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Der Thwaites-Gletscher schmilzt schneller als gedacht – warum das ein Problem ist

14.12.2021, 13:2114.12.2021, 18:22

Der Meeresspiegel steigt. Und weil der Meeresspiegel steigt, verlieren tausende Menschen den Boden unter den Füssen, ihre Häuser, ihr Land und ihre Lebensgrundlage.

Für ganze vier Prozent des globalen Meeresspiegelanstieges verantwortlich ist der Thwaites-Gletscher. Warum? Weil der Thwaites-Gletscher aufgrund der Klimaerwärmung schmilzt. Denn der Thwaites ist Teil der westantarktischen Halbinsel, derjenigen Region der Antarktis, die sich am schnellsten erwärmt.

Seine Zunge – flächenmässig etwa viermal grösser ist als die Schweiz – liegt als rund 45 km breiter Eispanzer im Ozean. Und schmilzt langsam in die Amundsensee. Grundsätzlich speichert der Gletscher so viel Wasser, dass er das Potenzial hat, den Meeresspiegel weltweit um 65 Zentimeter anzuheben.

Bild: pd/wikicommons

Nun berichtet die Glaziologin Erin Pettit von der Oregon State University in Corvallis besorgniserregendes: Neu entdeckte Risse an der Ober- und Unterseite des Schelfeises werden dazu führen, dass der Eisblock früher oder später auseinanderbrechen wird und noch schneller schmilzt. Und damit nicht genug: Letzten Monat entdeckten Satelliten eine sich beschleunigende Bewegung des Eises entlang der Risse.

«Das Schelf ist ein bisschen wie eine Windschutzscheibe mit einer Reihe von sich langsam öffnenden Rissen. Man denkt sich: Ich sollte mir eine neue Windschutzscheibe kaufen. Und eines Tages: Peng – und es gibt eine Million weiterer Risse.»

Die Auswirkungen eines solchen Zerbrechens des Gletschers könnten verheerend sein:

«Im schlimmsten Fall könnte der Beitrag des Gletschers zum globalen Meeresspiegel kurzfristig auf 5 Prozent ansteigen.»

Pettit wird morgen (Mittwoch) an einer Klima-Fachkonferenz zum Thwaites-Gletscher sprechen. Das Abstract gibt es hier. Die dazugehörige Publikation mit den Berechnungen und Modellen gibt es hier.

In Gefahr: der Eispanzer der Antarktis.
In Gefahr: der Eispanzer der Antarktis.Bild: Shutterstock

Der Thwaites-Gletscher als Schutzschild vor der Katastrophe

Während mehrjährigen Expeditionen entdeckten die Wissenschaftler, dass warmes Ozeanwasser sich seinen Weg unter den Thwaites-Gletscher bahnt – und die Aufsetzlinie (also der Ort, wo die Gletscherzunge den Boden berührt) des Gletschers darum langsam, aber sicher dünner wird. In einer Publikation von 2014 errechneten Glaziologen, dass der Thwaites in einem Zeitraum von 200 bis 900 Jahren komplett geschmolzen sein wird. Die neuen Daten von Pettit implizieren, dass dieser Prozess schneller voranschreiten wird.

Diese Entdeckung ist dramatisch. Denn der Thwaites verhindert quasi als Pfropfen, dass sich warmes Ozean-Wasser seinen Weg direkt zum Westantarktischen Eisschild bahnt. Verliert der Thwaites seine Aufsetzlinie, wird sowohl der Thwaites noch schneller schmelzen, und zusätzlich droht der beschleunigte Zusammenbruch des westantarktischen Eisschildes.

Ein kompletter Zusammenbruch des westantarktischen Eisschildes würde den globalen Meeresspiegel um 3,3 Meter ansteigen lassen. «Unsere Küsten werden aus dem Weltraum anders aussehen», sagt Robert DeConto, Glaziologe an der University of Massachusetts in Amherst. Und er ergänzt:

«Die Ozeane werden einfach zu warm für diese marinen Eisschilde, die sich unter viel kühleren Bedingungen als heute gebildet haben.»

(yam)

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Gletscher in Gefahr

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Gletscher in Gefahr
quelle: getty images south america / mario tama
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