Putins «Monsterrakete» bleibt vor allem Symbolik
Wenn es um den Krieg in der Ukraine geht, nehmen es viele Medien mit den Fakten nicht so genau. So titelten zum Beispiel britische Zeitungen: «Russland greift Kiew mit Oreschnik-Rakete an». Tatsächlich setzten die Russen diese relativ neue Mittelstreckenrakete am Wochenende aber nicht gegen die Hauptstadt ein, sondern gegen Bila Zerkwa, eine Ortschaft rund 80 Kilometer von Kiew entfernt.
Die Oreschnik gilt als ziemlich unpräzise und kann mit ihrer Streumunition nur gegen grossflächige Ziele wirken. Es ist zu vermuten, dass die Luftwaffenbasis von Bila Zerkwa getroffen werden sollte. Wie nächtliche Videoaufnahmen zeigen, war die Streumunition nicht mit explosiven Gefechtsköpfen ausgerüstet. Es handelt sich somit eher um eine symbolische Attacke, die prompt von russischen Militärbloggern kritisiert wurde. Eine Oreschnik kostet umgerechnet wahrscheinlich mehr als 20 Millionen Franken.
In Kiew gingen ungewohnt viele Geschosse nieder. Doch auch hier stimmt vieles nicht, was verbreitet wird: Die rund 90 Raketen und Marschflugkörper sowie etwa 600 Drohnen wurden nicht alleine auf die Hauptstadt abgefeuert, sondern auf viele Ziele im ganzen Land. Die Opferzahl hielt sich für einen solchen «Monsterangriff» denn auch mit vier Toten und knapp 90 Verwundeten im Grossraum Kiew in Grenzen. Im Durchschnitt feuert Russland etwas mehr als 200 Drohnen und Raketen auf die Ukraine – pro Tag.
Weil die Ukraine ihre Drohnenabwehr stark verbessert hat, die amerikanischen Patriot-Lenkwaffen zur Raketenabwehr aber dünn gesät sind, konnten vor allem Raketen durchbrechen und erhebliche Schäden anrichten. So brannte in Kiew ein Einkaufszentrum aus, und zahlreiche Wohnhäuser wurden zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogen. Offenbar zielten die Russen auch auf das Stadtzentrum rund um den Unabhängigkeitsplatz. Druckwellen beschädigten dort unter anderem ein Sportstadium, das Aussenministerium, das nationale Kunstmuseum und das Opernhaus. Verwüstet wurden daneben die Studios der Deutschen Welle und der ARD. Der bisher tödlichste Angriff auf die Hauptstadt forderte im Juli 2025 insgesamt 31 Tote. (aargauerzeitung.ch)
