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Wird Trumps MAGA antisemitisch? Iran-Krieg spaltet amerikanische Rechte

Tucker Carlson, Megyn Kelly, Mark Levin (Combo-Teaserbild)
Bild: Shutterstock/Keystone/watson
Analyse

Wird Trumps MAGA antisemitisch?

Die Frage, ob Israel die USA in den Iran-Krieg gelockt hat, spaltet die amerikanische Rechte.
19.03.2026, 19:3019.03.2026, 21:30

Eigentlich könnte man dem Spektakel belustigt zuschauen: Ehemalige und aktuelle Fox-News-Moderatoren liefern sich auf X einen Streit, der an Gehässigkeit nicht zu überbieten ist.

Auf der einen Seite steht Mark Levin, der sich gelegentlich auch gerne the Great One nennen lässt, vielleicht weil er stets in einer pseudointellektuellen Umgebung (Bibliothek, Kaminfeuer) vor der Kamera steht. Auf der anderen Seite finden wir die Ex-Fox-News-Stars Megyn Kelly und Tucker Carlson.

Mark Levin listens as President Donald Trump speaks during a Hanukkah reception in the East Room of the White House, Tuesday, Dec. 16, 2025, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump
Trump-Fan Mark Levin.Bild: keystone

Worum geht es in diesem Streit? Levin ist Jude und begeistert von Trumps Krieg gegen den Iran. Kelly und Carlson hingegen fühlen sich davon verraten. Schliesslich hat der US-Präsident im Wahlkampf doch hoch und heilig versprochen, keine dummen Kriege mehr vom Zaun zu brechen, schon gar nicht im Nahen Osten.

Auf X hat Levin auf Kellys Kritik an Trump mit folgendem Post reagiert:

«Arme Megyn Kelly. Sie ist ein verwirrtes, unanständiges und ständig gereiztes Wrack. Sie hat ihre Maske fallen lassen und sich selbst zerstört. Sie ist all das, was die Leute von ihr sagen, aber noch viel schlimmer. Sie hat noch nie einen intelligenten, durchdachten oder substanziellen Kommentar veröffentlicht. Total toxisch.»

Die Replik von Kelly erfolgte umgehend:

«Mikro-Penis Mark Levin glaubt, er habe ein Monopol auf Unanständigkeit. Er tweetet obsessiv über mich, und zwar in der schlimmstmöglichen Art. Er mag es nicht, wenn Frauen wie ich ihm zurückgeben. Wahrscheinlich wegen seines Mikro-Penis.»
Tucker Carlson speaks at a memorial for Charlie Kirk in Glendale, Ariz., on Sept. 21, 2025, left, and Megyn Kelly appears at the Time100 Gala in New York on April 24, 2025, (AP Photo)
Golden-Globes-Po ...
Tucker Carlson und Megyn Kelly. Bild: keystone

Es gibt noch eine ganze Menge ähnlicher Posts, und, wie gesagt, eigentlich wäre es eine Gaudi, dieser Schlammschlacht zuzusehen. Doch es geht um eine sehr ernste Frage: Baut sich in den USA eine gewaltige antisemitische Front auf?

Ausgelöst hat das Ganze eine unbedachte Bemerkung von Marco Rubio. Der Aussenminister hat als Grund, weshalb die USA den Krieg gegen den Iran begonnen haben, angeführt, sie hätten dies getan, um Israel zuvorzukommen. Inzwischen hat Rubio diese Äusserung relativiert und Trump hat sie selbstredend dementiert, doch der Schaden ist angerichtet. Die Frage, ob die Juden die Amerikaner in einen sinnlosen Krieg gelockt haben oder nicht, spaltet die MAGA-Bewegung.

Secretary of State Marco Rubio takes part in a U.S. Hostage and Wrongful Detainee Flag Raising ceremony at the State Department, Monday, March 9, 2026 in Washington. (AP Photo/Kevin Wolf)
Marco Rubio
Hat den Stein ins Rollen gebracht: Aussenminister Marco Rubio.Bild: keystone

Auf der Anti-Israel-Seite befinden sich neben Kelly und Carlson MAGA-Grössen wie Marjorie Taylor Greene, Alex Jones oder der Blogger Joe Rogan. Auf der Pro-Israel-Seite treffen wir auf Namen wie die Senatoren Ted Cruz und Lindsay Graham, auf Fox-News-Kommentatoren wie Sean Hannity und Laura Ingraham oder die Influencer Ben Shapiro und Laura Loomer.

Für die Israel-Gegner ist der Iran-Krieg, was für die Nationalisten in Deutschland der Friede von Versailles nach dem Ersten Weltkrieg war: ein Dolchstoss in den Rücken aufrichtiger Patrioten. Und weil Trump bekanntlich nie einen Fehler begeht, machen sie wie einst die Faschisten dafür die Juden verantwortlich, insbesondere den israelischen Benjamin Netanjahu und AIPAC, die einflussreiche jüdische Lobby-Organisation in den USA.

Gewaltig Auftrieb erhalten hat diese Dolchstosslegende durch den Rücktritt von Joe Kent, dem Direktor des National Counterterror Center. Bei ihm handelt es sich nicht etwa um einen Trump-Hasser, im Gegenteil: Mehr MAGA als Kent ist nicht möglich. Der ehemalige Elitesoldat hat Beziehungen zu den berüchtigten Proud Boys und den White Supremacists und ist überzeugt, dass Trump bei den Wahlen 2020 betrogen und der Sturm aufs Kapitol daher berechtigt und von Patrioten begangen wurde.

FILE - Joe Kent, Director of the U.S. National Counterterrorism Center, speaks during a congressional debate at KATU studios Oct. 7, 2024, in Portland, Ore. (AP Photo/Jenny Kane, File)
Joe Kent
Zurückgetreten: Joe Kent, Dirketor des National Counterterror Center.Bild: keystone

In seinem Rücktrittsschreiben wirft Kent dem Präsidenten denn auch vor:

«In Ihrer ersten Amtszeit haben Sie es besser als alle anderen Präsidenten der Neuzeit verstanden, militärische Macht anzuwenden, ohne uns in endlose Kriege zu verwickeln. In dieser Regierung jedoch haben hohe israelische Beamte und einflussreiche Mitglieder der amerikanischen Medien eine Kampagne der Desinformation angewandt, welche den Zielen von America First völlig zuwiderläuft und Pro-Kriegs-Gefühle verbreitet, welche den Krieg gegen den Iran ermuntert haben.»

Mit diesem Brief ist Kent unvermittelt zum Held eines Teils der MAGA-Basis geworden. Tucker Carlson hat ihn umgehend zu einem längeren Interview eingeladen, in dem er seine Kritik an Trump und Israel ausführlich erläutern konnte.

Vor allem bei der Generation Z fällt die Dolchstosslegende auf fruchtbaren Boden. Ihre Vertreter kennen den Holocaust – wenn überhaupt – höchstens vom Hörensagen. Gerade bei den jungen Republikanern zeichnet sich deshalb eine erschreckende Entwicklung ab: Das Manhattan Institute, ein konservativer Thinktank, hat ermittelt, dass 31 Prozent der jungen Rechten zu rassistischen Ansichten stehen, 25 Prozent gar zu offen antisemitischen. Eine Mehrheit glaubt auch, dass es den Holocaust nie gab oder dass er übertrieben dargestellt wird. Bei den Republikanern über 50 teilen bloss 4 Prozent diese Ansicht.

Davon profitieren offen antisemitische Agitatoren wie Nick Fuentes und seine Groypers genannten Anhänger. Fuentes hat bereits Nachahmer. In Florida bewirbt sich beispielsweise ein gewisser James Fishback für das Amt des Gouverneurs. Wie Michelle Goldberg in der «New York Times» berichtet, hat der 31-Jährige zwar keine Chancen, gewählt zu werden, doch er findet bei der Generation Z grossen Zulauf.

Nick Fuentes
Holocaust-Leugner Nick Fuentes.Bild: tiktok

Dabei stimmt Fishback den offen faschistischen Ansichten von Fuentes zu. Dieser erklärt: «Die Juden regieren die Gesellschaft. Frauen sollen gefälligst den Mund halten, und die Schwarzen müsste man mehrheitlich ins Gefängnis stecken.»

Die Epstein-Affäre ist selbstredend ebenfalls Wasser auf die antisemitischen Mühlen. Goldberg berichtet daher davon, dass Fishback immer wieder den Sex-Verbrecher in Verbindung mit Israel bringt. So antwortet er auf die Frage nach dem Existenzrecht von Israel:

«Ich glaube vor allem, dass amerikanische Bürger ein Recht haben, in ihrem eigenen Land zu existieren und sich nicht fürchten müssen, ersetzt oder als Sexsklaven gehandelt zu werden.»

Zwischenbemerkung: Wer sich für die Frage, wie das Existenzrecht von Israel in der MAGA-Bewegung diskutiert wird, interessiert, dem empfehle ich ein Streitgespräch, das Tucker Carlson mit Mike Huckabee, dem amerikanischen Botschafter in Israel, geführt hat.

Lohnt sich: Das Interview von Tucker Carlson mit Mike Huckabee.Video: YouTube/Tucker Carlson

Wie verhält sich Trump im Streit um die Rolle Israels? Wie immer versucht er, allen Seiten gerecht zu werden. Einerseits verteidigt er Mark Levin. Er sei «ein wahrhaft grosser amerikanischer Patriot, der von Menschen mit weit weniger Intellekt attackiert werde», teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit.

Umgekehrt ist es jedoch gerade Trump, der den Antisemiten immer wieder den Rücken stärkt. So stellt Michelle Goldberg fest:

«Wir haben einen Präsidenten, der regelmässig antisemitische Äusserungen von sich gibt, obwohl er sehr pro Israel eingestellt ist. Er verbreitet jedoch auch regelmässig antisemitisch angehauchte Verschwörungstheorien über Globalisten, welche die Welt regieren. Und er ist auch ein Teil der Bewegung, die nicht davor zurückschreckt, abschätzige Bemerkungen über andere Ethnien zu machen und sie zu verteufeln.»
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Iran-Krieg in Bildern

Der Krieg im Iran hat zur Folge, dass die Ölpreise weltweit steigen.

quelle: keystone / altaf qadri
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Trump und Epstein in Titanic Pose
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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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K.A.T.E.R
19.03.2026 19:58registriert Februar 2025
Der Text will Antisemitismus innerhalb der MAGA-Bewegung analysieren, übernimmt dabei aber stellenweise selbst verkürzende oder problematische Frames – insbesondere durch die Gleichsetzung von „Israel-Lobby“ und „Juden“.

Dass diese Verkürzung („Israel-Lobby“ = „Juden“) auch 20 Jahre nach dem Erscheinen von John Mearsheimers und Stephen Walts Werk The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy noch immer so unreflektiert auftaucht, gibt mir zu denken. Gerade wenn man Antisemitismus analysieren will, sollte diese begriffliche Trennschärfe eigentlich selbstverständlich sein.
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Gina3
19.03.2026 19:46registriert September 2023
Wenn eine politische „Strömung“ ihre Daseinsberechtigung auf Ausgrenzung, Demütigung des Anderen, Polarisierung und Spaltung gründet … nun, dann ist es nur eine Frage der Zeit. Schritt für Schritt werden alle zu „Feinden“.
Und der Trumpismus hat per Definition keine Freunde.
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Magnum
19.03.2026 19:42registriert Februar 2015
Wird MAGA antisemitisch? Oder war MAGA von Anfang an genau das? Und die bedingungslose Unterstützung Israels nicht einer Sympathie für Juden geschuldet, sondern erstens eine Folge der Verachtung für alle Muslime und zweitens eine Folge von freikirchlichen Endzeit-Phantasien, wo Juden nur Mittel zum Zweck sind?
Wer die 50er Jahre für eine goldene Zeit der Vergeigten Staaten hält, blendet die McCarthy-Hysterie aus, wo Antibolschewismus und Antisemitismus zwei Seiten der gleichen Medaille waren. Die Rosenbergs, anyone?
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