Kenia wirft Moskau Missbrauch von Bürgern in Ukraine-Krieg vor
Der stellvertretende kenianische Aussenminister Kenia kritisiert Russland, dass seine Staatsangehörigen mit Versprechungen gut bezahlter ziviler Arbeitsplätze in Russland getäuscht würden, um dann von der russischen Armee als „Kanonenfutter“ missbraucht zu würden.
Der kenianische Aussenminister Musalia Mudavadi kündigte am Dienstag einen Besuch in Moskau im März an, nachdem Kenianer, die von der russischen Armee zwangsrekrutiert worden waren, Opfer von Rekrutierungsnetzwerken geworden waren.
Mehrere Medien hatten kürzlich berichtet, wie Hunderte kenianischer Männer, oft ohne jegliche militärische Vergangenheit, nach ihrer Ankunft in Russland gezwungen wurden, einen Vertrag mit der russischen Armee zu unterzeichnen. Sie wurden dann sehr schnell an die Front in der Ukraine geschickt, wo viele von ihnen ums Leben kamen.
„Es scheint ein Muster zu geben, Menschen anzulocken und sie sterben zu lassen“, beklagte Abraham Korir Sing'Oei. Der stellvertretende kenianische Aussenminister sprach auch von einem eigentlichen Programm zur illegalen Rekrutierung von Menschen afrikanischer Abstammung, um sie zu Kämpfern in einer Welt zu machen, zu der sie nicht gehörten.
AFP sprach mit vier Kenianern, die aus Russland zurückgekehrt waren, von denen drei in den Kämpfen verletzt worden waren. Einer war dorthin gegangen, weil er glaubte, Verkäufer zu werden, zwei andere hofften, Sicherheitsbeamte zu werden, der vierte war Spitzensportler.
Allen war von einer Personalvermittlungsagentur in Nairobi ein Monatsgehalt zwischen 920 und 2400 Euro in Russland versprochen worden. Ein Vermögen in Kenia, wo viele Arbeitnehmer kaum 100 Euro im Monat verdienen.
«Schockierende» Situation
Am Tag ihrer Ankunft oder am nächsten Tag wurden die vier Männer jedoch gezwungen, einen Vertrag mit der russischen Armee zu unterzeichnen, der in kyrillischer Schrift verfasst war und den sie nicht verstanden. Dann wurden sie nach sehr geringer oder gar keiner militärischen Ausbildung an die Front auf ukrainisches Gebiet geschickt.
Drei von ihnen befanden sich innerhalb weniger Wochen am selben Ort in der Nähe von Vovtchansk in der Region Charkiw, wo ein grosses Feld, das sie überqueren mussten, mit Leichen übersät war. Zwei von ihnen sahen, wie fast ihre gesamte Einheit, darunter Kenianer und andere afrikanische Staatsangehörige, innerhalb weniger Minuten unter dem Beschuss ukrainischer Drohnen ums Leben kam.
Die kenianischen Behörden schätzten im Dezember die Zahl der Kenianer, die zwangsweise in die russische Armee eingezogen wurden, auf etwa 200. Eine Zahl, die laut den vier von AFP befragten „Rückkehrern“ höchstwahrscheinlich zu niedrig angesetzt ist.
Kiew gab im November bekannt, mindestens 1436 Bürger aus 36 afrikanischen Ländern in den Reihen der russischen Armee identifiziert zu haben. (sda/afp)
