Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
DJ Koh, Samsung President and CEO of IT and Mobile Communications, talks about the new Samsung Galaxy Fold smartphone during an event Wednesday, Feb. 20, 2019, in San Francisco. (AP Photo/Eric Risberg)

Da war die Welt noch in Ordnung: Samsung-Chef DJ Koh bei der Präsentation des Galaxy Fold im Februar. Bild: AP

Samsungs PR-Desaster – so schlimm sind die kaputten Falt-Handys wirklich

Das Galaxy Fold sorgt kurz vor der Lancierung wegen Display-Defekten für Schlagzeilen. Droht dem Hersteller gar ein neuer Super-GAU? Eine Einordnung.



Was ist passiert?

Mehrere Tech-Journalisten und renommierte Gadget-Tester berichteten am Mittwoch über Display-Defekte beim Galaxy Fold, das sie Anfang Woche erhalten hatten:

Wie Blick Online zusammenfasst, lassen sich drei Probleme unterscheiden, die nach aktuellem Erkenntnisstand nicht auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen sind:

Ist das Display-Scharnier das Problem?

Zumindest bei einem Testgerät könnte es einen Defekt beim Scharnier-Mechanismus gegeben haben (siehe oben).

Allerdings soll sich das Galaxy Fold gemäss einem Video des Herstellers problemlos 200'000 Mal auf- und wieder zuklappen lassen. Dies sei mit Robotern getestet worden.

Glaubte Samsungs Unternehmensführung wirklich, dass diese maschinellen Laborversuche die gnadenlosen Belastungstests durch neugierige Menschenhände ersetzen?

Analysten sind der Ansicht, dass Fehlfunktionen der ersten Charge eines Testmodells wenig überraschend sind. Das einklappbare Smartphone könnte sich aber auch als weniger haltbar entpuppen. «Das Einklappen ist schwieriger als das Ausklappen, da die Bildschirme dadurch stärker belastet werden», sagte Analyst Park Sung-soon von BNK Securities laut einer Meldung der Nachrichtenagentur SDA.

Wie schlimm sind die aufgetretenen Defekte?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen.

Der Image-Schaden dürfte beträchtlich sein für Samsung. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Das Galaxy Fold steht kurz vor dem Verkaufsstart. Am 26. April sollte es laut Ankündigung in den USA in den Handel kommen und hierzulande vorbestellt werden können.

Fakt ist: Die Probleme traten nur bei Testgeräten in den USA auf. Zu den wenigen an europäische Journalisten und Blogger abgegebenen Exemplaren sind keine Fehler bekannt.

Wie reagiert Samsung?

Der südkoreanische Konzern hat eine Untersuchung der kaputt gegangenen US-Testgeräte angekündigt.

Samsung USA gab nach anfänglichem Schweigen eine schriftliche Stellung ab, die in der Folge von Samsung Schweiz ins Deutsche übersetzt wurde. Sie lautet:

«Eine limitierte Anzahl an Galaxy Fold wurde Medienvertretern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Wir haben einige Berichte über das Display dieser Testgeräte erhalten. Wir werden sie einer gründlichen Untersuchung unterziehen, um die Ursache zu ermitteln.

Darüber hinaus berichteten einige Tester, dass sie die oberste Folie des Displays entfernt hatten, was zu Schäden am Bildschirm führte. Das Hauptdisplay des Galaxy Fold verfügt über eine obere Schutzfolie, die Teil der Display-Struktur ist, die den Bildschirm vor unbeabsichtigten Kratzern schützt. Das Entfernen der Schutzschicht oder das Aufkleben weiterer Schutzfolien auf das Hauptdisplay kann zu Schäden führen. Die Verpackung des Galaxy Fold wird deutlich darauf hinweisen, dass die Displayschutzfolie nicht entfernt werden soll.»

quelle: blick.ch

Gadget-Tester Lorenz Keller vom «Blick» erinnert daran, dass Samsung in einem ersten Statement noch den Eindruck erweckt habe, die Tester hätten die Warnhinweise übersehen. Jedoch hätten die Unbox-Videos von diversen Tech-Journalisten gezeigt, dass die Warnung vor dem Entfernen der Folie bei den Test-Geräten noch fehlte.

Wird der Verkaufsstart verschoben?

Nein. Die Journalistin Joanna Stern twitterte, Samsung halte am geplanten US-Verkaufsstart am 26. April fest.

In der Schweiz sollen die ab dem 26. April vorbestellbaren Geräte ab dem 3. Mai ausgeliefert werden.

Droht ein Debakel wie beim Galaxy Note 7?

Nein. Samsung produziert das viel teurere Falt-Smartphone in deutlich kleineren Stückzahlen. Zudem ist überhaupt nicht sicher, dass es gravierende Produktionsfehler gibt.

Beim Galaxy Note 7 traten nach der Markteinführung massive Probleme auf. Einzelne Geräte überhitzten und fingen an zu brennen. In Medienberichten war von explodierenden Akkus die Rede, so dass sich Fluggesellschaften veranlasst sahen, ein allgemeines Transportverbot zu verhängen.

Samsung musste Design- und Produktionsfehler beim Akku einräumen und weltweit alle Geräte zurückrufen. Nicht nur der Verkauf, sondern die gesamte Produktion des Phablet-Flaggschiffs wurde Knall auf Fall eingestellt. Der wirtschaftliche Schaden für das Unternehmen betrug gemäss Schätzung der Credit Suisse bis zu 17 Milliarden US-Dollar.

Wird das Galaxy Fold ein Flop?

Bislang deutet nichts darauf hin. Im Gegenteil.

Aus den USA wurden viele Vorbestellungen gemeldet. Der Hersteller verschickte E-Mails an Nutzer, die eine Vorbestellung abgeben wollten. Darin entschuldigt man sich dafür, dass das faltbare 2080-Franken-Smartphone «aufgrund der überwältigenden Nachfrage» ausverkauft sei.

Allerdings war dies noch vor Bekanntwerden der Display-Probleme bei den Testgeräten von US-Journalisten.

Kann das beim Huawei Mate X auch passieren?

Auszuschliessen ist es nicht.

Wobei beim ersten Falt-Smartphone des chinesischen Samsung-Konkurrenten, das im Sommer lanciert werden soll, ein anderer Mechanismus zum Tragen kommt. Die beiden Bildschirmhälften werden nach aussen zugeklappt.

Das Huawei Mate X hat sich schon in ersten Hands-on-Tests als relativ robust erwiesen. Noch wurden aber keine Testgeräte an Journalisten abgegeben und es liegen unseres Wissens keine unabhängigen Langzeit-Reviews vor.

Wie reagiert Apple?

Der iPhone-Hersteller äussert sich nicht zu Produkten von Konkurrenten. Im Gegensatz zu Twitter-Witzbolden:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das Samsung Galaxy Fold

Haustiere haben auch einen CO2-Fussabdruck

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Threema ist das neue WhatsApp – und schlägt die Konkurrenz um Längen

Wer hätte gedacht, dass die weltbeste Messenger-App nicht aus dem Silicon Valley kommen würde, sondern vom Zürichsee. Eine persönliche Analyse.

Seit acht Jahren befasse ich mich mit dem sicheren Schweizer Messenger Threema. Den ersten Artikel dazu publizierte ich im Dezember 2012. Titel: «Die Schweizer Antwort auf WhatsApp». Die damalige erste App gab's nur fürs iPhone, und sie war zum Start gratis. Im Interview versprach der Entwickler, Manuel Kasper, die baldige Veröffentlichung einer von vielen Usern geforderten Android-Version. Und:

Er hielt Wort. Im Gegensatz zu WhatsApp.

Einige dürften sich erinnern, dass es ein gleiches …

Artikel lesen
Link zum Artikel