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X - Twitter

Elon Musk nutzt ungefragt deine Tweets, um seinen KI-Chatbot zu füttern

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Europäische Datenschützer haben Beschwerden gegen Elon Musks Online-Plattform X eingereicht.Bild: keystone

Elon Musk nutzt deine Tweets, um seinen KI-Chatbot zu füttern – jetzt hagelt es Klagen

Elon Musk lässt seinen KI-Chatbot Grok ungefragt mit Beiträgen von Twitter-Usern lernen. Dafür hagelt es nun Beschwerden.
12.08.2024, 10:24
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Die europäische Datenschutz-Organisation Noyb hat in acht EU-Ländern Beschwerden gegen Elon Musks Online-Plattform X (ehemals Twitter) eingereicht. Bei den «Dringlichkeitsverfahren» im Rahmen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Auftrag von betroffenen EU-Bürgern geht es um den Chatbot Grok, dessen generative Künstliche Intelligenz standardmässig mit Twitter-Beiträgen trainiert wird.

Da die X-Nutzer über die Verwendung ihrer Daten für das KI-Training nicht vorab informiert und um Erlaubnis gefragt wurden, hatte die in Europa zuständige irische Datenschutzbehörde DPC bereits am vergangenen Dienstag eine Klage gegen das Netzwerk erhoben. Diese geht dem Datenschutz-Verein Noyb allerdings nicht weit genug, weil die Klage sich nur mit Nebenaspekten des Falls beschäftige.

Max Schrems, der Vorsitzende von Noyb, sagte: «Unternehmen, die direkt mit Nutzern interagieren, müssen ihnen einfach eine Ja/Nein-Abfrage stellen, bevor sie ihre Daten verwenden. Sie tun dies regelmässig für viele andere Dinge, also wäre es definitiv auch für KI-Training möglich.»

Dringlichkeit geboten

In Anbetracht der Tatsache, dass Twitter bereits damit begonnen habe, die Daten von Personen für seine KI-Technologie zu verarbeiten, habe Noyb ein «Dringlichkeitsverfahren» gemäss Artikel 66 DSGVO in Österreich, Belgien, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande und Spanien beantragt. Diese Vorschrift erlaube es den Datenschutzbehörden, in solchen Situationen vorläufige Anordnungen zu treffen und eine EU-weite Entscheidung über den Europäischen Datenschutzausschuss zu treffen.

Die ungefragte Nutzung der Twitter-Daten und die geänderte Datenschutz-Einstellungen waren vor zwei Wochen dem Twitter-Nutzer @EasyBakedOven aufgefallen. Dabei war das Häkchen bei der Erlaubnis für Grok, neben direkten Interaktionen mit dem Chatbot auch öffentliche Tweets zu verwenden, für alle automatisch gesetzt.

Die Einstellung kann nur in der Web-Version von Twitter verändert werden, in der Smartphone-App wird sie aktuell gar nicht angezeigt. Das solle sich bald ändern, kündigte das Unternehmen X an.

Der Facebook-Konzern Meta hatte im Juni auf Druck der irischen Datenschützer seine Pläne, öffentliche Beiträge von Nutzern in Europa zum Training seiner KI-Modelle zu verwenden, auf unbestimmte Zeit aufgeschoben. Zuvor war kritisiert worden, dass Meta keine ausdrückliche Einwilligung der Nutzer vorsah, sondern lediglich die Möglichkeit, der Verwendung der Daten zu widersprechen. Twitter geht nun so vor, wie Meta es vorhatte.

Grok soll mit anderen KI-Chatbots wie dem Vorreiter ChatGPT der Firma OpenAI oder Claude von Anthropic konkurrieren. Die Software wird nicht direkt bei Twitter entwickelt, sondern von der Firma xAI, die ebenfalls Musk gehört. Er kaufte Twitter im Herbst 2022 für rund 44 Milliarden Dollar, benannte den Dienst in X um, entliess den Grossteil der Angestellten und vergraulte grosse Teile der Werbekunden.

Musk nutzt die Plattform nun, um seine rechtslibertären politischen Botschaften zu verbreiten. Er fällt auch immer wieder damit auf, Fake-News und rechte Verschwörungserzählungen zu teilen, die von Millionen seiner Anhänger gesehen und weiterverbreitet werden.

(oli/sda/awp/dpa)

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41 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Quieselchen
12.08.2024 10:50registriert Januar 2021
Wie gut kann eine KI sein, die mit Lügen und Verschwörungsmärchen trainiert wird?

Ich frage für einen Freund(in)…
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Steibocktschingg
12.08.2024 10:36registriert Januar 2018
Jep, zerrt ihn nur oft genug vor Gericht, dann wird es irgendwann teuer für den Typen und vielleicht merkt er dann, dass er was falsch macht. Bzw., auf Gesetze scheisst.

Ist aber eh weit unwahrscheinlicher als eine Trotzreaktion
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Rhabarber
12.08.2024 10:42registriert Dezember 2023
Klassisches Verhalten eines Diktators. Sie denken, sie stehen über den Gesetzen. Sie denken, Gesetze gelten nur für alle anderen, aber nicht für ihre eigene Hoheit. Siehe Trump, Putin und so weiter.
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