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So sah das Online-Angebot in den 90er-Jahren aus. Nun startet die Swisscom in ein neues Kapitel.
So sah das Online-Angebot in den 90er-Jahren aus. Nun startet die Swisscom in ein neues Kapitel.
Bild: KEYSTONE

Vom Internetpionier zum «Blue»-Imperium – das ändert sich bei der Swisscom

Der grösste Schweizer Provider informierte an einer Medienkonferenz über neue Marken und Unterhaltungsangebote, die von «Blue Cinema» über «Blue News» bis «Blue TV» reichen.
22.09.2020, 10:4323.09.2020, 09:14

Was ist passiert?

Die Swisscom hat an einer Medienkonferenz am Dienstag über neue Inhalte und eine weitreichende Umfirmierung informiert. Sie betrifft Swisscom TV, das Onlineportal Bluewin, den Bezahl-TV-Sender Teleclub sowie die Schweizer Kinokette Kitag. Das alles gehe in «Swisscom Blue» auf.

Fazit: Die Swisscom erneuert ihr Unterhaltungsangebot rundum. Unter anderem bringt der «blaue Riese» nach der Konkurrenz auch sein TV als App-Angebot auf den Markt.

Was ist eine Umfirmierung?

Bei einer Umfirmierung ändert sich zwar die Firmenbezeichnung, nicht aber die Rechtsform oder die Rechtsstruktur der Unternehmen. Die Dienstleistungen von bestehenden Marken werden unter einem neuen Namen gebündelt.

Der «Tages-Anzeiger» hatte am 14. September die geplante Umfirmierung von Swisscom publik gemacht.

Der Name Swisscom bleibt bestehen.

Was ist neu?

Die Swisscom vereint digitale Unterhaltungsangebote und ihre Kinos unter einer neuen, altbekannten Marke.
Die Swisscom vereint digitale Unterhaltungsangebote und ihre Kinos unter einer neuen, altbekannten Marke.
bild: watson

Als neue Dachmarke für die Swisscom-Tochterfirmen fungiert «Blue», also der englische Begriff für Blau. Dazu passend kommen die folgenden Wortmarken für verschiedene Dienstleistungen und Unterhaltungsangebote hinzu:

  • Swisscom TV heisst neu «blue TV»
  • Aus Teleclub wird «blue+» (Blue Plus)
  • Aus Bluewin wird «blue News»
  • Aus Kitag wird «blue Cinema»

Auf blue.ch komme alles zusammen, hiess es an der Medienkonferenz. Es handle sich um das «Eingangstor». Noch ist das Angebot allerdings nicht aufgeschaltet. «Coming soon».

[Update:] Die Inhalte sind nun online.

Auf der neuen Website bluecinema.ch wird vorläufig auf eine Mailadresse der Kinokette Kitag verwiesen.
Auf der neuen Website bluecinema.ch wird vorläufig auf eine Mailadresse der Kinokette Kitag verwiesen.
screenshot: bluecinema.ch

Was ändert sich für die User?

«Endlich ist das Angebot von Swisscom TV (das jetzt Blue TV heisst) unabhängig vom Internet-Anschluss verfügbar.»
Telekom-Experte Ralf Beyeler
quelle: twitter
Die neu als «Blue» vermarkteten Inhalte sind per App auf Mobilgeräten und Smart-Fernsehern verfügbar. Zumindest vorläufig allerdings nicht auf der Set-Top-Box Apple TV.
Die neu als «Blue» vermarkteten Inhalte sind per App auf Mobilgeräten und Smart-Fernsehern verfügbar. Zumindest vorläufig allerdings nicht auf der Set-Top-Box Apple TV.
bild: swisscom

Ab Mittwoch (23. Sept.) laufe die neue App auf Smartphones, Tablets und Laptops, ab dem 6. Oktober stehe sie auch auf den TV-Geräten von Samsung zur Verfügung, sagte Swisscom-Privatkundenchef Dirk Wierzbitzki am Dienstag vor den Medien in Zürich. Später auch auf LG-Fernsehern.

Mit dabei seien 30 Stunden Replay und 60 Stunden Aufnahmekapazität. Die Kunden erhalten die App wahlweise für 10 Franken pro Monat oder können sie gratis nutzen, müssen dann aber Werbung über sich ergehen lassen.

  • Das neue Pay-TV-Angebot blue Plus ist für Kunden aller Schweizer Provider verfügbar. Auch «via Webplayer auf blue.ch», wie es in der Medienmitteilung heisst.
  • Das neue Streaming-Abo «blue Max» kostet 19.90 Franken pro Monat. Unter «blue Cinéplay» gibts für 14.90 Franken pro Monat ein französischsprachiges Angebot. «blue Doku» bietet für 9.90 Franken pro Monat Dokumentarfilme im Streaming-Abo.
  • Das Sportangebot wird ausgebaut. Unter der Markenbezeichung «blue Sport».
  • Amazon Prime Video kommt auf die Swisscom Box.
  • blue TV wird für Kunden von allen Schweizer Providern verfügbar gemacht. Per App auf Smartphones und Tablets (Android und Apples iOS) sowie auf Smart-TVs von Samsung (ab 6. Oktober) und LG (Termin noch offen).
  • Die neue App werde in den nächsten Wochen auch auf den TV-Boxen von UPC aufgeschaltet. Die Aufschaltung bei weiteren Konkurrenten sei im nächsten Jahr geplant.
  • Neben dem TV gibt es auch neue Angebote fürs Kino oder das Gaming.
  • Für Gamer: Neu ist auf den TV-Boxen von Swisscom die Live-Gaming-Plattform Twitch verfügbar.
  • Die Swisscom-Kinokette blue Cinema (ehemals Kitag) wird einen Monat vor dem Start des neuen James Bond-Films (am 12. November 2020) alle 24 bisherigen James-Bond-Filme in ihre Kinos.
  • Trotz neuem Namen (blue News) ändert sich für die Besitzer einer Bluewin-E-Mailadresse nichts.

Bestehende Swisscom-TV-Kunden müssen nichts tun, die neue Software werde automatisch installiert. Der «Rollout» könne aber bis zu einer Woche dauern.

Voraussetzung für die Unterhaltungs-Offensive seien schnelle Internetverbindungen, sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi. Schon heute seien 75 Prozent des Datenverkehrs «Video-getrieben». Die Swisscom will als grösster Schweizer Provider das Glasfasernetz ausbauen.
Voraussetzung für die Unterhaltungs-Offensive seien schnelle Internetverbindungen, sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi. Schon heute seien 75 Prozent des Datenverkehrs «Video-getrieben». Die Swisscom will als grösster Schweizer Provider das Glasfasernetz ausbauen.
screenshot: swisscom

Warum «Blue»?

Der Name Blue ist eine Referenz auf die Geschichte der Swisscom. Tatsächlich stieg das Unternehmen unter der Marke «The Blue Window» ins Internetgeschäft ein, später wurde daraus «Bluewin». Bis dato war Bluewin nicht nur ein E-Mail-Dienst, sondern auch ein Nachrichtenportal.

  • 1994 entwickelten die damalige Telecom PTT und eine Schweizer Elektronikfirma (nicht mehr existent) «erste Visionen eines internetähnlichen Portals».
  • 1996 erfolgte die Gründung von «The Blue Window» als Kooperation der beiden Unternehmen. Laut Wikipedia war es der erste Schweizer Provider, bei dem sich Kunden zum Orts-Tarif einwählen konnten.
  • 1999 wurde ein «Gratis-Internet» (Freeway) lanciert. Die Kunden mussten keine monatliche Grundgebühr für den Internet-Zugang mehr bezahlen, sondern nur noch die Telefongebühren für die Modemverbindung.
  • 2000 erfolgte der Start von ADSL (Broadway). Im selben Jahr benannte man die Firma in Bluewin AG um.
  • 2002 wurde die Bluewin AG zu 100 Prozent von der Swisscom übernommen und 2005 als eigenständige Firma aufgelöst.
  • 2006 wird das über das Telefonnetz laufende Fernsehangebot Bluewin TV für ADSL-Kunden lanciert.
  • 2009 wird Bluewin TV unter dem Produktenamen Swisscom TV geführt.

Was sagen Experten?

Ralf Beyeler, Telekom-Experte von moneyland.ch, meint:

«Beim Streamingangebot sind viele Inhalte nicht zeitversetzt abrufbar, sondern nur genau dann, wenn ein Premium-TV-Sender diese Sendung ausstrahlt. Der Vorteil von Streamingdiensten ist, dass Konsumenten jederzeit auf die Inhalte zugreifen können.»

Allerdings gebe es eine Mindestlaufzeit von 6 Monaten. Bei Netflix, Amazon Video Prime und Disney+ bezahlten die Kunden hingegen nur solange sie wollen, diese Anbieter würden keine Mindestlaufzeiten kennen.

Und das TV-Angebot für Swisscom-Nicht-Kunden bezeichnet der unabhängige Telekom-Experte als Trostpflaster. «Das umfassende Angebot von Swisscom-TV» würden die Kunden weiterhin nur dann erhalten, wenn sie auch das Internet-Abo und das TV-Abo von Swisscom beziehen.

Wie reagiert das Internet?

Gibt's Swisscom #Blue auch bei Green.ch? Denn Orange ist ja nicht mehr. (nicht mal the new Black)
Twitter-User Wrzlbrnft
quelle: twitter

Quellen

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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