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Erster Fall von Kinderlähmung in Afrika seit fünf Jahren entdeckt

18.02.2022, 16:14

Der erste Wildpolio-Fall in Afrika seit mehreren Jahren schreckt die Gesundheitsbehörden im Binnenstaat Malawi auf.

Entdeckt wurden die Wildpolio-Viren vom Typ 1 bei einem Kind in der Hauptstadt Lilongwe, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO am späten Donnerstagabend mitteilte. Es handle sich dabei um den ersten Wildpolio-Ausbruch auf dem Kontinent seit 2016. Laboruntersuchungen hätten ergeben, dass das Virus offenbar aus der pakistanischen Sindh-Provinz eingeschleppt wurde – es gleicht dem dortigen Typ.

Die WHO hatte Afrika im August 2020 für frei von einheimischer Wildpolio erklärt.
Die WHO hatte Afrika im August 2020 für frei von einheimischer Wildpolio erklärt.Bild: keystone

Afrika gilt als Polio-frei

Malawis Gesundheitsministerin Khumbize Kandodo Chiponda wollte sich gegenüber der Nachrichtenagentur DPA allerdings nicht festlegen auf das Ursprungsland des Virus. Sie betonte, dass ein Notfallkomitee nun eng mit der WHO zusammenarbeite, um die Situation zu analysieren.

«Wir werden auch sehr eng mit unseren Nachbarstaaten zusammenarbeiten, da Krankheiten keine Grenzen kennen», erklärte sie. Der Staat hatte 1992 seinen letzten Polio-Fall verkündet und gilt seit dem Jahr 2005 als komplett Polio-frei.

Afrika hatte das offizielle WHO-Statut als poliofreier Kontinent im August 2020 erhalten, nachdem mindestens vier Jahre lang kein derartiger Fall mehr auf dem Kontinent festgestellt wurde. «Da es sich um einen aus Pakistan eingeschleppten Fall handelt, berührt diese Entdeckung nicht Afrikas Status als Region, die frei von Wildpolio ist», schreibt die WHO.

In Afrika war der letzte Wildpolio-Fall laut WHO 2016 in Nigeria registriert worden. Allerdings gab es in der Vergangenheit auch in Afrika vereinzelte Fälle einer abgeschwächten Form des Polios, des sogenannten Impfpolios. Denn die Polio-Impfung selbst kann in Einzelfällen eine sogenannte Impfpoliomyelitis auslösen. Im ostafrikanischen Land Uganda etwa wurden im vergangenen August in Proben aus zwei Kläranlagen der Hauptstadt Kampala solche Viren nachgewiesen. Es habe genetische Übereinstimmungen mit einem bereits im Sudan aufgetretenen Virus gegeben, berichteten die örtlichen Behörden.

Die WHO werde die örtlichen Gesundheitsbehörden des Staates im Südosten Afrikas dabei unterstützen, dass der Fall isoliert bleibe und sich nicht verbreite.

Gefahr, das Virus zu importieren, besteht für jedes Land

Denn das Risiko gilt als hoch, dass diese alte Plage den durch die Corona-Pandemie schon geschwächten Kontinent erneut an die Grenzen seiner Kapazitäten führen könnte. «Solange Wild-Polio irgendwo auf der Welt existiert, besteht für jedes Land das Risiko eines Viren-Imports», sagte WHO-Regionaldirektorin Matshidiso Moeti.

Polio – oder auch Kinderlähmung – ist eine ansteckende Infektionskrankheit und kann Lähmungen auslösen und zum Tod führen. Vor allem bei Kleinkindern kann es dauerhafte Lähmungen hervorrufen. Verbreitet wird das hoch ansteckende Virus oft über verunreinigtes Wasser. Eine Heilung für Polio gibt es bisher nicht. Bis auf Afghanistan und Pakistan haben alle Länder der Welt bisher die Wildpolio-Viren besiegt.

Ein Mädchen mit Polio, USA 1952.
Ein Mädchen mit Polio, USA 1952.

In Pakistan war zuletzt die Hoffnung gestiegen, Kinderlähmung auszurotten. Ende Januar hatten die Behörden bekannt gegeben, dass binnen eines Jahres kein neuer Polio-Fall registriert worden sei. Der Meilenstein markierte einen grossen Erfolg im Kampf Pakistans gegen die Krankheit.

Im Jahr 2020 wurden 84 Fälle und im Jahr 2019 noch fast 150 verzeichnet. Die WHO hatte zuletzt die Fortschritte Pakistans begrüsst, aber davor gewarnt, dass eine vollständige Ausrottung noch dauere.

Offizielle in dem Land mit 220 Millionen Einwohnern führen die jüngsten Erfolge auf eine geänderte Impfstrategie zurück. Man habe zuletzt mehr auf Kinder in jenen Gebieten des Landes abgezielt, in denen Eltern den Impfstoff ablehnten.

Schwierige Impfkampagnen in Afghanistan

Von militanten Islamisten werden immer wieder unwahre Gerüchte gestreut, die Impfungen würden Kinder unfruchtbar machen. Aber auch Bewegungsbeschränkungen während der Coronavirus-Pandemie und eine bessere Hygiene hätten zu den Erfolgen beigetragen.

In Afghanistan wurde in diesem Jahr laut Global Polio Eradication Initiative bisher ein Polio-Fall mit dem Wildtyp registriert. 2021 waren es vier, und somit laut Unicef die niedrigste je registrierte Zahl an Polio-Fällen in dem Land. Zuletzt konnten in Afghanistan auch wieder mehr Polio-Impfungen durchgeführt werden, da Impfteams nun auch in früher unzugänglichen Gebieten tätig sein können.

Polio-Impfung in Afghanistan, Juni 2021.
Polio-Impfung in Afghanistan, Juni 2021.Bild: keystone

Vor dem Fall der Regierung und der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban im Sommer 2021 hatten die Taliban aus Sorge, die Impfhelfer spionierten für die Regierung oder den Westen, diese nicht in die von ihnen kontrollierte Gebiete gelassen. Mit den landesweiten Impfkampagnen im November und Dezember sind laut Unicef 2,6 Millionen Kinder erstmals seit drei Jahren gegen Polio geimpft worden.

Die Aufmerksamkeit von Gesundheitsbehörden für wilde Polioviren ist einem WHO-Sprecher zufolge etwas höher als für Impfpolio, da ihre Ausrottung der Schlüssel zu einer dauerhaft poliofreien Welt ist. Sind die wilden Polioviren ausgerottet, könne man aufhören, den Impfstoff zu verwenden – und somit gäbe es auch kein Risiko für Impfpolio mehr.

(yam/sda/dpa)

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3 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Jep.
18.02.2022 07:55registriert Januar 2022
Auch hier gilt: das Virus lässt sich nicht wegtrychlen, nur die Impfung schützt! Damit das klappt, braucht es Aufklärung.
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Hirngespinst
18.02.2022 08:36registriert August 2019
Das ist der Grund, weshalb Kinder u.a.gegen diese Krankheit geimpft werden.
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Rund 50 Tote bei Angriff im Osten von Burkina Faso

Im westafrikanischen Sahelstaat Burkina Faso sind am Donnerstag bei einem Angriff im Osten des Landes rund 50 Zivilisten getötet worden. Laut einem Armeesprecher stammten die Opfer aus der Madjoari-Region. Sie seien auf dem Weg zu dem Ort Nadiagou gewesen, als die Bewaffneten an einer Brücke das Feuer auf sie eröffnet hätten. Die Armee sei dabei, die Gegend zu sichern. Die Armee machte zunächst keine näheren Angaben zu den Tätern. Erst vor wenigen Tagen waren bei einem ähnlichen Angriff im Osten von Burkina Faso elf Soldaten getötet worden.

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