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Überwachungskameras an einer Strassenecke in San Francisco. Dort gilt seit 2019 ein Verbot für automatische Gesichtserkennung.
Überwachungskameras an einer Strassenecke in San Francisco. Dort gilt seit 2019 ein Verbot für automatische Gesichtserkennung. Bild: EPA/EPA

IBM will kein Big Brother mehr sein – stoppt Geschäft mit Gesichtserkennung

Der US-Computerkonzern gibt das umstrittene Business mit Software zur automatischen Gesichtserkennung auf.
09.06.2020, 07:06

IBM hat seinen Rückzug aus dem Geschäft mit Gesichtserkennungs- und Analysesoftware angekündigt. Dies teilte der neue Unternehmenschef Arvind Krishna in einem Brief an den US-Kongress am Montag (Ortszeit) mit.

«IBM lehnt die Verwendung jeglicher Gesichtserkennungs-Technologie – einschliesslich der von anderen Anbietern – zum Zweck der Massenüberwachung, Racial Profiling, Verletzungen grundlegender Menschenrechte und Freiheiten sowie jeglichem Zweck, der nicht mit unseren Werten und Grundsätzen des Vertrauens und der Transparenz vereinbar ist, entschieden ab», hiess es wörtlich.

Der amerikanische Konzern werde solche Vorgehensweisen auch nicht dulden, hiess es von Krishna weiter. Daher werde IBM keine Gesichtserkennungssoftware mehr anbieten. Das Unternehmen werde die Technologie auch nicht mehr entwickeln oder erforschen, berichtet The Verge.

Was ist der Auslöser?

Die Mitteilung erfolgt anlässlich der aktuellen Proteste gegen ausufernde Polizeibrutalität in den USA.

Gesichtserkennungssoftware ist aus einer Reihe von Gründen umstritten, unter anderem wegen des Potenzials für Menschenrechtsverletzungen sowie wegen des Nachweises, dass die Technologie bei der automatischen Identifizierung von dunkelhäutigen Personen weniger genau ist.

Der Brief enthält auch Krishnas Vorschläge für eine Reform der US-amerikanischen Polizei und zu deren verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI). Laut IBM könne KI eine Rolle bei der Strafverfolgung zu spielen habe, müsse aber geprüft werden. Das Unternehmen fordert auch strengere Bundesgesetze über polizeiliches Fehlverhalten.

Unter Präsident Donald Trump haben US-Regierungsbehörden auch den Grenzschutz computertechnisch aufgerüstet, um die illegale Migration zu bekämpfen.

Warum tut das IBM wirklich?

Abgesehen von wirtschaftlichen Überlegungen handelt es sich um einen geschickten PR-Schachzug.

IBM habe im Gesichtserkennungsgeschäft nicht gut abgeschnitten und wenig zu verlieren, kommentiert der britische IT-Rechtsexperte Michael Veale bei Twitter. Durch den Rückzug könne man die Konkurrenz unter Druck setzen.

Der IBM-Entscheid betrifft unter anderen die bekannten US-Unternehmen Microsoft, Amazon und Google, die Algorithmen für die Gesichtserkennung entwickeln und ihren Kunden entsprechende kommerzielle Produkte anbieten. So nutzen etwa Polizeibehörden in den ganzen USA Tracking-Software, die von Amazon Web Services (AWS) stammt.

Mit Clearview AI geriet Anfang Jahr ein US-Unternehmen in die Schlagzeilen, als publik wurde, dass sein Gesichtserkennungs-Tool von Firmen und Strafverfolgungsbehörden in grossem Umfang genutzt wird. Für die automatische Gesichtserkennung greift die Software auf eine Datenbank mit über 3 Milliarden Bildern zu, die auch von öffentlich zugänglichen Social-Media-Seiten wie Facebook gesammelt wurden.

Wann wurde das entschieden?

Ein IBM-Vertreter sagte laut Axios, dass die Entscheidung über einen Zeitraum von Monaten getroffen und den Kunden bereits mitgeteilt wurde. Der am Montag auf der IBM-Website publizierte Brief sei die erste öffentliche Erwähnung.

IBM sagte, dass es «diese Produkte nicht länger vermarkten, verkaufen oder aktualisieren» werde. Bestehende Kunden sollen bei Bedarf unterstützen werden, das heisst, der technische Support für die Produkte wird weitergeführt.

Quellen:

(dsc/sda/reu)

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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Steasy
09.06.2020 07:36registriert Dezember 2019
"IBM lehnt die Verwendung jeglicher Gesichtserkennungs-Technologie [...] entschieden ab."

Steht im Widerspruch zu
"Bestehende Kunden sollen bei Bedarf unterstützen werden [...]"

Hier wird eine aus lediglich wirtschaftlichen Gründen getroffene Business-Entscheidung verpolitisiert, um das eigene Image aufzubesseren. Das ist absolut widerlich.
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