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Da war die Welt noch in Ordnung: Samsung-Chef DJ Koh bei der Präsentation des Galaxy Fold im Februar.
Da war die Welt noch in Ordnung: Samsung-Chef DJ Koh bei der Präsentation des Galaxy Fold im Februar. Bild: AP

Samsungs PR-Desaster – so schlimm sind die kaputten Falt-Handys wirklich

Das Galaxy Fold sorgt kurz vor der Lancierung wegen Display-Defekten für Schlagzeilen. Droht dem Hersteller gar ein neuer Super-GAU? Eine Einordnung.
18.04.2019, 20:1209.05.2019, 13:54

Was ist passiert?

Mehrere Tech-Journalisten und renommierte Gadget-Tester berichteten am Mittwoch über Display-Defekte beim Galaxy Fold, das sie Anfang Woche erhalten hatten:

  • Bloomberg: Mark Gurman
  • CNBC: Todd Haselton
  • The Verge: Dieter Bohn
  • YouTuber Marques Brownlee

Wie Blick Online zusammenfasst, lassen sich drei Probleme unterscheiden, die nach aktuellem Erkenntnisstand nicht auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen sind:

  • Das grosse 7,3-Zoll-Display innen beginne sich schrittweise zu verabschieden. Es flackere, der biegbare Bereich sei deutlich sichtbar und zeige nicht mehr das richtige Bild an, schliesslich sei das Gerät nicht mehr nutzbar. Dieser Defekt trat beim Testgerät von CNBC auf.
  • Ein weiteres Display-Problem dürfte auf das manuelle Entfernen der obersten Schicht durch die Tester zurückzuführen sein. Dabei handelt es sich um eine transparente Kunststoff-Folie, die wie eine aufgesetzt Schutzfolie wirkt. Weil sie nicht ganz sauber aufgetragen zu sein schien, hätten die erfahrenen Tester versucht, diese Schicht abzuziehen. Dieser Defekt trat bei Bloomberg-Journalist Marc Gurman sowie beim Youtuber Marques Brownlee auf.
  • Beim Testgerät von The Verge war plötzlich ein Fremdkörper unter dem Screen in der Falte spürbar, der auf das Display drückte und es von unten schädigte. Ob etwas von aussen hereingelangte oder ein Stück der mechanischen Teile des Scharniers abgebrochen war, sei unklar.

Ist das Display-Scharnier das Problem?

Zumindest bei einem Testgerät könnte es einen Defekt beim Scharnier-Mechanismus gegeben haben (siehe oben).

Allerdings soll sich das Galaxy Fold gemäss einem Video des Herstellers problemlos 200'000 Mal auf- und wieder zuklappen lassen. Dies sei mit Robotern getestet worden.

Glaubte Samsungs Unternehmensführung wirklich, dass diese maschinellen Laborversuche die gnadenlosen Belastungstests durch neugierige Menschenhände ersetzen?

Analysten sind der Ansicht, dass Fehlfunktionen der ersten Charge eines Testmodells wenig überraschend sind. Das einklappbare Smartphone könnte sich aber auch als weniger haltbar entpuppen. «Das Einklappen ist schwieriger als das Ausklappen, da die Bildschirme dadurch stärker belastet werden», sagte Analyst Park Sung-soon von BNK Securities laut einer Meldung der Nachrichtenagentur SDA.

Wie schlimm sind die aufgetretenen Defekte?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen.

Der Image-Schaden dürfte beträchtlich sein für Samsung. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Das Galaxy Fold steht kurz vor dem Verkaufsstart. Am 26. April sollte es laut Ankündigung in den USA in den Handel kommen und hierzulande vorbestellt werden können.

Fakt ist: Die Probleme traten nur bei Testgeräten in den USA auf. Zu den wenigen an europäische Journalisten und Blogger abgegebenen Exemplaren sind keine Fehler bekannt.

Wie reagiert Samsung?

Der südkoreanische Konzern hat eine Untersuchung der kaputt gegangenen US-Testgeräte angekündigt.

Samsung USA gab nach anfänglichem Schweigen eine schriftliche Stellung ab, die in der Folge von Samsung Schweiz ins Deutsche übersetzt wurde. Sie lautet:

«Eine limitierte Anzahl an Galaxy Fold wurde Medienvertretern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Wir haben einige Berichte über das Display dieser Testgeräte erhalten. Wir werden sie einer gründlichen Untersuchung unterziehen, um die Ursache zu ermitteln.

Darüber hinaus berichteten einige Tester, dass sie die oberste Folie des Displays entfernt hatten, was zu Schäden am Bildschirm führte. Das Hauptdisplay des Galaxy Fold verfügt über eine obere Schutzfolie, die Teil der Display-Struktur ist, die den Bildschirm vor unbeabsichtigten Kratzern schützt. Das Entfernen der Schutzschicht oder das Aufkleben weiterer Schutzfolien auf das Hauptdisplay kann zu Schäden führen. Die Verpackung des Galaxy Fold wird deutlich darauf hinweisen, dass die Displayschutzfolie nicht entfernt werden soll.»
quelle: blick.ch

Gadget-Tester Lorenz Keller vom «Blick» erinnert daran, dass Samsung in einem ersten Statement noch den Eindruck erweckt habe, die Tester hätten die Warnhinweise übersehen. Jedoch hätten die Unbox-Videos von diversen Tech-Journalisten gezeigt, dass die Warnung vor dem Entfernen der Folie bei den Test-Geräten noch fehlte.

Wird der Verkaufsstart verschoben?

Nein. Die Journalistin Joanna Stern twitterte, Samsung halte am geplanten US-Verkaufsstart am 26. April fest.

In der Schweiz sollen die ab dem 26. April vorbestellbaren Geräte ab dem 3. Mai ausgeliefert werden.

Droht ein Debakel wie beim Galaxy Note 7?

Nein. Samsung produziert das viel teurere Falt-Smartphone in deutlich kleineren Stückzahlen. Zudem ist überhaupt nicht sicher, dass es gravierende Produktionsfehler gibt.

Beim Galaxy Note 7 traten nach der Markteinführung massive Probleme auf. Einzelne Geräte überhitzten und fingen an zu brennen. In Medienberichten war von explodierenden Akkus die Rede, so dass sich Fluggesellschaften veranlasst sahen, ein allgemeines Transportverbot zu verhängen.

Samsung musste Design- und Produktionsfehler beim Akku einräumen und weltweit alle Geräte zurückrufen. Nicht nur der Verkauf, sondern die gesamte Produktion des Phablet-Flaggschiffs wurde Knall auf Fall eingestellt. Der wirtschaftliche Schaden für das Unternehmen betrug gemäss Schätzung der Credit Suisse bis zu 17 Milliarden US-Dollar.

Wird das Galaxy Fold ein Flop?

Bislang deutet nichts darauf hin. Im Gegenteil.

Aus den USA wurden viele Vorbestellungen gemeldet. Der Hersteller verschickte E-Mails an Nutzer, die eine Vorbestellung abgeben wollten. Darin entschuldigt man sich dafür, dass das faltbare 2080-Franken-Smartphone «aufgrund der überwältigenden Nachfrage» ausverkauft sei.

Allerdings war dies noch vor Bekanntwerden der Display-Probleme bei den Testgeräten von US-Journalisten.

Kann das beim Huawei Mate X auch passieren?

Auszuschliessen ist es nicht.

Wobei beim ersten Falt-Smartphone des chinesischen Samsung-Konkurrenten, das im Sommer lanciert werden soll, ein anderer Mechanismus zum Tragen kommt. Die beiden Bildschirmhälften werden nach aussen zugeklappt.

Das Huawei Mate X hat sich schon in ersten Hands-on-Tests als relativ robust erwiesen. Noch wurden aber keine Testgeräte an Journalisten abgegeben und es liegen unseres Wissens keine unabhängigen Langzeit-Reviews vor.

Wie reagiert Apple?

Der iPhone-Hersteller äussert sich nicht zu Produkten von Konkurrenten. Im Gegensatz zu Twitter-Witzbolden:

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