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Refugee children try to catch relief goods tossed from an Australian military helicopter Monday, January 17, 2005 in a rice paddy in Lampaya, outskirts of Banda Aceh, Indonesia. Aceh was hardest-hit by the December 26, 2004 quake-spawned tsunami that killed more than 115,200 in Aceh, the northernmost province on Sumatra island. (KEYSTONE/AP Photo/Eugene Hoshiko)

Kinder in Indonesien warten auf Hilfsgüter aus einem Helikopter. Bild: AP

Heute vor 15 Jahren riss ein Tsunami fast eine Viertelmillion in den Tod

Am Stephanstag ist es 15 Jahre her, dass eine der tödlichsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Menschheit fast einer Viertelmillion Menschen das Leben kostete: der Tsunami im Indischen Ozean.



Zu seinen Opfern gehörten etwa 110 Schweizer, die meisten waren Touristen in Khao Lak im Süden Thailands. Einer von Ihnen war der Luzerner Autor Otto Marchi, der mit «Schweizer Geschichte für Ketzer» 1971 bekannt geworden war.

In den Resorts in Khao Lak ging es am zweiten Weihnachtstag gegen zehn Uhr zu. Das Frühstücksbüffet war schon fast leergegessen. Wer nicht schon am Strand lag, sass beim Kaffee und erinnerte sich mit Wohlgefallen an den Vorabend, als Kellner in Samichlaus-Mützen Getränke servierten und ein Kinderchor Weihnachtslieder sang.

An aerial view shows the Rahmatullah Lampuuk mosque in the village of Lhoknga, near Banda Aceh, Indonesia, Sunday, January 30, 2005. The mosque was the only building within approximately one kilometer to remain standing after the December 26, 2004 tsunami ravaged the area. (KEYSTONE/AP Photo/Greg Baker)

So sahen die Bilderbuchstrände nach dem Tsunami aus. Bild: AP

Da plötzlich wurde das Meer gleichsam leer. Viele eilten zum wundersam vergrösserten Strand, um sich das Spektakel anzusehen. Der Horizont hatte eine Spitzenborte aus Gischt erhalten, die näherkam.

Einige wenige Beobachter waren alarmiert und wussten, dass der Rückzug des Meers der Vorbote einer Monsterwelle, eines Tsunamis, war - vielleicht, weil sie es in einem Dokumentarfilm gesehen hatten.

Der rettende zweite Stock

Wer begriffen hatte, rannte - ins Landesinnere auf Hügel oder die Treppen von solid gebauten Hotels hinauf mindestens in den zweiten Stock. Wer Pech hatte, wurde vom Wasser - es war eine Wand, keine Welle, erinnerten sich viele - zuerst ins Landesinnere geschwemmt und dann aufs Meer hinausgerissen.

A street is littered with damaged vehicles and debris after the area was hit by tidal waves at Patong beach in Phuket, Thailand, Sunday, December 26, 2004. The most powerful earthquake in 40 years triggered massive tidal waves that slammed to coastlines across Asia on Sunday, killing more than 3,000 people in Sri Lanka, Indonesia, India, Malaysia and Thailand. The U.S. Geological Survey said the 8.9-magnitude earthquake in Indonesia is the largest in the world in 40 years. (KEYSTONE/AP Photo/Karim Khamzin)

Die Wassermassen trugen fast alles mit. Bild: AP

Als das Wasser wieder weg war, lagen überall Leichen, erschlagen von Trümmern der Infrastruktur, welche die Welle abrasiert hatte. Überlebende suchten verzweifelt nach Verwandten, Verletzte schlugen sich zu überfüllten Spitälern durch, wo ihre Wunden notdürftig mit Papier und Tesafilm verbunden wurden.

Von den über 100 Schweizer Todesopfern wurden in den nächsten Stunden und Tagen ein Dutzend von Angehörigen vor Ort, die meisten anderen erst im Verlauf des Jahres 2005 per DNA-Abgleich in der Schweiz identifiziert. Fünf wurden ein Jahr nach der Katastrophe noch vermisst.

Grösser, länger, schneller als alles vorher

Was war passiert? Um 07.59 Uhr Ortszeit (01.59 Uhr MEZ) bebte keine 100 Kilometer vor der Westküste der indonesischen Insel Sumatra entfernt, nur 30 Kilometer unter dem Meeresboden, die Erde. Zwei gewaltige Kontinentalplatten krachten nach jahrelang aufgebauter Spannung plötzlich auf einer Länge von 1000 Kilometern Länge auseinander - so viel wie selten bei Beben.

European tourists walk the beach of Kata assessing damages done by the tidal wave that hit Kata beach in Phuket, Thailand, Sunday, December 26, 2004. One of the most-powerful earthquakes in years triggered massive tidal waves that slammed into coastlines across Asia Sunday, killing more than 700 people in Sri Lanka, Indonesia , India, Malaysia and Thailand. Tourists, fishermen, homes and cars were swept away by walls of water unleashed by the 8.9-magnitude, centered of the west coast of the Indonesian island of Sumatra, officials said. (KEYSTONE/AP Photo/John Ishii)

Touristen an einem Strand in Thailand. Bild: AP

Das Beben dauerte zehn Minuten statt wie die meisten einige Sekunden. Es hatte nach verschiedenen Berechnungen die Stärke 9.1 oder 9.3 und war das zweitstärkste Beben in 100 Jahren. 1960 wurde in Chile ein Beben mit 9.5 registriert. Die durch die Erschütterung ausgelösten Wellenberge vor Sumatra rasten so schnell wie ein Düsenjet auf die Küsten zu.

In Hawaii sah man es kommenDen Seismologen im Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii war schnell klar, dass ein so starkes Beben grosse Zerstörungskraft hat - Stunden, bevor die Flut die Strände erreichte. Aber die Hawaiianer fanden keine Ansprechpartner für Warnungen in der Region.

Seither ist zwischen Indonesien und Thailand ein Tsunami-Warnsystem errichtet worden. Erdbeben, Meeresspiegelveränderungen und Wellen werden in Echtzeit gemessen und automatisch an eine 24 Stunden besetzte Alarmzentrale in Jakarta geschickt.

Danach dauert es noch höchstens zehn Minuten, bis die Warnkette die Küstengemeinden erreicht. Ein Beispiel: 2012 wurde vor Banda Aceh ein Beben der Stärke 8.2 registriert. Acht Minuten später waren die Andamanen und Nikobaren gewarnt.

A Sri Lankan woman whose two small children were killed in last week's devastating tsunami turns away from the sight of her wrecked house after visiting her home for the first time since the tsunami ravaged the village Sunday, January 2, 2005 in Mulaitivu in the rebel controlled North of Sri Lanka. A few dozen villagers returned to their homes to inspect the damage and to try to find important papers and sentimental items like photos. (KEYSTONE/AP Photo/Ed Wray)

Auch Sri Lanka wurde hart getroffen: Eine Frau kämpft mit den Tränen. Bild: AP

Eine so verheerende Tsunami-Katastrophe wie 2004 im Indischen Ozean wird es nach Einschätzung von Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam nie mehr geben - sofern das von ihm mitentwickelte Frühwarnsystem vor Ort korrekt gewartet wird. So starke Erdbeben wie an Weihnachten 2004 sind statistisch gesehen ohnehin sehr selten: Sie kommen laut Lauterjung etwa alle 400 bis 700 Jahre vor.

Noch nie wurde so viel gespendet

In der Schweiz wurde der 5. Januar 2004 zum Nationalen Trauertag erklärt. Gleichzeitig führte die Glückskette einen nationalen Sammeltag durch. Die Anteilnahme war überwältigend, am Ende kamen 227 Millionen Franken zusammen, die grösste Summe in der Geschichte der Glückskette.

Am 7. Januar beschloss der Bundesrat eine Hilfsoperation mit drei Transporthelikoptern und maximal 50 Armeeangehörigen in Indonesien, dem von der Katastrophe am stärksten betroffenen Land. 160 Tonnen Hilfsgüter wurden nach Sumatra geflogen. (mim/bzbasel.ch)

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