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Donald Trump bei den Milliardären

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Donald Trump bei den Milliardären

Der Ex-Präsident erhält Mega-Spenden von Superreichen. Was versprechen sie sich davon?
26.06.2024, 16:59
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Noch in diesem Frühjahr wurde als wichtigstes Handicap Trumps für eine Wiederwahl die Ebbe in seiner Wahlkasse genannt. Die Kleinspender hatten keine Lust mehr, und die Mega-Mäzene zierten sich. Dazu kommen die enormen Anwaltskosten, die der Ex-Präsident verkraften muss. 50 Millionen Dollar waren es allein im letzten Jahr, im laufenden Jahr dürfte dieser Betrag noch höher sein.

Im Vergleich dazu sprudelten die Einnahmen bei Joe Biden wie ein Bergbach nach einem Gewitter. Allein an einem Wahlkampf-Diner in New York kamen vor ein paar Wochen rund 30 Millionen Dollar zusammen. Zumindest finanziell hatte der Präsident die Nase deutlich vorn. Das war mal. In den letzten Wochen hat Trump massiv aufgeholt. Inzwischen dürften die Wahlkassen der beiden Kontrahenten in etwa gleich gut gefüllt sein.

FILE - Miriam Adelson, wife of Las Vegas Sands Corporation Chief Executive and Republican mega donor Sheldon Adelson, listens as President Donald Trump speaks at the Israeli American Council National  ...
Will 100 Millionen Dollar für Trump spenden: Miriam Adelson.Bild: keystone

Schuld an Trumps wundersamer finanzieller Auferstehung sind in erster Linie ein paar Milliardäre. So hat Tim Mellon, Erbe eines Bankenimperiums, sich kürzlich verpflichtet, 50 Millionen Dollar in ein Trump-Superpac einzubezahlen. Superpacs sind Wahlkampf-Fonds für einen Kandidaten, dürfen jedoch nicht von diesem kontrolliert werden. Derweil berichtet die «New York Times», dass Miriam Adelson, Witwe des Casino-Tycoons Sheldon Adelson, gar 100 Millionen Dollar zugunsten von Trump zu spenden gedenkt. Ihr Vermögen wird auf 30 Milliarden Dollar plus geschätzt, sie zählt zu den reichsten Frauen der Welt.

Mellon und Adelson sind nicht von wirtschaftlichen Überlegungen getrieben, sie sind Überzeugungstäter. Mellon ist der Enkel von Andrew Mellon, dem amerikanischen Finanzminister, der zu Beginn der Dreissigerjahre mit seiner extremen Austeritäts-Politik die amerikanische Wirtschaft in eine Depression gestürzt hat. Wie sein Grossvater ist auch Tim Mellon ein bekannter Anhänger der Wirtschaftstheorien von Ludwig von Mises und Friedrich Hayek. Zusammen mit den Koch-Brüdern gehört er zu den traditionellen Spendern der Rechten.

Miriam Adelson ist wie ihr verstorbener Ehemann eine Hardcore-Israel-Lobbyistin. Sie ist in Israel geboren und eine vehemente Gegnerin einer Zwei-Staaten-Lösung. Sie ist eng befreundet mit David Friedman, Trumps ehemaligem Botschafter in Israel, und fest entschlossen, das Erbe ihres Gatten weiterzuführen. «Ich bin überzeugt, dass sie sich an dem orientiert, von dem sie denkt, was Sheldon getan hätte, wäre er noch am Leben», erklärt Friedman gegenüber der «New York Times».

The Blackstone Group Chairman & CEO Stephen A. Schwarzman is interviewed by Maria Bartiromo during her "Mornings with Maria Bartiromo" program, on the Fox Business Network, in New York F ...
Legt sich für Trump ins Zeug: Stephen Schwarzman, Chef der Blackstone Group. Bild: AP/AP

Vermehrt sind es jedoch nicht nur die Überzeugungstäterinnen und -täter, die für Trump spenden. Namhafte Vertreter der Business-Gemeinde wollen ebenfalls ihr Portemonnaie für Trump öffnen, so etwa die beiden Wall-Street-Financiers Bill Ackman und Stephen Schwarzman. Ihre Motivation ist undurchsichtig, ja geradezu idiotisch. In der «Financial Times» spricht Chefökonom Martin Wolf gar von der «Torheit der Pro-Trump-Plutokraten».

Tatsächlich macht ökonomisch gesehen eine Unterstützung für Trump keinen Sinn. Seine wirtschaftspolitischen Pläne sind abenteuerlich, um es milde auszudrücken. Sie bestehen aus einer Mischung von tiefen Steuern für Reiche und Unternehmen und hohen Zöllen. Der «Tariff-Man» Trump hat kürzlich gar den Vorschlag geäussert, alle Einkommenssteuern gänzlich abzuschaffen und durch Zolleinnahmen zu ersetzen.

Selbst konservative Ökonomen können darob nur den Kopf schütteln. Es wäre eine Rückkehr zu den Zuständen, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts herrschten, als die USA noch keine Einkommenssteuern kannten. Oder anders ausgedrückt: Was Trump hier vorschlägt, ist vergleichbar mit der These, die Transportprobleme unserer Zeit wieder mit der Dampflokomotive zu lösen.

Trump will sogar die Unabhängigkeit der Zentralbank abschaffen

Auch die Handelskriege – vor allem mit China – würden sich unter Trump weiter verschärfen. Dazu kommt eine weltweite allgemeine Verunsicherung, welche der Ex-Präsident verursachen würde und das Fehlen von «Erwachsenen» im Weissen Haus, welche die schlimmsten Impulse Trumps zumindest abschwächen würden. Zudem stellt der Ex-Präsident auch den heiligen Gral der modernen Marktwirtschaft infrage: Er will die Unabhängigkeit der Zentralbank abschaffen.

All dies müssten gerade den Business-Leuten die Haare zu Berge stehen lassen. Für Martin Wolf ist klar: «Biden mag alt sein. Aber Trump ist verrückt, und er ist nicht auf eine unterhaltsame Art verrückt, er ist auf eine gefährliche Art verrückt.»

Diese Einschätzung teilt auch Reid Hoffman, eine der bedeutendsten Figuren im Silicon Valley. Der Gründer von LinkedIn warnt in einem Gast-Essay im «Economist» die amerikanischen Unternehmer davor, sich mit Trump einzulassen. Er verweist darauf, dass ein funktionierender Rechtsstaat die Voraussetzung für gute Geschäfte sei, und dass diese Voraussetzung in einer zweiten Amtsperiode von Trump höchstwahrscheinlich nicht mehr gegeben wäre.

Um seine These zu untermauern, zitiert Hoffman einen, der es wissen muss: John Kelly, Trumps ehemaligen Stabschef. Dieser hat öffentlich erklärt, den Ex-Präsidenten diesmal nicht mehr zu wählen, und hat ihn als eine Person bezeichnet, «die nichts als Verachtung übrig hat für die demokratischen Institutionen, unsere Verfassung und den Rechtsstaat».

FILE - LinkedIn co-founder Reid Hoffman sits in the lobby of LinkedIn's Mountain View, Calif., headquarters on Tuesday, May 7, 2013. (AP Photo/Noah Berger, File)
Warnt vor Trump: Reid Hoffman, Mitbegründer von LinkedIn.Bild: keystone

Trotzdem gibt es auch im Silicon Valley zunehmend Unterstützer für Trump. So hat Doug Leone, Mitglied der bekannten Venture-Capital-Firme Sequoia, erklärt, für Trump zu spenden. Peter Thiel hat sich bisher zurückgehalten, seine Sympathien für den Ex-Präsidenten sind jedoch bekannt. Ebenso weit im rechten Lager ist Marc Andreessen zu finden. Der Erfinder von Mosaic und Netscape Navigator, die unter den ersten Internet-Browser waren, vertritt wie Thiel ultra-libertäre Ansichten, genauso wie Elon Musk. Dieser hat einst noch für die Demokraten gespendet, heute ist rechts von ihm nur noch die Wand, und eine Spende für Trump würde niemanden überraschen.

Die wachsende Unterstützung von Trump unter den Milliardären ist schwer verständlich. Okay, sie würden wahrscheinlich noch weniger Steuern bezahlen als unter Biden. Dieser will die Steuergeschenke von seinem Vorgänger nicht verlängern. Ebenso mögen sich Manager und Unternehmer ob den Regulierungen der Demokraten ärgern, und einige mögen sich erhoffen, dank Trump näher an die Schalthebel der Macht zu rücken. Putins Oligarchen lassen grüssen.

Doch Hand aufs Herz: Gerade unter Biden gilt für Milliardäre, was der ehemalige britische Premierminister Harold Macmillan seinen Landsleuten in den Fünfzigerjahren unter die Nase gerieben hat: «You never had it so good.» Die Börsen eilen von Höchststand zu Höchststand, die Arbeitslosenquote ist so tief wie seit den Sechzigerjahren nicht mehr und die Inflation schwächt sich ab.

Zum Glück gibt es jedoch auch unter den Reichen vernünftige Figuren. So meldet die «Financial Times», dass eine Umfrage unter den Superreichen ergeben hat, dass die Mehrheit von ihnen Biden unterstützt. «Die meisten Millionäre in den Vereinigten Staaten haben begriffen, dass die hohe Ungleichheit unsere Nation destabilisiert», sagt Morris Pearl, Vorsitzender der Clubs Patriotic Millionaires. «Wir müssen etwas dagegen unternehmen, bevor es zu spät ist.»

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Die besten und verrücktesten Schlagzeilen aus den USA
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via cbs miami

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47 Kommentare
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Schlaf
26.06.2024 17:16registriert Oktober 2019
Wenn die grossen Spender Überzeugungstäter sind, heisst dies, dass sie mindestens so einen an der Waffel Haben wie Trump?

Etwas haben sie gemeinsam, es ist alles geerbtes Geld, welches sie Trump im den Allerwertesten stecken.
Trump hat ja auch nur geerbt und nichts selber hingekriegt.
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insert_brain_here
26.06.2024 17:44registriert Oktober 2019
So undurchsichtig sind die Motive nicht, höchstens kurzsichtig. Für die Bonzen hat Trump während seiner Präsidentschaft abgeliefert: Steuergeschenke und Deregulierung. Was interessiert es die Milliardenerbin ob der arme Schlucker keine Arbeit findet und seine Kinder nichts zu essen haben?
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Der Micha
26.06.2024 17:07registriert Februar 2021
"Sie bestehen aus einer Mischung von tiefen Steuern für Reiche und Unternehmen..."

Damit hört das Denkvermögen viele Milliardäre auf. Alles andere wird gepflegt ignoriert.
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