International
Brasilien

Wegen «Fluchtgefahr»: Richter ordnet Dauerüberwachung von Bolsonaro an

Wegen «Fluchtgefahr»: Richter ordnet Dauerüberwachung von Bolsonaro an

Der Oberste Gerichtshof in Brasiliens hat am Dienstag eine lückenlose polizeiliche Überwachung des wegen eines mutmasslichen Putschversuchs angeklagten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro angeordnet.
27.08.2025, 04:4527.08.2025, 04:45

Auslöser war ein Antrag, der auf eine «Fluchtgefahr» Bolsonaros hinwies. Richter Alexandre de Moraes forderte die Behörden auf, den ehemaligen brasilianischen Präsidenten durch die Stationierung von Polizisten vor dessen Wohnsitz «rund um die Uhr zu überwachen», wie aus einem Gerichtsdokument hervorgeht, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Bolsonaro musste zuvor bereits eine elektronische Fussfessel tragen und stand unter Hausarrest.

epa12305152 Former Brazilian president Jair Bolsonaro (R) leaves a branch of the DF Star hospital services in Brasilia, Brazil, 16 August 2025. Bolsonaro, who is under house arrest while being tried f ...
Jair Bolsonaro wird künftig dauerhaft überwacht.Bild: keystone

Die Verstärkung der Überwachung erfolgte auf Antrag von Lindbergh Farias, einem Abgeordneten der Partei des linksgerichteten brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Farias hatte auf eine «reale Fluchtgefahr» des Ex-Präsidenten hingewiesen. Die Staatsanwaltschaft forderte am Montag nach einer Prüfung von Farias' Antrag eine durchgehende Überwachung.

Der Rechtsaussen-Politiker Bolsonaro, der von 2019 bis 2022 Staatschef Brasiliens war, muss sich vor dem Obersten Gerichtshof wegen eines mutmasslichen Putschversuchs verantworten. Ihm drohen bis zu 40 Jahre Haft. Der Prozess soll Anfang September in seine Endphase gehen.

Zur Begründung seiner Entscheidung führte der für den Putschprozess zuständige Richter Moraes unter anderem an, dass Eduardo Bolsonaro, Sohn des ehemaligen Präsidenten, von den USA aus eine Kampagne führe, um die US-Behörden dazu zu bringen, sich für ihren Vater einzusetzen.

«Die unablässigen Aktivitäten von Eduardo Bolsonaro aus dem Ausland zeigen, dass Gefahr besteht, dass Jair Bolsonaro fliehen könnte, um sich dem Gesetz zu entziehen» – insbesondere angesichts der näher rückenden Gerichtsverhandlung, erklärte der Richter.

Unterstützung erhielt Bolsonaro von seinem Verbündeten, US-Präsident Donald Trump. Die US-Regierung verhängte Sanktionen gegen Richter Moraes sowie Zölle gegen Brasilien in Höhe von 50 Prozent. Sie begründet ihr Vorgehen mit dem Vorwurf einer «politisch motivierten Verfolgung» Bolsonaros, Trump selbst sprach von einer «Hexenjagd». (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5
«Fühle mich sicher, aber …» Dubai-Influencer spricht über seine Angst vor der Regierung
Ben Moss ist als britischer Influencer in den VAE wohnhaft. Seit den iranischen Angriffen muss er aufpassen, was er postet.
Dubai beherbergt Tausende von Expats aus Grossbritannien. Viele davon sind als Influencerinnen und Influencer tätig. In den letzten Tagen haben gerade diese Social-Media-Persönlichkeiten für Aufregung gesorgt. Dies, weil sie seit dem Raketenangriff des Irans auffällig viele Videos posteten, die die Regierung der VAE lobten. Nun hat ein britischer Influencer erstmals veröffentlicht, wovor er sich gerade fürchtet.
Zur Story