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Das «Internet der Dinge» kommt – und so sieht es aus

An der Elektronikmesse CES wurden internetfähige Geräte präsentiert, die unseren Alltag erobern sollen. Als kritischer Geist fragt man sich natürlich: Braucht es diese Produkte tatsächlich? Und sind sie überhaupt realisierbar?

Patrick Züst / Schweiz am Wochenende



Kohler's DTV+ shower system shower system is demonstrated at CES International Wednesday, Jan. 10, 2018, in Las Vegas. (AP Photo/Jae C. Hong)

Clever duschen - die Zukunft? Bild: AP/AP

Im Zuhause der Zukunft sind alle Haushaltsgeräte mit dem Internet verbunden und untereinander vernetzt. «Smart Home» nennt sich die Vision, welche seit Jahrzehnten zu Gedankenexperimenten anregt, wie unser Leben bald aussehen könnte. Von einer Dusche, die per Handy gesteuert wird, war schon die Rede; von einem Kissen, das automatisch die Rollläden schliesst und das Licht löscht, wenn man sich ins Bett legt; von einer Toilette, die spült, wenn man es ihr sagt.

Augenschein an der CES

Video: watson

Als kritischer Geist fragt man sich natürlich: Braucht es diese Produkte tatsächlich? Und sind sie überhaupt realisierbar? Die erste Frage lässt sich noch nicht beantworten, die zweite schon. Denn in Las Vegas wurden diese Woche internetfähige Duschen, Kissen und WCs vorgestellt, die genau mit den erwähnten Funktionen unser Leben vereinfachen wollen. Das ist aber erst der Anfang, denn die CES (Consumer Electronics Show), die wichtigste Elektronikmesse der Welt, hatte noch mehr zu bieten.

Einmal pro Jahr trifft sich fast die komplette Technologie-Branche in Las Vegas. Start-ups präsentieren dort während einer Woche ihre Produkte, und Grosskonzerne sprechen über ihre Geschäftsstrategie. Dazu gibt es Konzerte, Drohnen-Flugshows und Roboter, die im Stripclub an der Stange tanzen.

Es ist ein Schlaraffenland für Tech-Aficionados. Die CES lockt damit jedes Jahr weit über 100'000 Besucher nach Vegas, welche sich über die neusten digitalen Trends informieren wollen. Häufig zeigt die Konferenz nämlich bereits Anfang Januar deutlich, welche Technologien uns bis Jahresende beschäftigen werden. Selten war das Fazit eindeutiger als dieses Jahr.

Diese Fernseher stehen bald in unseren Wohnzimmern

Das Duell der Tech-Giganten

Aus der Zukunftsvision wird Realität. An der diesjährigen CES dominierten Geräte, welche lange ohne Elektronik auskamen, jetzt aber plötzlich mit dem Internet verbunden werden. Unter anderem wurden Duschen und Badewannen vorgestellt, die man mit dem Smartphone starten und auf die gewünschte Temperatur vorwärmen kann, während man selber noch im Bett liegt.

Im Bad angekommen, analysieren intelligente Spiegel das Gesicht, führen Statistik über Hautunreinheiten und geben Tipps zur besseren Pflege. Das erwähnte internetfähige WC kann nicht nur automatisch spülen, sondern auch auf Befehl Musik abspielen, den Sitz vorwärmen oder als Bidet funktionieren.

Spezielle Sensoren im Garten haben per Internet Zugriff auf den Wetterbericht und geben bei Bedarf den Pflanzen Wasser. Ausserdem haben gleich mehrere Firmen neue Reisekoffer vorgestellt, die eine Kamera eingebaut haben und dem Reisenden am Flughafen automatisch hinterherfahren.

Dies ist nur eine kleine Auswahl von Geräten, die neu zum sagenumwobenen «Internet der Dinge» gehören. So skurril die Produkte sein mögen, sie sind Teil eines Kampfes zwischen zwei Tech-Giganten, bei dem es nicht nur um lustige Gadgets geht, sondern um Milliarden Dollar, vielleicht sogar um die Vormachtstellung in einer neuen Tech-Ära.

Samsung erfindet den Fernseher neu

Müsste man nämlich all die neuen internetfähigen Produkte mit individuellen Smartphone-Apps bedienen, wäre das unendlich komplex. Die Tech-Konzerne Amazon und Google haben deshalb jeweils einen digitalen Assistenten entwickelt, der den Überblick über die Geräte behält und sich per Sprachsteuerung bedienen lässt.

Samsung hat eine ähnliche Lösung auf dem Markt, welche aber noch weniger weit entwickelt ist als diejenige der Konkurrenz. Diese digitalen Persönlichkeiten steuerte man anfangs über separate Lautsprecherboxen, unterdessen werden sie in die einzelnen Geräte integriert. So kann man den Kühlschrank beispielsweise direkt fragen, ob man alle Zutaten für eine Lasagne hat, oder dem Geschirrspüler sagen, er solle den Waschgang starten.

Je stärker sich solche sprachgesteuerten Geräte verbreiten, desto wichtiger wird es sein, welcher digitale Assistent darin verbaut ist. Amazon hat mit Alexa den Pioniervorteil und dominiert das Duell derzeit mit fast 70 Prozent Marktanteil. Google entwickelte mit dem «Assistant» jedoch das bessere Produkt und investiert momentan viel Geld, um den Startrückstand wettzumachen.

Das zeigte sich diese Woche an der CES, wo Google zuvor nie eine grosse Präsenz hatte. Dieses Jahr kaufte sich das Unternehmen die prominentesten Werbeplattformen der Stadt und baute sogar einen eigenen Pavillon.

Die Tech-Giganten kämpfen derzeit um Partner, die ihre Assistenten in neue Produkte integrieren. Denn schliesslich werden sich Nutzer entscheiden müssen, ob sie Alexa oder den Assistant bei sich einziehen lassen wollen – und je mehr Geräte ein Assistent steuern kann, desto nützlicher wird er im Haushalt.

Ein Abo für Computerleistung

Google stellte deshalb an der CES die neuen «Smart Displays» vor, welche dem Assistant eine Möglichkeit geben, nicht nur Audio, sondern auch Video abzuspielen. So kann man sich mit einem Sprachbefehl zum Beispiel einen Film oder den Wetterbericht anzeigen lassen. Dass dieses Konzept vielversprechend ist, hat Amazon bereits bewiesen: Im vergangenen Juni lancierte der Online-Händler mit dem «Echo Show» ein sehr ähnliches Produkt.

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Video: watson

Der Kampf der Rivalen Google und Amazon prägte auch die neu vorgestellten Fernseher, die ebenfalls mit digitalen Assistenten ausgestattet wurden. Dazu stellte LG einen Bildschirm vor, der sich aufrollen lässt, während ein neuer Fernseher von Samsung mit seinen 3.7 Metern Bildschirmdurchmesser die ganze Wand füllt.

Ein spannender Trend zeigt sich auch bei den Computern, wo gleich mehrere Hersteller ein Abonnement für Rechnerleistung präsentierten. Dabei werden Programme nicht mehr auf dem eigenen Gerät ausgeführt, sondern in die Cloud ausgelagert, also über das Internet an externe Rechner mit mehr Leistung übermittelt. So können beispielsweise moderne Games selbst auf billigen Laptops ausgeführt werden. In eine ähnliche Richtung geht der neue Laptop von Razer: Er besteht nur aus Bildschirm und Tastatur – die gesamte Computerleistung bezieht er von einem Smartphone, das in den Laptop eingelegt wird.

Daneben wurden wie fast jedes Jahr Konzeptmodelle für selbstfahrende Autos vorgestellt, Prototypen für Roboter, neue AR-Brillen (Augmented Reality), Drohnen und eigentlich alles, was sich der Tech-Visionär erdenken kann. Manche dieser Dinge werden wohl tatsächlich die Welt verändern. Viele andere werden jedoch keine Käufer finden oder gar nie auf den Markt kommen. Bei einigen der skurrilen Produkte an der CES ist das aber nicht so schlimm. 

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