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People walk on the black sanded beach in Vik, Iceland, near the Volcano Katla, Wednesday, Oct. 26, 2016. Katla Volcano has helped turn sleepy Vik, a community of 300 people some 110 miles (180 kilometers) east of the capital, Reykjavik, into a tourism hotspot. (AP Photo/Frank Augstein)

Touristen betrachten am Strand in Vik, Island, den Vulkan Katla.  Bild: AP/AP

Jetzt auch in Island: Stimmung gegen Touristen droht zu kippen

Der Tourismus bringt Island ordentlich Geld ein. Doch so langsam sind einige Bewohner die Massen satt. Steuert der Inselstaat auf eine Überdosis zu?



Bislang heissen die Isländer die wachsenden Touristenmassen herzlich willkommen – doch nach Brancheneinschätzung droht die Stimmung zu kippen.

«Wir sehen Zeichen, dass die Toleranz gegenüber den Touristen abnimmt, vor allem in den beliebtesten Gegenden», sagte die Direktorin des isländischen Tourismusindustrieverbands, Helga Árnadóttir, der Nachrichtenagentur DPA.

Das sei für den zweitwichtigsten Wirtschaftszweig auf der Vulkaninsel eine grosse Gefahr. «Das müssen wir ernst nehmen», sagte Árnadóttir. Der Tourismus sei für Island nach der schweren Finanz- und Bankenkrise ein «Lebensretter» gewesen.

Die Islandsbank prognostiziert für dieses Jahr rund 2,3 Millionen Besucher – ein sattes Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2010 hat sich ihre Zahl in dem kleinen 330'000-Einwohner-Land mehr als vervierfacht.

In den Sommermonaten ist laut Islandsbank jeder fünfte Mensch im Land ein Tourist. Im September zählte das Statistikamt 378'300 Übernachtungen. Amerikaner sind die häufigsten Besucher vor den Deutschen.

FILE - This Oct. 5, 2015 file photo shows the aurora borealis, or Northern Lights, over the Norwegian town of Harstad. Tourism to destinations like Norway, Iceland and Alaska has been growing in popularity in the coldest, darkest months, and Norway in particular has seen more tourists because of the movie “Frozen.” (AP Photo/Gregorio Borgia, File)

Die Nordlichter sind auch in Island zu sehen und locken viele Touristen an.  Bild: AP/AP

Noch ist die Stimmung positiv

«Die meisten Isländer stehen dem Tourismus immer noch positiv gegenüber und verstehen seine Bedeutung», sagte Árnadóttir. Möglicherweise aber brauche die Branche Grenzen. «Wie viele Gebäude in Reykjavik dürfen Hotels sein? Wie viele Restaurants? Wie viele Wohnungen wollen wir vermieten? Diese Entscheidungen muss die Regierung treffen», forderte sie.

Einheimische beschweren sich vor allem über Vandalismus, die Einführung von Eintrittsgeldern für Nationalparks, steigende Preise und Hotelbaustellen. Im vergangenen Jahr gab es wochenlange Diskussionen, weil öffentliche Toiletten fehlten und Touristen ihre Notdurft am Rand von Strassen und Privatgrundstücken verrichteten.

Der Tourismus habe aber auch positive Seiten, betonte Árnadóttir: «Wir haben jetzt Restaurants überall im Land, wo es früher nur Hotdog-Buden gab. Das hat die Lebensqualität der Menschen bereichert.» Viele Bauern auf dem Land hätten mit dem Tourismus ein zweites Standbein gefunden.

Wintersaison fördern

Ziel von Regierung und Industrie sei, dass die Besucher das ganze Jahr über kommen – auch im dunklen Winter – und das ganze Land bereisen, nicht nur den Südwesten um die Hauptstadt Reykjavik. Dafür aber müsse sich die Regierung stärker engagieren.

«Die Infrastruktur muss gestärkt werden. Strassen zu Touristenzielen müssen sicher und auch im Winter befahrbar sein», forderte Árnadóttir. «Leider konzentriert sich die Regierung weniger darauf, als wir wünschen.»

Dabei bringen Touristen laut Islandsbank fast 40 Prozent der isländischen Deviseneinnahmen. Jeder Besucher trage umgerechnet rund 1850 Franken zur heimischen Wirtschaft bei. Die Hälfte der seit 2010 geschaffenen Jobs habe direkt oder indirekt mit dem Tourismus zu tun.

Langweilige Touristenbilder mal anders

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Langweilige Touristenbilder mal anders
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Als Risiken für den Island-Tourismus sieht die Verbandschefin die in den vergangenen zwei Jahren instabile politische Situation und den Wechselkurs der isländischen Krone. «Die Touristen bleiben nicht mehr so lange, weil es teuer wird», sagte Árnadóttir.

Bereits 2015 lagen die Preise für Übernachtung und Verpflegung laut Statistik 44 Prozent über EU-Durchschnitt. Sie erwarte deshalb, dass sich der Tourismusboom bald abschwäche und bei einem «normalen Wachstum» von drei bis fünf Prozent einpendle. (sda/dpa)

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