

Daher würden demnächst europäische Autobauer in grosser Zahl mit eigenen Elektroautos auf den Markt drängen, um die strengeren Klimaschutzauflagen zu erfüllen. «Und es ist zweifelhaft, ob die Schweizer Konsumenten Tesla gegenüber den deutschen Herstellern bevorzugen werden», sagte Launaz.

VW hat Baukastensystem für Elektroautos entwickelt

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Der VW ID.3 soll ab 2020 der Golf für das Elektrozeitalter werden.

VW hat sich viel Zeit gelassen, kommt nun aber mit einem vielversprechenden Baukastensystem für Elektroautos. Die Deutschen planen auf der sogenannten MEB-Plattform bis zu zehn unterschiedliche Modelle zu bauen, die wohl von ID.1 (Kleinstwagen) bis ID.10 (Limousine oder SUV) durchnummeriert werden. Die modulare E-Auto-Plattform soll zudem an andere Auto-Hersteller lizenziert werden, was die Kosten senken würde. Mit dem Baukastensystem für diverse E-Autos sei VW anderen Marken wie Toyota deutlich voraus, glauben Branchenkenner.

Der Anfang Mai präsentierte «ID.3» soll der Golf für das Elektrozeitalter werden. VW nimmt bereits Vorbestellungen für das E-Auto entgegen, das in der kleinsten Version weniger als 30'000 Franken kosten soll. Rechnet man die langfristigen Ersparnisse durch tiefere Energiekosten, günstigeren Unterhalt und die allenfalls verbilligte Versicherung bei E-Autos mitein, dürfte der ID.3 für viele Menschen erschwinglich werden.

Die Reichweiten variieren je nach Modell von 330 bis zu 550 Kilometern nach WLTP. Die Produktion der ID-Modellfamilie soll Ende 2019 im VW-Werk Zwickau beginnen, wo derzeit der Umbau zur ersten E-Auto-Fabrik läuft. Die ersten Modelle sollen dann Mitte 2020 auf den Strassen rollen.

Die limitierte Premieren-Edition mit einer Reichweite von 420 Kilometern wurde laut VW bislang über 20'000 Mal vorbestellt. Künftig will Volkswagen rund 100'000 ID.3 pro Jahr produzieren.

Opel will bis 2020 vier neue E-Autos auf den Markt bringen

Die Kosten für den Corsa-e will Opel für das ab 30'000 Euro teure Modell dadurch im Zaum halten, dass der Elektro-Corsa die Antriebsplattform der Schwestermodelle Peugeot 208 und Citroen C3 des französischen Mutterkonzerns PSA nutzt. Neben dem Corsa soll auch das SUV Mokka mit Stromantrieb kommen.

Noch im laufenden Jahr gehen zudem der Mercedes EQC, BWMs Mini E, der Audi e-tron Sportback und der Porsche Taycan an den Start. Daimler allein will bis 2022 mindestens zehn E-Autos auf den Strassen haben.

Zumindest geben die Deutschen nun Gas: Erst gestern hat VW angekündigt, in Europa bis 2025 36'000 Ladestationen aufbauen zu wollen. Bereits 2017 hat Volkswagen gemeinsam mit BMW, Daimler und Ford die gemeinsame Firma IONITY gegründet, um in Europa ein Netz öffentlich zugänglicher Schnellladestationen entlang der Hauptverkehrsachsen aufzubauen. Die Ladestationen werden unter anderem von ABB produziert.

Im März hat sich Volkswagen für die kommende Elektroauto-Welle Batterielieferungen im Wert von 25 Milliarden Franken gesichert. Zur langfristigen Sicherstellung der Versorgung mit Akkus baut VW zudem eine eigene Batteriezellfertigung auf. Auch hier kann VW seine Grössenvorteile ausspielen: Zum Konzern zählen die Marken Seat, Škoda und Audi sowie die Luxusmarken Bentley, Bugatti, Ducati (Motorräder), Lamborghini und Porsche. Je mehr Batterien VW kauf bzw. produziert, desto günstiger werden die Stückpreise.

Ob die späte E-Auto-Offensive der deutschen Autobauer nun endlich fahrt aufnimmt, muss sich aber erst noch zeigen.

Bald rollt der 10'000ste Tesla in der Schweiz

Bei Tesla läuft vieles anders als bei klassischen Autoherstellern: Die amerikanische Marke ist nicht Mitglied des Verbands Auto-Schweiz und zeichnet sich durch ihre sehr direkte Herangehensweise an den Endkunden aus: Bestellungen sind nur über das Internet möglich und eine Zusammenarbeit mit externen Werkstätten existiert nicht.

Trotzdem hat Tesla selbst keine Angst vor dem Aufkommen neuer europäischer Hersteller auf dem Elektroauto-Markt. Die Entwicklung der Elektrizität und der damit verbundenen Infrastrukturen werde allen zugutekommen und es gebe Platz für jede Marke, sagte ein Tesla-Sprecher zu AWP.

Darüber hinaus verfüge Tesla über die beste Ladeinfrastruktur und die längste Akkulaufzeit unter den «Elektrischen», argumentierte der Firmenvertreter.

Teslas Model 3

Während heute das Modell 3 (dessen Preis zwischen 47'200 und 66'700 Franken liegt) den überwiegenden Teil der verkauften Teslas ausmacht, hat sich der Autobauer bereits ab 2009 in der Schweiz mit dem Roadster, dann dem Modell S sowie schliesslich dem Modell X etabliert. In diesem Monat soll nun das 10'000ste Tesla-Fahrzeug in der Schweiz verkauft werden.

(oli/sda/awp)

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Der Polizei-Tesla sind im Einsatz

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108 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Finöggeli
07.06.2019 09:32registriert June 2015
Ich finde es gut, dass Tesla der deutschen Autoindustrie so richtig ins A**** tritt. Sonst würden die sich niemals ernsthaft auf das Thema E-Auto zubewegen sondern wäre immer nur ein Nischenprodukt geblieben. Danke Tesla
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Teslaner
07.06.2019 09:48registriert April 2015
Nur weil die deutschen Hersteller umstellen heisst das ja nicht, dass niemand mehr einen Tesla kauft. Tesla ist der Konkurrenz ziemlich voraus
- Bedienung im Fahrzeug modern
- Energieeffizienz und trotzdem Power
- Ladeinfrastruktur weit ausgebaut
- Autonomes Fahren im Anmarsch
Macht mal eine Probefahrt in einem Tesla und einem neuen Audi eTron. Das sind Welten. OK der Audi ist ein bisschen leiser wegen Doppelverglasung 🤷‍♂️
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DerHans
07.06.2019 09:42registriert February 2016
E-Autos von etablierten Herstellern, konkurrenzieren in erster Linien mit den Verbrennern aus dem selben Hause. Bis der Rückstand auf Tesla aufgeholt wird werden noch einige Jahre vergehen, da nützen auch keine astronomische Investitionen.
Aber was schreib ich hier Tesla ist ja pleite, also ihn einem Monat, also spätestens 2020, ich meine irgendwann bestimmt.
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108

OMG! «Knight Rider» wird neu verfilmt! Und welches Auto soll der neue K.I.T.T. sein?

Welcher Göppel könnte den ikonischen Trans Am ersetzen? Ich hätte da ein paar Vorschläge ...

Jubelt! Denn jüngst macht in Hollywood die Nachricht die Runde, dass es eine Kinoverfilmung von «Knight Rider» geben soll! Produzieren wird «Aquaman»-Regisseur James Wan, so viel ist bekannt ... und sonst sehr wenig. Nicht, wer Michael Knight spielen soll und somit Nachfolger unser aller David Hasselhoff werden wird, etwa. Und auch nicht, welches Automodell der Knight Industries Two Thousand sein soll, dass gewissermassen die zweite Hauptrolle der kultigen Ur-Serie (1982-1986) spielte.

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