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Lage der Nation: Trump schiesst sich mit Provokationen ins eigene Knie

epa12775338 US President Donald Trump gestures as he delivers the State of the Union address in the House Chamber at the US Capitol in Washington, DC, USA, 24 February 2026. EPA/JESSICA KOSCIELNIAK /  ...
Der amerikanische Präsident am Dienstag während seiner Ansprache zur Lage der Nation («State of the Union») in Washington.Bild: keystone
Analyse

Trump schiesst sich mit Provokationen ins eigene Knie

Während 108 Minuten lobt der US-Präsident das Hockey-Team, die Republikaner und sich selbst. Was der Republikaner während der Rede nicht sagte, könnte ihm im Wahljahr zum Verhängnis werden.
25.02.2026, 21:2026.02.2026, 03:27
Renzo Ruf

Donald Trump hat es wieder einmal geschafft. Mit einer gezielten Provokation hat der amerikanische Präsident die Demokraten am Dienstag derart zur Weissglut gebracht, dass sie einmal mehr überreagierten.

Der Moment ereignete sich während seiner Ansprache zur Lage der Nation, der jährlichen Grundsatzrede, die ein Präsident vor dem Kongress halten muss. Trump sprach über seine gnadenlose Einwanderungspolitik und darüber, dass der politische Gegner kein Interesse daran habe, die Kriminalität im Land mit harter Hand zu bekämpfen. Dabei sei es doch die «erste Pflicht» eines amerikanischen Politikers, amerikanische Bürger zu beschützen, sagte er, und «nicht illegale Einwanderer».

Wer diesem «fundamentalen Grundsatz» zustimme, der solle aufstehen, rief er sämtlichen anwesenden republikanischen und demokratischen Abgeordneten zu. Die rechten Parlamentariern folgten seinem Aufruf und klatschten  minutenlang. Linke Abgeordnete aber blieben demonstrativ sitzen. Sie reagierten auch nicht, als Trump über schockierende Gewalttaten im Land sprach und der Mutter einer ermordeten jungen Frau Mut zusprach. Trump nahm das am Rednerpult mehrmals kopfschüttelnd zur Kenntnis und sagte an die Adresse der Demokraten: «Sie sollten sich schämen!»

Einige Demokraten wollen den Olympia-Siegern nicht zujubeln

Natürlich war das eine sorgsam einstudierte Konfrontation. Trump wusste, dass sich demokratische Abgeordnete nicht von ihm befehlen lassen, wann sie zu jubeln hätten. So weit ist es in den USA noch nicht, auch wenn die 108 Minuten dauernde Rechtfertigungsrede des Präsidenten der Ansprache eines autokratischen Herrschers glich.

Über die Wortgefechte, die er sich mit den Demokraten lieferte, wird sich Trump dennoch gefreut haben. Sie fielen schärfer aus als gedacht, weil einige Abgeordneten überreagierten. Der CNN-Kommentator Scott Jennings jedenfalls sprach noch am Dienstag von einem «Moment, den die Leute nicht vergessen werden». Die Proteste der Demokraten eigneten sich perfekt für patriotische Werbespots im kommenden Wahlkampf, sagte der Republikaner.

Mag sein. Vielleicht gibt es tatsächlich Wählerinnen und Wähler, die sich darüber aufregen, dass einige demokratische Abgeordnete auf jede Provaktion Trumps hereinfallen. So gab es Volksvertreter, die nicht in den tobenden Jubel einstimmen wollten, als der Präsident das siegreiche Hockey-Team beklatschte und im Versammlungssaal spontan der Sprechgesang «U-S-A, U-S-A, U-S-A!» ausbrach. Dabei war es dem amerikanischen Olympia-Team in Italien doch gelungen, den Erzrivalen Kanada in einem atemberaubenden Finalspiel zu besiegen.

Video: watson/lucas zollinger

Trump sieht keinen Grund, den Kurs zu ändern

Aber mit seinen politischen Tricks versucht der Präsident auch zu überdecken, dass er politisch in einer Sackgasse steckt. Während die Mehrheit der Bevölkerung unzufrieden mit dem Wirtschaftsgang ist, beharrte Trump auf seiner Sichtweise: Alles laufe super, sagte er, und sein Land befinde sich nun in einem «goldenen Zeitalter».

Auf neue, grosse politische Vorstösse verzichtete Trump deshalb in seiner Rede weitgehend. Stattdessen betrieb er Pflästerchenpolitik und wärmte einige alte Ideen auf, die im Kongress politisch chancenlos sind – sein Vorschlag beispielsweise, die Geldflüsse im komplexen amerikanischen Gesundheitssystem umzuleiten. Solche Ideen sind auch deshalb chancenlos, weil Trump keine Anstalten macht, auf Einwände der Demokraten einzugehen.

Auffallend war auch, wie wenig sich der Präsident in seiner Rede mit Aussenpolitik beschäftigte. So war ihm der drohende Angriff gegen Iran nur einige Sätze wert. Trump verzichtete einmal mehr darauf, der amerikanischen Bevölkerung zu erklären, warum er derart viel Kriegsmaterial in den Mittleren Osten verlegt hat. So bleibt weiterhin unklar, ob der amerikanische Präsident den Sturz des Regimes in Teheran anstrebt oder ob er es bloss auf das Nuklearprogramm Irans abgesehen hat. Auch erwähnte Trump die Ukraine nur einige Sekunden lang und sprach überhaupt nicht über China, dem weltpolitischen Rivalen der USA.

Video: watson/lucas zollinger

In acht Monaten, wenn der nächste nationale Urnengang ansteht, ist das vielleicht alles schon wieder Schnee von gestern. Die amerikanische Politik bewegt sich im Schnellzugstempo fort. Auch das Hoch der Republikaner, das sie am Mittwoch verspürten, wird dann verpufft sein. Viele Wählerinnen und Wähler haben das Vertrauen in die Politik Trumps verloren, weil er sich nicht wirklich für ihre Sorgen interessiert.

Davon kann Trump auch mit seinen politischen Tricks nicht ablenken. (aargauerzeitung.ch)

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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Heinzbond
25.02.2026 21:33registriert Dezember 2018
Vor allem anderen haben Amerikaner die Aufmerksamkeitsspanne von einem halben Goldfisch mit Demenz...
Es tut mir leid wenn ich das so deutlich sagen muss, nach den ersten vier Jahren Trump gab es viel zu viele die ihn ein zweites und dann ein drittes mal gewählt haben....und noch immer hat er Zustimmungswerte die nicht im negativen Wert sind....
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Fakten_Checker
25.02.2026 21:30registriert September 2025
Und Trump und seine Republikaner Groupies sollten sich schämen, dass sie ICE zujubeln die amerikanische Staatsbürger tötet und dafür dass die Administration Trump Renee Good als Terroristin bezeichnet hat.
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Trollerix
25.02.2026 21:32registriert September 2017
Ich habe die Hoffnung schon beinahe aufgegeben. Trumps Regierung lenkt alles geschickt so, dass es keine richtigen Wahlen mehr geben wird. Die Amis sind inmitten einer Transition hin zu einem autoritären Regime.
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