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Greift die Google-Tochterfirma bei solchen Videos tatsächlich hart durch?
Greift die Google-Tochterfirma bei solchen Videos tatsächlich hart durch?screenshot: youtube

YouTube verbietet «gefährliche» Streiche und Stunt-Videos – was du wissen solltest

Die Google-Tochter verschärft die Regeln für Prank-Videos. Eine übertriebene Reaktion auf die «Bird Box Challenge», die seit Wochen grassiert?
16.01.2019, 19:4017.01.2019, 14:27

Was ist passiert?

YouTube verschärft das Vorgehen bei Verstössen gegen die Nutzungsbestimmungen («Community-Richtlinien»). YouTubern, die sich nicht an die Spielregeln halten, wird mit der Kündigung gedroht. Nach drei Verstössen könnten sie einen möglicherweise populären Kanal mit zehntausenden oder mehr Abonnenten verlieren. Die Bekanntmachung dazu erfolgte über diese YouTube-Hilfe-Webseite.

Ein Auslöser? (siehe unten)

Video: watson

Was ändert sich für die YouTube-User?

Die Google-Tochter nennt drei Bereiche in denen verstärkt gegen Missbräuche vorgegangen werden soll. Ziel ist es, fragwürdige User-Inhalte zu verbannen:

  1. Benutzerdefinierte Thumbnails (Vorschaubilder) müssen den Community-Richtlinien entsprechen. Bei schwerwiegenden Verstössen (Gewaltdarstellung, Pornografie) gebe es eine Verwarnung. Nach mehreren Verwarnungen könne man keine benutzerdefinierten Thumbnails mehr verwenden. Drei Verwarnungen innerhalb von 90 Tagen würden zur Kündigung des Kontos führen.
  2. Externe Links: Alle externen Websites, auf die von YouTube aus verlinkt werde, müssten den Community-Richtlinien entsprechen. Bei drei schwerwiegenden Verstössen (innert 90 Tagen) werde das Konto gekündigt.
  3. «Gefährliche Herausforderungen und Streiche»: Inhalte, «die Gewalt oder gefährliche Aktivitäten fördern, die zu schweren Verletzungen, demütigenden Situationen oder Tod führen können», sind neu strikt verboten.

In der YouTube-Hilfe werden die aktualisierten Richtlinien zu schädlichen oder gefährlichen Inhalten erklärt. Verboten sind demnach:

  • «Anleitungen zum Bombenbau»,
  • «Herausforderungen, die Handlungen fördern, bei denen die Gefahr schwerer körperlicher Verletzungen besteht»,
  • «Streiche, bei denen die Opfer glauben, dass sie in Gefahr sind»,
  • «Streiche, die Kindern emotionalen Stress bereiten»,
  • «Drogenkonsum», wobei nicht erwähnt wird, ob unter den Begriff auch legale Substanzen fallen können.
  • «Andere Handlungen, die zu schweren Verletzungen führen können.»

Ist das sehr lustige Lieblings-Streich-Video XYZ auch betroffen?

Die Google-Tochter lässt verlauten:

«Auf YouTube gibt es viele beliebte und virale Herausforderungen und Streiche, aber wir müssen sicherstellen, dass das, was lustig ist, eine gewisse Grenze nicht überschreitet und schädlich oder gefährlich wird. Daher haben wir unsere externen Richtlinien aktualisiert, um klarzumachen, dass wir Herausforderungen, bei denen das Risiko von ernsthafter Gefahr oder Tod besteht, sowie Streiche, bei denen sich die Opfer vermeintlich in grosser Gefahr befinden oder die bei Kindern zu einer emotionalen Belastung führen können, verbieten.»

Gilt das ab sofort?

Jein.

Laut YouTube-Hilfe gilt in nächster Zeit eine Gnadenfrist, in der verbotene Inhalte zwar gelöscht werden, aber noch nicht zu Verwarnungen führen:

«In den folgenden zwei Monaten, in denen wir die Durchsetzung intensivieren, werden Inhalte, die gegen die Community-Richtlinien zu benutzerdefinierten Thumbnails, externen Links, Herausforderungen und Streichen verstossen, entfernt, aber der Kanal erhält keine Verwarnung. Inhalte, die vor diesen Aktualisierungen gepostet wurden, werden möglicherweise entfernt, führen aber nicht zu einer Verwarnung.»

Was ist mit Aufklärungs-Videos?

Zu den Ausnahmen schreibt die Google-Tochter:

«Ein Video, das gefährliche Handlungen zeigt, kann zulässig sein, wenn es primär pädagogischen, dokumentarischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Zwecken dient und nicht unnötig grausam ist. Beispiel: Eine Veranschaulichung der Gefahren von Erstickungsspielen ist angemessen, während das Posten von Auszügen dieser Dokumentation ohne Kontext unangemessen sein kann.»

Was ist mit Gewaltdarstellungen in Games?

Wie zum Beispiel bei «Red Dead Redemption 2»? Nun, solche Videos gehören nicht in den Bereich Streiche. Details gibt's in den «Richtlinien zu gewalttätigen oder expliziten Inhalten», wo realitätsnahe Games aber nicht explizit erwähnt sind.

Wie soll das Verbot durchgesetzt werden?

Bei Millionen von Prank-Videos, die Woche für Woche hochgeladen werden, braucht es ein automatisiertes System zum Erkennen und Sperren problematischer Inhalte. Zudem ruft das Unternehmen zu User-Meldungen auf.

screenshot: youtube.com

Warum tut YouTube das?

Der öffentliche Druck wächst.

Die Google-Tochter reagiert auf gefährliche Zwischenfälle, die sich wegen YouTube-Streichen ereigneten. Ein beunruhigender Fall wurde vor knapp einer Woche in Zusammenhang mit der «Bird Box Challenge» publik. Ein Teenager im US-Bundesstaat Utah fuhr mit verbundenen Augen Auto und rammte ein anderes Fahrzeug. Der Unfallverursacher soll dies von Sandra Bullock im Film «Bird Box» abgeschaut haben.

Bei anderen Herausforderungen gab es auch schon Tote, wie YouTube schreibt. Die Details zu «gefährlichen Herausforderungen» gibt das Unternehmen vorerst nur auf Englisch bekannt, und zwar in diesem FAQ für YouTube-User: «Dangerous Challenges and Pranks Enforcement Update».

«Wir haben unsere externen Richtlinien aktualisiert, um deutlich zu machen, dass Herausforderungen wie die Tide Pod Challenge oder die Fire Challenge, die zum Tode führen können und/oder in einigen Fällen zum Tod geführt haben, keinen Platz auf YouTube haben.»

(via Engadget)

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