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Argentinien: Ministerin provoziert kilometerlange Warteschlange

Ministerin: «Ihr habt Hunger? Dann kommt alle einzeln!» – Argentinier nehmen sie beim Wort

06.02.2024, 06:55
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People line up outside the office of Human Capital Minister Sandra Pettovello, in response to the minister stating she will personally assist the hungry, in Buenos Aires, Argentina, Monday, Feb. 5, 20 ...
Die Schlange in Buenos Aires zog sich über fast 30 Häuserblocks. Bild: keystone

Mit einer vermeintlichen Einladung an Hungernde hat eine argentinische Ministerin eine fast zwei Kilometer lange Warteschlange vor ihrem Ministerium provoziert. Hunderte Menschen standen am Montag in der Hauptstadt Buenos Aires vor dem Amtssitz der für Sozialpolitik zuständigen Minister Sandra Pettovello des ultraliberalen Präsidenten Javier Milei an. Die «Warteschlange des Hungers» zog sich über fast 30 Häuserblocks.

Ausgangspunkt waren Äusserungen der Ministerin vergangenen Woche, nachdem Demonstranten vor ihrem Ministerium Verspätungen bei der Lieferung von Lebensmitteln an Suppenküchen angeprangert hatten. Pettovello – laut offizieller Amtsbezeichnung Ministerin für Humankapital – sagte daraufhin: «Ich werde so verfahren: Leute, ihr habt Hunger? Kommt alle einzeln, ich werde euren Personalausweis aufnehmen, euren Namen, von wo ihr kommt, und ihr werdet individuell Hilfe erhalten.»

A woman holds a sign that reads in Spanish "I'm Betty, a student and I don't have enough to eat" as she lines up with others outside the office of Human Capital Minister Sandra Pet ...
«Ich bin Betty, Studentin und habe nicht genügend zu essen.» Bild: keystone

Die Demonstranten nahmen die Ministerin nun beim Wort - und standen vor ihrem Ministerium Schlange. Empfangen wurden sie allerdings nicht: Präsidentensprecher Manuel Adorni sagte am Montag, Pettovello habe niemanden eingeladen und werde niemanden empfangen. Sie habe lediglich «spontan» ihre Absicht zum Ausdruck gebracht, jedem Einzelnen zu helfen.

Adorni beteuerte zugleich angesichts des drakonischen Sparkurses des neuen Präsidenten Milei, an Lebensmittelhilfen werde die Regierung niemals Abstriche vornehmen – «in einem Land, in dem praktisch die Hälfte in Armut lebt und fünf Millionen Menschen nicht jeden Tag ausreichend essen». (sda/afp)

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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wintergrün
06.02.2024 06:39registriert Dezember 2017
Typisch Neoliberale Tante.
Große Worte nix dahinter.
Wirtschaftspolitik ist in erster Linie die eigene Bevölkerung zuverlässig zu versorgen.
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Rikki-Tiki-Tavi
06.02.2024 06:55registriert April 2020
Ist tragisch, wie es Teilen der argentinischen Bevölkerung geht. Andererseits ist die Reaktion natürlich top: Wie sähe es aus, wenn wir unsere Politiker ebenfalls immer gleich beim Wort nehmen würden?
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Atavar
06.02.2024 09:15registriert März 2020
Gefühlt: Wo man Hinschaut das gleiche Schauspiel - Marie Antoinette in jeder Regierung. Entkoppelte Entscheidungsträger. Sobald als möglich so viel als möglich abschöpfen. Egal von welcher Partei, in welchem Land und mit welcher hoffnungsvollen Botschaft in die Gunst der Wähler gelogen und betrogen...

Über Politikverdrossenheit wundern? Vertrauensverlust beklagen? Kann man nur mit komplett geschlossenen Augen.
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